Ja, was tut man denn in diesem Rorschach? Für den Rapperswilerbuben gibt es selbstverständlich nur eine richtige Antwort. Denn der Rapperswilerbub kennt die heimische Seebadi, das recht historische, ungemein schöne Badehaus mit Jahrgang 1940, das hinter der Altstadt versteckt in der Kempratener Bucht liegt. Ein gewisser Stolz schwingt schon mit, wenn der Rapperswilerbub seinem Besuch die Badi zeigt und sagt: «Eine der schönsten – ach was, die mit Abstand allerschönste Badi in der Schweiz – ach was, auf der ganzen Welt.»
Wenn aber der Rapperswilerbub mit Kollegin und Kollege in Rorschach einfährt, um sich da nach Geschichten umzusehen, und er von der Badhütte Rorschach gehört hat, Baujahr 1924, die letzte ihrer Art am Bodenseeufer, dann denkt er sich natürlich: «Jetzt wollen wir doch einmal sehen, was diese Badhütte in Rorschach kann.»
Arme benetzen.
Sie müssen wissen: Der Rapperswilerbub ist vor allem anderen ein Seebub. Er wurde am Lac Léman geboren; am Zürichsee fand die Aufzucht statt. Als er nach Wattwil an die Kanti ging, wurde er ein erstes Mal in seinem Leben so richtig mit Buben und Mädchen konfrontiert, die keine Seebuben noch Seemädchen waren. Ein äusserst bemitleidenswerter Menschenstamm, befand er. Denn: Wie lebt, wer keinen See hat? Lebt, wer keinen See hat, tatsächlich? Nein, wer keinen See hat, lebt nicht wirklich.
Das Schöne an der Kanti Wattwil ist, dass da junge Menschen von westlich und östlich des Rickenpasses zusammenfinden. Eine Dialektgrenze ist er, der Ricken, aber eben auch eine Grenze, die verschiedene Gattungen der Spezies Mensch trennt. Während die ennet-dem-Ricken-Menschen eindeutig Landmenschen sind, sind wir auf unserer Seite so etwas wie Kevin Costner im Film Waterworld, wo dieser evolutionsbedingt mit Kiemen versehen ein Zwischending zwischen Land- und Wasserlebewesen darstellt. Und was tut Kevin Costner am Schluss, als sie «Dryland» endlich gefunden haben? Er setzt sich auf sein Boot und segelt wieder aufs unendliche Wasser hinaus.
Oberkörper und Kopf benetzen.
Was tut der östlichere Ostschweizer an einem freien Nachmittag im Sommer? Nicht vorstellbar. Was gibt ihm Ruhe und Seelenfrieden im Winter? Nicht vorstellbar. Wie kommt er dem begehrten Weibchen näher, nachdem die Beizen schliessen? Er kann ja nicht – wie ich – sagen: «Komm, wir hüpfen noch schnell in den See», wobei es gezwungenermassen zu einer prä-bettlichen Entkleidung kommt, die sich etwas später, nach dem kehlewärmenden Schlummertrunk, fast gezwungenermassen wiederholt.
Wenn der Rapperswilerbub einen See sieht, dann springt er – oft während neun Monaten des Jahres – hinein. Nicht während zwölf Monaten. Die gibt es auch. Aber die nennt man Spinner.
Als also der Kollege schrieb: «Treffpunkt Badhütte, zu einem herzhaften Schwumm?», da dachte er nicht, dass der Rapperswilerbub einen Tag nach ergiebigem Schneefall tatsächlich mit Badehose aufkreuzen würde. Und: Weder er noch der Rapperswilerbub dachten, dass die Badhütte ein derartiges Unterfangen würde verhindern wollen. Denn: Die Badhütte Rorschach öffnet erst am 25. Mai ihre Tore.
Die Badhütte ist – von aussen besehen – eine sehr schöne Badi. Der Bodensee ist ein sehr schöner See. Der Rapperswilerbub ist wenige Meter neben der Badhütte Rorschach in den Bodensee gehüpft. So kalt ist es gar nicht mehr. Danach fühlen sich Seebub und Seemädchen stets wie neu geboren. Aber davon verstehen Sie wohl leider nichts.
Doch. Natürlich. Sie haben recht. Die Weihern sind auch schön. Haha!
Hinein ins Vergnügen!
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
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Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.