, 2. Mai 2012
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Bad Banker aus St.Gallen

Viel wird  momentan geschrieben über den «Besserwisser-Banker» («Blick») Konrad Hummler und den Fall von Wegelin, der angeblich ältesten Privatbank der Schweiz. Hier eine kleine Presseschau: In der «Aargauer Zeitung» fehlte es Stefan Schmid bisher an einer kritischen Auseinandersetzung mit Hummler, gerade in St.Gallen – mit einer Ausnahme: Öffentliche Kritik musste Hummler bis zum Wegelin-Ende fast […]

Viel wird  momentan geschrieben über den «Besserwisser-Banker» («Blick») Konrad Hummler und den Fall von Wegelin, der angeblich ältesten Privatbank der Schweiz.

Hier eine kleine Presseschau:

In der «Aargauer Zeitung» fehlte es Stefan Schmid bisher an einer kritischen Auseinandersetzung mit Hummler, gerade in St.Gallen – mit einer Ausnahme:

Öffentliche Kritik musste Hummler bis zum Wegelin-Ende fast keine einstecken. Nur ansatzweise in der von ihm präsidierten NZZ, sicher nicht in der Heimbasis Ostschweiz, wo sich Wegelin unter anderem als Sponsorin der Bachstiftung grosszügig gibt. Nur das Kulturmagazin «Saiten» veröffentlichte 2008 einen vernichtenden Artikel. «Hummlers Hofstaat», hiess der Titel. Der Autor unterstellt Hummler antidemokratische Absichten. «Man strebt nach Geld und Glück und Vollkommenheit. Freiheit und Brüderlichkeit! Gleichheit und Gerechtigkeit hingegen negiert man. Über die Dummen, die Armen und die Ehrlichen wird gespottet.» Hummler reagierte auf die linke Provokation mit einem geharnischten Leserbrief und einem vorübergehenden Inserateboykott. «Was wir (…) zu lesen bekommen, ist ein aufgemotzter Dorfkalender, (…) das kulturelle Alibi redaktionell zusammengekratzt mit Möchtegern-Meienberg-Material. Meienberg ist tot; er hat im Dorf nur Würstchen hinterlassen.» Das Dorf ist St.Gallen, die Hauptstadt aller Würste. Hummlers Stadt. Dort, wo Bürgerliche nur hinter vorgehaltener Hand Kritik üben wollten, wo Wegelin Liegenschaften an bester Lage kaufte. Wer kritisiert, ist ein Würstchen. Überhaupt: Hummler und die Wurst: Würste lassen sich nur so lange verkaufen, wie nicht «ein berechtigter Verdacht aufkommt, es könnte Gammelfleisch in die Produktion eingeschleust worden sein», verglich Hummler 2007 den Metzger mit dem gewinnmaximierenden Banker. Der Banker als schummelnder Metzger? Und das ausgerechnet in St.Gallen.

Es gibt weiterhin die Weisswäscher. Ein zuverlässige Adresse ist Roger Köppel. In der Weltwoche schreibt er:

Vertiefte Recherchen der Weltwoche lassen den Schluss zu, dass sich die kürzlich unter dem Druck amerikanischer Ankläger verkaufte Schweizer Privatbank Wegelin keine strafrechtlich relevanten Vergehen hat zuschulden kommen lassen. Weder nach amerikanischem noch nach schweizerischem Recht.
Die Bank wird von den Amerikanern beschuldigt, sich an einer conspiracy beteiligt zu haben, also an einer bandenmässigen Anstiftung amerikanischer Bankkunden zum Steuerbetrug. Letztlich hat der auf dieser Grundlage entwickelte Klagedruck dazu geführt, dass die altehrwürdige Privatbank aufgetrennt und in Teilen verkauft werden musste. Die Drohung allein reichte, um den St. Gallern die Luft abzudrehen.

Nach Recherchen der Weltwoche gibt es bis heute keine Beweise, die eine Basis bilden könnten für den von den Amerikanern erhobenen Vorwurf der conspiracy.

Wenig überraschend wird in der «Weltwoche» nicht erklärt, welche vertieften Recherchen diesen Schluss zulassen. Noch weniger überraschend wird die detaillierte Anklageschrift der New Yorker Staatsanwaltschaft nicht zitiert. Was Wegelin alles vorgeworfen wird, hat dafür Carlos Hanimann in der «WoZ» zusammengefasst:

Über die Website swissprivatebank.com konnten US-AmerikanerInnen Kontakt mit der Bank aufnehmen, wenn sie ein Konto eröffnen wollten. Anwälte richteten Scheinfirmen in Liechtenstein, Hongkong oder Panama ein, um die wahren Besitzverhältnisse der Konten zu verschleiern. Die Wegelin-Berater wiesen ihre Kund≠Innen an, nicht aus den USA anzurufen und keine Mails zu schicken. Lieber, so ≠heisst es in einem Fall, sollte der Kunde über SMS kommunizieren, weil die Strafverfolgungsbehörden die riesigen Datenmengen, die weltweit verschickt werden, nicht verfolgen könnten. Ein Kunde wollte bei Anrufen seinen Namen nicht nennen, weshalb er den Codenamen «Elvis» benutzte. Die Bank nahm auch Dokumente von KundInnen an, die bescheinigten, dass ihr Konto nicht vor dem Steueramt versteckt worden sei, wobei es doch gerade zu diesem Zweck bei Wegelin eröffnet worden war. Die Vermögen auf undeklarierten Konten der Bank stiegen von 240 Millionen im Jahr 2005 auf 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010.

In der Basler Zeitung (!) führt der Ökonom Klaus Wellershoff (früher UBS) in einem Interview mit dem Titel «Bank Wegelin ist nicht Opfer – sie ist Täterin» folgendes aus:

BaZ: Nicht die Politiker, die Banken stehen also jetzt in erster Linie in der Verantwortung?

Wellershoff: Genau. Derzeit haben wir es mit einem eklatanten Versagen der betroffenen Bank- und Verwaltungsräte zu tun. Für alle Bürger mit gesundem Menschenverstand ist es doch überhaupt nicht nachvollziehbar, dass es – nach all den durchlittenen Problemen mit der UBS – die Bank Wegelin gewagt hat, ihre Produkte auf ehemalige UBS-Kunden in den USA auszurichten. Da können einem die Politiker nur leid tun. Sie werden in Geiselhaft genommen und müssen deswegen Notfallübungen veranstalten. Wenn stimmt, was in den Medien verbreitet wird, müssen wir feststellen: Die Bank Wegelin ist nicht Opfer der US-Behörden – sie ist Täterin. Wobei mir scheint, dass Wegelin schon vor dieser USA-Geschichte nicht sonderlich profitabel war und vielleicht ohnehin Probleme bekommen hätte.

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