Brodliges Stellwerk
Zeitgenössische audiovisuelle Künste erhalten im Rheintal eine neue Plattform. Hauptgäste bei der Erstausgabe der «Wegwarte» im Stellwerk Heerbrugg sind Alice Köppel und Miro Kuzmanović.
«Wegwarte 001» lautet der Titel der Erstausgabe der neuen Veranstaltungsreihe, kuratiert von Bassist Sandro Heule und Kulturvermittlerin Ursula Badrutt. Ziel des neu gegründeten Vereins Wegwarte ist es, den audiovisuellen Künsten im Rheintal und ihrem Zusammenspiel mehr Platz einzuräumen.
Der Titel ist bei aller Nüchternheit auch eine Ansage: Man ist gekommen, um zu bleiben. Die dreistellige Nummerierung suggeriert, dass mehr als 99 Ausgaben denkbar sind.
Vorerst aber mal zur Premiere: Die «Wegwarte» öffnet die Tore des Stellwerks in Heerbrugg am 12. Juni. Hier werden bis 28. Juni zwei Installationen zu sehen sein. In einem «versprengten Tryptichon-Format» zeigt Alice Köppel (2003), wie man Superstar wird und was das mit ihrem Heimatdorf Diepoldsau zu tun hat. Ausserdem führt Miro Kuzmanović gemäss Ankündigung auf der Website an die Bedeutung von Fotografie als Mittel der Erkenntnis heran und zeigt, welche Wirkung Grenzen haben.
Umrahmt wird die Ausstellung von einem reichhaltigen Programm. Zur Eröffnung richtet beispielsweise das Chuchchepati Orchestra (Patrick Kessler, Mario Hänni, Sandro Heule) seine Lautsprecherinstallation ein und lässt im «Chuchi»-artigen Experimentierraum «Klänge, Geräusche und Töne simmern, brodeln, hochkochen und auskühlen».
Am 14. Juni präsentiert Miro Kuzmanović seine Arbeit. «Migration ist eine schmerzhafte Erfahrung», sagt der autodidaktische Dokumentarfotograf, der als 16-Jähriger aus dem damaligen Jugoslawien nach Lustenau flüchtete. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt auf Wahrheit und Erinnerung und der Frage, wie diese unsere Realität prägen.
Eine Tanz- und Stimm-Performance gibts am 27. Juni von Alice Köppel. Schreiend, tanzend und torkelnd erforscht die Performancefigur Alice Köppel Superstar, was es bedeutet, sich selber eine Stimme zu geben – und ganz nebenbei zum Superstar zu werden. Weil Superstars Zugehörigkeit kreieren, sind sie auch Personen der Care. Und nicht zuletzt ist Superstar zu sein auch politisch. Und zum Abschluss am 28. Juni fährt noch einmal das Chuchchepati Orchestra ein.
«Wegwarte 001»: Audiovisuelle Künste im Rheintal.12. bis 28. Juni, Stellwerk Heerbrugg wegwarte.space
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