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Postkartenwetter in 8640 Rapperswil-Jona

Im Rahmen unserer Reihe #Saitenfährtein haben wir diese Woche Rapperswil-Jona (jop, dieses ominöse Städtchen ennetem Ricken) erkundet. Mehr dazu im nächsten Heft, hier schonmal der «Schönwetter-Werbespot».
Von  Corinne Riedener , 
Sali du! (Bilder: co)

Wenn es eine Wettergöttin gibt, liest sie Saiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Wetter in Rapperswil an diesem Dienstag so derart fantastisch ist.

Jedenfalls, Postkarten-Flavour. Man kommt sich fast ein bisschen vor wie in einem Hochglanzprospekt. Aber seht selbst:

postkartenwetter

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Die Rapperswiler Riviera sei ja «fast ein kleines Ascona», meint jemand beim Ankommen. Tatsächlich hat die Uferpromenade einen ziemlich mediterranen Charme, was aber weniger mit der riesigen Dieci-Pizzeria neben dem Schwanen zu tun hat, sondern eher mit den vielen Gartenbeizen, Böötlis und Glacé schleckenden Touristen.

Fürs Saiten-Verständnis vielleicht ein Mü zu gepflegt und sauber, diese Riviera… Sympathisch dafür, dass man kaum merkt, dass man hier eigentlich am Tsürisee weilt, so ohne all die Städtler, die sich dicht gedrängt alle gegenseitig mustern.

postkartenflavour

Auf unserer Suche nach neuen Inputs, Erkenntnissen und Bekanntschaften machen wir zuerst einen Abstecher auf die Insel Lützelau, wo sich unter anderem ein kleiner Camping befindet. Unser Skipper ist Joe Kunz, der umtriebige Inselchef:

joe

Auf der Lützelau, heisst es, verbringen die Einheimischen und auch viele Leute aus der Region ihre Freizeit. Glauben wir, schliesslich lässt es sich hier tipptopp campen – inkl. grillen und baden, Burger & Bier. Manche kommen sogar nur rasch fürs Mittagessen auf die Insel und verziehen sich nachher wieder in die Büros.

Und ganz wichtig: Nicht nur Klassenzusammenkünfte von Anno 1950, wie an diesem Dienstag, auch Konzerte und anderes «Kultur-Zeugs» finden auf dieser Insel Platz.

luetzel

Geht man einige Schritte, kommt man durch ein verwunschenes Mini-Wäldchen direkt an den Strand der Insel Lützelau. Den kennen natürlich auch die «sieben Zwerge», die wir inflagranti beim Grillen ertappt haben am Dienstag. Recht haben sie!

piratengoofen

Okay, ein Strand im klassischen Sinn, mit Sand und so, ist es nicht gerade, aber zum easy Bädälän reicht es allemal. Wer nicht unbeabsichtigt nass werden will, sollte sich jedoch in Acht nehmen vor den nicht ganz unglitschigen Steinen am Ufer…

inselstrand

Und weils (im Gegensatz zum Regenwetter in letzter Zeit) so schön ist, hier nochmal ein richtig heimeliges Postkartenbild – tadaa:

inselhafen

Nach dem Besuch bei Joe und den anderen «Insulanern» machen wir uns auf zum einstigen Machtzentrum von Rapperswil, dem Herrenberg, wo sich auch das Schloss – oder wie die Einheimischen sagen: die Burg – befindet.

Bei schwülen 25 Grad wirds ganz schön warm bei diesem Aufstieg. Gut, dass die höchst offiziellen Bekleidungsrichtlinien der Saiten-Gang keine Kopfbedeckungen vorsehen, denken wir. Ganz egal ob Tschäpper, Niqab, Hijab oder deren katholisches Pendant.

herrenberg_schlosshuegel

Oben am Schlossberg hängt eine Infotafel: «Das Rebgut der Stadt Rapperswil – erste urkundliche Erwähnung im Jahr 981, ursprünglich Besitztum des Klosters Einsiedeln – misst 30 Aren und lässt 1400 Blauburgunder-Reben gedeihen. Bewirtschaftung und Kelterung seit 1969 durch Gebr. Kümin, Weinbau, Freienbach.»

schlosshuegel

Was wohl aus diesem, bis jetzt eher verschifften Jahrgang wird?

Auf dem Weg zum Zmittag entdeckt: das Rapperswiler Stadtmuseum. Janus, der «markante, hochaufragende Neubau mit seiner gelochten Fassade aus Baubronze» ist sein Markenzeichen. Es soll eine «Verbindung von Alt und Neu, von historischer und zeitgenössischer Architektur» sein, sagt Architekt Andreas Frank.

2011 wurde Janus von Swiss-Architects zum «Bau des Jahres» gekürt – uns erinnert der Bau ein bisschen an grosse Dominosteine. Oder an die viel zu stark beachtete Garderobe einer gewissen Bundesrätin bei der Gottharderöffnung.

museum

Um 13 Uhr dann: endlich essen! Und das nicht irgendwo, sondern im Ende Mai eröffneten Zweithand-Bistro «inä» von Rodolfo Castelberg und Jorn Hoogeboom.

Der Clou: hier kann man nicht nur enorm gyle Plättli essen, nein, man kann – sofern das Portemonnaie genug dick ist – gleich das ganze Interieur posten. Hier ist wirklich alles zu haben: «Än Kafi gern und die Lampe döt obä.»

inae_1

Fast drei Jahre haben Rodolfo und Jorn an ihrem Bistro am Fuss des Herrenbergs herumgedacht, geplant und gebastelt. Der Start lief super, sagen sie, jetzt muss es auch noch so weiterlaufen. Am Freitag ist jeweils Wähen-Tag (Flade) und wenn es nach uns geht: ist jeden Tag Kafi-Tag. Der schmeckt nämlich verdammt gut.

Für alle, die die grossartige Message des Schranks übersehen haben, hier noch die Grossaufnahme:

edel

Das örtliche Bier darf tenks auch nicht fehlen, Rappigold heisst es. Ein ganz ordentliches Pale Ale. Gibts auch im «inä», nebst einigen anderen sehr feinen Bieren.

rappigold

Leider nur von aussen gesehen, die Rapperswiler Bierhalle. Die Fenster seien aber vermutlich das Schönste, heisst es…

bierhalle

Am Nachmittag geht es raus aus der Altstadt, weiter Richtung Jona, zum Kunst(Zeug)Haus, wo derzeit «Junge Kunst aus der Romandie» bestaunt werden kann. Y’a pas le feu au lac heisst die Ausstellung, die noch bis Ende Juni läuft.

kunstzeughaus

Wer es ein bisschen massentauglicher mag, kann sich hier auch dem Public Viewing hingeben während der Fussball-EM. «Fussball-Fieber im Museum» ist das Motto. Irgendwie werden wir den Gedanken nicht los, dass heuer alle vom EM-Zirkus profitieren wollen…

Eigentlich sind wir aber auf dem Weg zu den Young Guns, einer «Töffli-Gang für Fortgeschrittene», deren Homebase sich gleich neben dem Zeughaus befindet. Hier der Blick in die «Werki»:

werki_3

Töfflibuebe halt. Aber mit internationalem Renommée, mfall! Mehr dazu im nächsten Heft.

werki_1

Zu guter Letzt machen wir uns auf den Weg ins schöne Jona, mit dem Rapperswil 2007 fusioniert hat. Dort, gleich beim (neuen und irgendwie kurligen) Bahnhof befindet sich der Stall, ebenfalls ein neuer Ort zum Verweilen, Plaudern und Sein – mit sauguten Flammkuchen.

stall

Am Schluss kommt es, wie es meistens kommt: Im allerletzten Moment erwischen wir noch den Zug zurück in die Arschfalte St.Gallen, die Heimat. Drei Stunden später als geplant. Eigentlich ein gutes Zeichen… Mal schaun, was noch kommt.

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
Gu Kas Pa Ro 26 385960 Email Orginal 2

Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
Bildschirmfoto 2026 10 19 um 15 34 04

Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck