Wenn es eine Wettergöttin gibt, liest sie Saiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass das Wetter in Rapperswil an diesem Dienstag so derart fantastisch ist.
Jedenfalls, Postkarten-Flavour. Man kommt sich fast ein bisschen vor wie in einem Hochglanzprospekt. Aber seht selbst:
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Die Rapperswiler Riviera sei ja «fast ein kleines Ascona», meint jemand beim Ankommen. Tatsächlich hat die Uferpromenade einen ziemlich mediterranen Charme, was aber weniger mit der riesigen Dieci-Pizzeria neben dem Schwanen zu tun hat, sondern eher mit den vielen Gartenbeizen, Böötlis und Glacé schleckenden Touristen.
Fürs Saiten-Verständnis vielleicht ein Mü zu gepflegt und sauber, diese Riviera… Sympathisch dafür, dass man kaum merkt, dass man hier eigentlich am Tsürisee weilt, so ohne all die Städtler, die sich dicht gedrängt alle gegenseitig mustern.
Auf unserer Suche nach neuen Inputs, Erkenntnissen und Bekanntschaften machen wir zuerst einen Abstecher auf die Insel Lützelau, wo sich unter anderem ein kleiner Camping befindet. Unser Skipper ist Joe Kunz, der umtriebige Inselchef:
Auf der Lützelau, heisst es, verbringen die Einheimischen und auch viele Leute aus der Region ihre Freizeit. Glauben wir, schliesslich lässt es sich hier tipptopp campen – inkl. grillen und baden, Burger & Bier. Manche kommen sogar nur rasch fürs Mittagessen auf die Insel und verziehen sich nachher wieder in die Büros.
Und ganz wichtig: Nicht nur Klassenzusammenkünfte von Anno 1950, wie an diesem Dienstag, auch Konzerte und anderes «Kultur-Zeugs» finden auf dieser Insel Platz.
Geht man einige Schritte, kommt man durch ein verwunschenes Mini-Wäldchen direkt an den Strand der Insel Lützelau. Den kennen natürlich auch die «sieben Zwerge», die wir inflagranti beim Grillen ertappt haben am Dienstag. Recht haben sie!
Okay, ein Strand im klassischen Sinn, mit Sand und so, ist es nicht gerade, aber zum easy Bädälän reicht es allemal. Wer nicht unbeabsichtigt nass werden will, sollte sich jedoch in Acht nehmen vor den nicht ganz unglitschigen Steinen am Ufer…
Und weils (im Gegensatz zum Regenwetter in letzter Zeit) so schön ist, hier nochmal ein richtig heimeliges Postkartenbild – tadaa:
Nach dem Besuch bei Joe und den anderen «Insulanern» machen wir uns auf zum einstigen Machtzentrum von Rapperswil, dem Herrenberg, wo sich auch das Schloss – oder wie die Einheimischen sagen: die Burg – befindet.
Bei schwülen 25 Grad wirds ganz schön warm bei diesem Aufstieg. Gut, dass die höchst offiziellen Bekleidungsrichtlinien der Saiten-Gang keine Kopfbedeckungen vorsehen, denken wir. Ganz egal ob Tschäpper, Niqab, Hijab oder deren katholisches Pendant.
Oben am Schlossberg hängt eine Infotafel: «Das Rebgut der Stadt Rapperswil – erste urkundliche Erwähnung im Jahr 981, ursprünglich Besitztum des Klosters Einsiedeln – misst 30 Aren und lässt 1400 Blauburgunder-Reben gedeihen. Bewirtschaftung und Kelterung seit 1969 durch Gebr. Kümin, Weinbau, Freienbach.»
Was wohl aus diesem, bis jetzt eher verschifften Jahrgang wird?
Auf dem Weg zum Zmittag entdeckt: das Rapperswiler Stadtmuseum. Janus, der «markante, hochaufragende Neubau mit seiner gelochten Fassade aus Baubronze» ist sein Markenzeichen. Es soll eine «Verbindung von Alt und Neu, von historischer und zeitgenössischer Architektur» sein, sagt Architekt Andreas Frank.
2011 wurde Janus von Swiss-Architects zum «Bau des Jahres» gekürt – uns erinnert der Bau ein bisschen an grosse Dominosteine. Oder an die viel zu stark beachtete Garderobe einer gewissen Bundesrätin bei der Gottharderöffnung.
Um 13 Uhr dann: endlich essen! Und das nicht irgendwo, sondern im Ende Mai eröffneten Zweithand-Bistro «inä» von Rodolfo Castelberg und Jorn Hoogeboom.
Der Clou: hier kann man nicht nur enorm gyle Plättli essen, nein, man kann – sofern das Portemonnaie genug dick ist – gleich das ganze Interieur posten. Hier ist wirklich alles zu haben: «Än Kafi gern und die Lampe döt obä.»
Fast drei Jahre haben Rodolfo und Jorn an ihrem Bistro am Fuss des Herrenbergs herumgedacht, geplant und gebastelt. Der Start lief super, sagen sie, jetzt muss es auch noch so weiterlaufen. Am Freitag ist jeweils Wähen-Tag (Flade) und wenn es nach uns geht: ist jeden Tag Kafi-Tag. Der schmeckt nämlich verdammt gut.
Für alle, die die grossartige Message des Schranks übersehen haben, hier noch die Grossaufnahme:
Das örtliche Bier darf tenks auch nicht fehlen, Rappigold heisst es. Ein ganz ordentliches Pale Ale. Gibts auch im «inä», nebst einigen anderen sehr feinen Bieren.
Leider nur von aussen gesehen, die Rapperswiler Bierhalle. Die Fenster seien aber vermutlich das Schönste, heisst es…
Am Nachmittag geht es raus aus der Altstadt, weiter Richtung Jona, zum Kunst(Zeug)Haus, wo derzeit «Junge Kunst aus der Romandie» bestaunt werden kann. Y’a pas le feu au lac heisst die Ausstellung, die noch bis Ende Juni läuft.
Wer es ein bisschen massentauglicher mag, kann sich hier auch dem Public Viewing hingeben während der Fussball-EM. «Fussball-Fieber im Museum» ist das Motto. Irgendwie werden wir den Gedanken nicht los, dass heuer alle vom EM-Zirkus profitieren wollen…
Eigentlich sind wir aber auf dem Weg zu den Young Guns, einer «Töffli-Gang für Fortgeschrittene», deren Homebase sich gleich neben dem Zeughaus befindet. Hier der Blick in die «Werki»:
Töfflibuebe halt. Aber mit internationalem Renommée, mfall! Mehr dazu im nächsten Heft.
Zu guter Letzt machen wir uns auf den Weg ins schöne Jona, mit dem Rapperswil 2007 fusioniert hat. Dort, gleich beim (neuen und irgendwie kurligen) Bahnhof befindet sich der Stall, ebenfalls ein neuer Ort zum Verweilen, Plaudern und Sein – mit sauguten Flammkuchen.
Am Schluss kommt es, wie es meistens kommt: Im allerletzten Moment erwischen wir noch den Zug zurück in die Arschfalte St.Gallen, die Heimat. Drei Stunden später als geplant. Eigentlich ein gutes Zeichen… Mal schaun, was noch kommt.
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.