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Internationale Provinz

#Saitenfährtein im Rheintal: Zu Besuch bei Astrid Dörig und Katja Schmitter, zwei charmanten Beizerinnen Schrägstrich Veranstalterinnen mit ebenso charmanten Beizen. Und: Diesen Freitag wird in Altsätten gefeiert.
Von  Corinne Riedener
Willkommen in der Breite. (Bilder: co)

Das Rheintal erkunden. Die Mission war einfacher als erwartet: Nicht die verkrusteten Böcke besuchen, sondern die umtriebigen Ladies. Weil ja nicht alles scheisse ist im Chancental, ausser Mike Egger, die öffentlichen Verkehrsmittel und der Sommer 2016, wenn man direkt am Rheinufer wohnt. Aber eben, es gibt durchaus auch Amächeliges im Rhyntl, zum Beispiel die Breite in Altstätten oder die Bierhalle in Balgach.

Die Breite: ein helles Lokal mit vielen Details, aber nicht zu viel Schnickschnack. Chefin des Hauses ist Astrid Dörig. Die 25­-Jährige ist in Altstätten aufgewachsen und gehört quasi zum Dorfbild. Vor zwei Jahren hat sie die Breite übernommen, mittlerweile hat sie fünf Teilzeitangestellte – lauter Frauen. «Das war zwar nicht meine Absicht, aber ich arbeite schon sehr gern mit Frauen», erklärt sie. «Was natürlich nicht heisst, dass ich keine Männer einstellen würde!»

Heim nach Altstätten

Nach ihrer Lehre als Grafikerin zog es Astrid nach Zürich, wo sie Arbeit in einer Agentur fand. Der Job war aber nicht der Grund für ihren Tapetenwechsel, sondern die enge Heimat. «Sind wir ehrlich, es ist schon etwas tot hier in Altstätten», sagt sie lachend, «und ich wollte doch auch mal in einer richtigen Stadt leben.»

Gesagt getan. Doch wenig später wurde ihr ein Angebot zugetragen, das sie unmöglich ausschlagen konnte – unter der Hand, wie sonst: Die Breite suchte nach einer neuen Betreiberin. «Diese Bar zu übernehmen, hat mich wahnsinnig gereizt, denn nachdem der Freihof geschlossen wurde, fehlte mir etwas die Kultur in Altstätten. Diese Lücke wollte ich schliessen.» Im Herbst 2014 entschloss sie sich schliesslich, die Breite zu pachten. Rückblickend sagt sie, war das die schwierigste Entscheidung ihres Lebens. «Einerseits wollte ich in Zürich bleiben, andererseits war es die Chance, auf die ich gewartet hatte.»

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Einladend: die breit’sche Gartenbeiz

Seither läuft es in der Breite – meistens jedenfalls. Abgesehen von ein paar Lärmproblemen, habe sie noch nie ernsthafte Scherereien gehabt, erzählt Astrid beim Bier in der breit’schen, von Reben überwucherten Gartenbeiz. Überhaupt sei das Publikum erfreulich vielfältig. Wobei das auch an ihrem Konzept liegen dürfte: Einkehren kann man von Mittwoch bis Sonntag.

2 Jahre Breite & Welcome on Board Cri!:
14. Oktober, 21.30 Uhr, Breite Altstätten
bar-breite.ch

Tagsüber ist die Breite eine Kaffee­Bar – «da kommen auch gerne mal Mamis auf einen Latte Macchiato vorbei» – und am Abend ist Barbetrieb. Ein­ bis zweimal im Monat steigt ausserdem eine Party; mal mit DJs, mal mit Live­ Musik, meistens Rap oder was Elektronisches – aus Berlin, Zürich und anderen Orten, die nicht Rheintal heissen. Da kann es dann auch mal vorkommen, dass sie die Gäste wieder wegschicken muss, weil der Andrang so gross ist.

Womöglich verziehen sich die Abgewiesenen dann auf die angrenzende «Rue de Blamage», Altstättens Saufmeile, wer weiss. Oder sie machen einen Abstecher ins nahe Europa. In Altstätten gibt es jedenfalls nicht mehr sehr viel nach der Breite. Nebenan, in Widnau, da gäbs noch die Habsburg, aber die ist Kommerz.

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Hier spielen Klein & Gross.

Auf die Frage, warum es im Chancental nicht mehr Beizen wie ihre gibt – schliesslich wäre dieser zerzauste Fleck Agglo geradezu prädestiniert dafür –, reagiert Astrid diplomatisch. «Ich finde das Angebot nicht so schlecht. Zurzeit gibt es hier viele junge Leute, die im Hintergrund etwas am aufbauen sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass Altstätten boomt in einigen Jahren.»

Von der Dorfbeiz zur Konzertbeiz

Die Bierhalle Balgach: Ein holzig­heimeliges Lokal mit peripherem Charme, der an die Vorzüge abseits urbaner Ballungszentren erinnert. An der Wand eine Jukebox, in der Ecke eine Bühne und im WC­-Foyer das «Fumoir», wenn man nicht gerade draussen unter den Bäumen sitzt. Hier hat Katja Schmitter das Sagen.

bierhalle_2

Balgach: immer ein letztes Hemd

Die 36­Jährige führt die Bierhalle, die alte Linde, seit bald zehn Jahren, und hat aus der ehemaligen Dorfknelle einen Geheimtipp gemacht – Sky White Tiger aus den USA spielten schon hier, Eivør von den Färöern oder auch Smith & Smart aus Berlin. Je nachdem kommt die ganze Region oder gefühlt die halbe Schweiz.

Frank Powers (CH):
29. Oktober, 21 Uhr, Bierhalle Balgach
bierhallelinde.com

«Dass wir hier in den letzten Jahren vermehrt auch grössere Konzerte ma­chen konnten, habe ich vor allem den Beziehungen einer guten Freundin zu verdanken, die im Booking arbeitet», erklärt Katja. «Ich persönlich mag die Jazz­-Abende sehr, auch wenn sie ein bisschen kosten.» Jazz­-Gagen hin oder her: Die Bierhallen­Eintrittspreise dürften so manches Stadtkind vor Neid erblassen lassen.

Begonnen hat Katja wie Astrid: in Altstätten. Dort führte sie nach ihrer Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau vier Jahre die Galerie Kuststoff, 2007 übernahm sie dann das Projekt Bierhalle. Zwei Monate wurde fleissig aber moderat an der Beiz rumgewerkelt. Dieser frische Wind ist durchaus spürbar, doch es gibt überall wieder Ecken, wo die Jahre und Feste förmlich aus dem Holz triefen.

bierhalle_1

Neben der Bierhalle-Bühne: Erinnerungen an die Kuststoff-Galerie.

Eines sei trotz allem gleich geblieben, sagt Katja: die Vielfalt der Gäste. «Der Banker vom Liechtenstein trinkt hier sein Bier mit dem Stromer vom Dorf und den Unihockeylern aus Widnau.» Das ist ihr wichtig. Wenn sie Konzerte veranstalte, heisse das nicht, dass die «üblichen Verdächtigen» deswegen nicht mehr willkommen wären. «Mir war immer bewusst, dass die Bierhalle eine Dorfbeiz ist – und das soll sie ein Stück weit auch bleiben.»

Der Besuch bei Katja und Astrid hinterlässt ein Gefühl von vertrauter Enge und Sehnsucht nach dem Rest der Welt. Vielleicht ist es diese Mischung, die die St.Galler davon abhält, öfters mal einen Abstecher ins grenznahe Flachland zu wagen – sie unterscheidet sich kaum vom städtischen Schneckenhaus.

Dieser beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

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