Kategorie
Autor:innen
Jahr

Alle für alle

Moderne Demokratie muss die ganze Gesellschaft repräsentieren, findet der Verein «Fair Wil» und fordert in seiner Petition ein politisches Mitspracherecht für Jugendliche sowie Migrantinnen und Migranten der Stadt.
Von  Corinne Riedener
Mitreden darf: vorerst nur, wer eingebürgert ist

In der Stadt Wil leben gut 23’500 Personen, der Ausländeranteil liegt um die 30 Prozent, je nach Quelle. Der aktuelle Jugendquotient (Anteil der unter 19-Jährigen im Verhältnis zur erwerbsfähigen ständigen Wohnbevölkerung von 20 bis 64) ist 0,3 gemäss Kantonsstatistik. In Wil ist demnach etwa ein Drittel der Bevölkerung unter 20, ebenso viele gelten als Ausländerin oder Ausländer. Sie alle sind wohl Teil des Stadtbildes, auf der politischen Karte aber unsichtbar.

«Migranten und Jugendliche haben keine politischen Rechte», kritisiert Rahel Diethelm und sammelt deshalb seit knapp einer Woche Unterschriften. Die von ihr mitverfasste Petition des Vereins Fair Wil fordert mehr Mitsprache für die beiden Gruppen und wurde bis Sonntag fast 130 Mal unterschrieben. Ein gelungener Auftakt in ihren Augen. Obwohl erst kürzlich auf die Beine gestellt, sei die Forderung keine Reaktion auf die Abstimmung im Februar, sagt die Fachfrau für internationales Recht und Beziehungen. «Als Verein agieren wir primär auf der zwischenmenschlichen Ebene, nicht auf der politischen.»

Artikel statt Stimmrecht

In Wil werde derzeit die neue Gemeindeverordnung erarbeitet, ergänzt SP-Parlamentarier und Vereinspräsident Arber Bullakaj, deshalb der Zeitpunkt. Der gebürtige Kosovare – buchstäblich über Nacht bekannt geworden, als er im Juli 2013 als erster Mensch aus dem Balkan ins Wiler Stadtparlament gewählt wurde – ist Mitbegründer von Fair Wil. «Förderung der interkulturellen Kommunikation zwischen Menschen aller Altersstufen, Schichten und Länder und damit auch deren Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben», fasst Vorstandskollegin Diethelm den Vereinszweck zusammen.

Bis zum Sommer sind mehrere Infoveranstaltungen, Vorträge und Standaktionen geplant, dann soll die Petition dem Stadtrat überreicht werden. Anders als etwa im Ausserrhodischen, wo auf kommunaler Ebene seit bald 20 Jahren ein Ausländerstimm- und Wahlrecht existiert, fordert sie aber keine Parlamentssitze, sondern einen Partizipationsartikel. Verankert in der Gemeindeordnung, nach dem Vorbild der Stadt St.Gallen.

Kaum Vorstösse in der Kantonshauptstadt

2007 wurde der Passus in St.Gallen nach einem Referendum knapp angenommen, mit unerwarteter Bilanz: Die befürchtete oder erhoffte Vorstoss-Flut bliebt aus. Insgesamt gab es acht Vorstösse, sechs von migrantischer und zwei von jugendlicher Seite, nur einer davon wurde für erheblich erklärt. In seinem Bericht präsentiert der städtische Integrationsbeauftragte Peter Tobler 2011 mehrere Erklärungen, zum Beispiel «langwierige Lern- und Vertrauensprozesse» oder «wachsende Politikverdrossenheit». Diese nehme auch bei den Stimmberechtigten zu, hält er fest. Wichtiger als die Zahl der Vorstösse sei ohnehin das Mitspracherecht an sich.

Papiertiger oder Chance für Wil? «Die Beteiligung hängt von der Umsetzung des Artikels ab», so Diethelm, «aber wir setzen wie St.Gallen auf spezielle Minderheitenvorstösse». Fair Wil wünscht sich vom Stadtrat zudem ein Jugendparlament samt Finanzplan für die Minderjährigen in Wil, unabhängig ihrer Papiere. Abstimmen mit 16 stehe aber nicht zur Debatte.

Einsatz durch Wertschätzung

Ein Jugendstimmrecht kennt bisher einzig der Nachbarkanton Glarus, dort wurde 2007 ein Juso-Vorschlag angenommen. Knapp zwar, aber offenbar im Glauben, dass Demokratie lernbar ist. Ein Vertrauensbeweis für die junge Minderheit – jene Wertschätzung, die auch die berufstätige Minderheit über 18 ohne Schweizer Pass verdient hätte. Deren Vorstösse mögen rar sein, doch wer nur halbwegs einbezogen wird, engagiert sich dementsprechend. Breitwillig räumen Personen ohne Stimmrecht manchmal ein, dass ihre angebliche «Verdrossenheit» nur als Ausrede diene.

Die Politik ist da zurückhaltender. Schwer zu sagen, wo ihre Beweggründe sind, ob Partizipationsartikel ebenfalls nur Alibi oder ernst gemeinte Schritte sind.

Mitsprache beginnt ohnehin nicht in der Politik, weiss auch Fair Wil und setzt deshalb seit der Gründung 2012 auf soziale Netze. Dreh- und Angelpunkt ist das Schreibbüro beim Bahnhof. Dort bietet der Verein jeden Samstag Schreib-Unterstützung in wichtigen Bereichen und ist zugleich Kontakt- und Anlaufstelle für Fragen rund um die Stadt und das Leben in Wil. Getragen wird das Freiwilligenprojekt von aktuell knapp 60 Vereinsmitgliedern, sowie Gönnern und Sponsoren.

Weitere Infos zur Petition: fairwil.ch

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze