Kategorie
Autor:innen
Jahr

Parkgarage Union: Ein harter Brocken

Damit hat die «private» Bauherrschaft, die das Parkhaus Schibenertor unter dem Union-Gebäude bauen will, wohl nicht gerechnet: Es gibt grundlegenden juristischen Widerstand.
Von  René Hornung

Die Garage mit den Namen Union plus soll ihre Ein- und Ausfahrten bekanntlich auf dem heute begrünten Mittelstreifen parallel zum Uniongebäude erhalten – auf dem Bild oben eine Ansicht des Gebäudes und der (noch autofreien) Strasse kurz nach dem Bau 1953 (Bild: Stadtarchiv).

Unter den Einsprachen gegen das Projekt wird eine der Baubewilligungsbehörde und dem Stadtrat so viel Kopfzerbrechen machen, dass es noch Jahre dauern kann, bis die Bagger auffahren – wenn überhaupt. Auf über 50 Seiten werden baurechtliche, öffentlich-rechtliche und staatsrechtliche Argumente gegen das Projekt ins Feld geführt.

«Missachtung des Volkswillens»

In Absprache mit dem Heimatschutz, dem WWF und dem VCS legen Juristinnen und Juristen hier dar, dass die Garage nicht bewilligt werden kann und die bereits erteilte Bewilligung zur Nutzung des öffentlichen Raums für die Ein- und Ausfahrt rückgängig gemacht werden muss. Aus Sicht des Heimatschutzes sind die Gründe vor allem städtebauliche. Es geht um den Ortsbildschutz. Für den VCS sind die Auswirkungen auf den Verkehr – insbesondere auf die Buslinien – nicht genügend geklärt. Der WWF kämpft für die Erhaltung des Grünstreifens zwischen Seeger und Union mit den inventarisierten Bäumen.

Diese umfangreichste aller Einsprachen nimmt auch die schon von SP und Grünen vorgebrachten politischen Argumente auf: Der Stadtrat hatte nach der Auswertung der Abstimmungsanalyse öffentlich gesagt, eine Parkgarage sei hier nicht mehr realisierbar, weil die Stimmberechtigten sie deutlich ablehnten. Jetzt an der gleichen Stelle ein Projekt von «Privaten» zu bewilligen sei eine Missachtung des Volkswillens. Und von einem «privaten» Projekt könne man nicht wirklich sprechen, sind doch 40 Prozent der Aktien der am Projekt massgeblich beteiligten Cityparking AG in städtischem Besitz.

Juristinnen und Juristen machen mobil

Formell handelt es sich nicht um eine Einsprache der Umweltverbände und des Heimatschutzes, denn diese sind bei diesem Bauprojekt – das angeblich ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durchgewinkt werden kann – dazu nicht legitimiert. Eingereicht wurde sie von der Rechtsanwältin Franciska Hildebrand, die ihr Büro in unmittelbarer Nachbarschaft des Schibenertors hat. Verfasst wurde sie im Wesentlichen vom Fachjuristen Gregor Geisser. Mehrere seiner Kolleginnen und Kollegen haben hier ebenfalls mitgewirkt – ein Zeichen dafür, dass sich breiter Widerstand ankündigt.

Die Parteien von Links und Grün, der Ex-Politiker Albert Nufer und der Umweltaktivist Hansueli Stettler haben damit kräftigen Support bekommen. Nufer kritisiert die Umweltbelastung, auch jene durch die Lastwagenfahrten wahrend der Bauzeit und die Behinderung des öffentlichen Verkehrs. Stettler bringt in seinem Strauss von Argumenten unter anderem vor, dass die Folgen der unterbrochenen Grundwasserströme nicht abgeklärt seien und dass der Umgang mit zu erwartenden archäologischen Funden nicht geregelt sei.

Viele sachliche Argumente sprechen gegen die Garage Schibenertor. Die Einsprachen werden zum harten juristischen Brocken. Soll das Projekt verhindert werden, braucht es auch politischen Druck. Die Gegner sind dabei gut aufgestellt. 2010 sagten die Stimmberechtigten Ja zum «Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung». Dieses verlangt, der Individualverkehr sei zu plafonieren. Demnächst steht eine nächste, ähnliche Grundsatzfrage an: jene, ob auf dem Güterbahnhofareal ein Autobahnanschluss gebaut werden darf.

Je mehr solche Fragen zukunftsgerichtet beantwortet werden, desto weniger Parkgaragenplätze brauchen wir.

Ein Kommentar aus dem Septemberheft von Saiten.

pfenninger1

St.Gallen, verkehrsbefreit…: Ein Winterbild – sogenannte Bick-Photographie – von Otto Pfenninger 1882. Heute steht hier anstelle der Linde der Broderbrunnen. (Bild: Stadtarchiv St.Gallen)

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Stadtentwicklung – Es wird wieder gearbeitet – #kurzverbloggt,  

… Ebenfalls zur Stadtentwicklung gehört noch ein zweites, sehr heisses Eisen. Der geplante Bau der neuen Parkgarage Union+ oder auch Schibenertor. Hier gestaltet sich das ganze für den Stadtrat schon etwas schwieriger. Liegt doch eine 50seitige Einsprache auf dem Tisch. …

Stadtentwicklung – Es wird wieder gearbeitet | Marcel Baur,  

… oder auch Schibenertor. Hier gestaltet sich das ganze für den Stadtrat schon etwas schwieriger. Liegt doch eine 50seitige Einsprache auf dem Tisch. Ein Schnellschuss der Stadt und der Cityparking AG, an der die Stadt mit 40% beteiligt ist? Sieht …

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595