, 31. Januar 2014
1 Kommentar

Es bläst der Ostwind (in die falsche Richtung)

Der Tarifverbund Ostwind verärgert die ÖV-Passagiere in der Stadt. Vielleich stellt sich bald die Sinnfrage.

Am 10. März 2009 stimmte das Stadtparlament dem Beitritt zum integralen Tarifverbund Ostwind zu.

Als grosser Vorteil wurde damals die Schaffung der neuen Zone 10 angepriesen, zu der neben der Stadt St.Gallen die Agglomerationsgemeinden Gaiserwald, Wittenbach, Mörschwil und Teufen gehören. Genau diese grosse Zone, die auf die Pendlerströme im Grossraum St.Gallen zugeschnitten ist, soll nun aber wieder abgeschafft werden. Doch davon später.

Zuerst folgt chronologisch geordnet, was sich mit Ostwind für die Passagiere der VBSG alles geändert hat:

Mit dem Start wurden die Einzelbillette um 20 Prozent teurer. Statt 2.50 Franken kosteten sie neu 3 Franken. Dafür sind zu diesem Preis beispielsweise Fahrten von Wittenbach bis nach Abtwil möglich.

Die Mehrfahrtenkarten wurden um 23 Prozent teurer.

Innerhalb der Stadt wurde die Kurzstrecke eingeführt, die eigentlich im Tarifverbund nicht vorgesehen ist. Damit wurde ein Teil der Preiserhöhungen wieder aufgefangen. Das Einzelbillett kostet heute 2.30 Franken, mit dem Halbtax 2.10 Franken.

Zuerst galt die Kurzstrecke nur für drei Haltestellen. Nach Protesten und einigem Hin- und Her wurde sie auf fünf Haltestellen erweitert.

2012 schlugen die Tarife für die Einzelbillette auf und zwar um 10 Rappen.

Ende 2013 strich Ostwind in der Stadt St.Gallen die Kinderbillette. Schülerinnen und Schüler, die eine Mehrfahrtenkarte lösen, bezahlen statt wie bisher 8.60 neu 13.80 Franken. Die beiden SP-Stadtparlamentarier Monika Simmler und Pascal Kübli kritisierten in einem Vorstoss «eine Preiserhöhung von 60 Prozent».

Soviel bis heute.

Richtig interessant wird es Ende 2014. Bereits beschlossen ist eine neue Ringzone rund um die Stadt St.Gallen. Wer aus der Agglomeration ins Stadtzentrum fährt, zahlt künftig für zwei Zonen. Wie viel diese Billette kosten werden, ist noch nicht bestimmt. Offen ist auch, in welche Zone Winkeln eingeteilt wird. In den Verhandlungen pochte die Stadt bisher darauf, dass das ganze Stadtgebiet in der gleichen Zone bleibt. Ob das gelingt, ist unsicher.

Auf Anfragen, wieso die Tarife erhöht oder geändert werden, verweist die Stadt regelmässig auf Ostwind. Dort heisst es, der Kanton St.Gallen mache Sparvorgaben. Oder der Bund.

Stimmt alles.

Der öffentliche Verkehr ist kompliziert organisiert. Das entscheidende Ostwind-Gremium, das unter anderem auch höhere Tarife beschliesst, setzt sich aus Vertretern der beteiligten fünf Ostschweizer Kantone und den vier grössten ÖV-Betrieben in der Region zusammen. Kantone und ÖV-Betriebe haben je fünf Stimmen. Die Beschlüsse müssen nicht einstimmig erfolgen.

Der Mechanismus geht so: Der Kanton St.Gallen, aber auch Thurgau und Appenzell Ausserrhoden wollen sparen. St.Gallen will jährlich vier Millionen weniger ausgeben als im Finanzplan vorgesehen. Das bedeutet, dass Massnahmen ausgearbeitet werden müssen, die Mehreinnahmen bringen. Sie werden im Grundsatz beschlossen. Für die Details ist dann die Geschäftsstelle Ostwind zuständig.

Die Stadt, für die der öffentliche Verkehr von zentraler Bedeutung ist, befindet sich bei solchen Entscheiden in einer schwachen Position.

Zu hören ist, dass der Entscheid über die neue Ringzone mit einer Gegenstimme gefällt wurde. Es dürfte die Stimme der VBSG gewesen sein. Jedenfalls informierte danach Stadtrat Fredy Brunner die Gemeindepräsidenten der Agglomerationsgemeinden über die Pläne von Ostwind, bevor sie im Detail abgesegnet sind. Seither wird vor und hinter den Kulissen heftig diskutiert.

Aus Sicht der Stadt geht es um viel.

Als nächstes könnte es unter dem Titel «Beseitigung von Tarif-Ungerechtigkeiten» um die Abschaffung der Kurzstrecke gehen.

Dies würde den Spar-Kantonen schöne Mehreinnahmen einbringen.

Die Stadt kann sich dies aber eigentlich nicht leisten. Wenn sie den motorisierten Individualverkehr mindestens im Zaun halten will, muss das ÖV-Angebot gut und erschwinglich sein. Das gilt innerhalb des Stadtgebiets, aber auch für die Verbindungen in die Agglomeration.

Die Diskussion über die Rolle der Stadt im Tarifverbund Ostwind hat erst begonnen.

1 Kommentar zu Es bläst der Ostwind (in die falsche Richtung)

  • Carlo sagt:

    Kein ÖV-Nutzer steigt auf die Strasse um.
    Die sind ja eh schon voll und mehr Parkplätze sind auch kaum vorhanden.
    Also hört mit dieser Panikmache auf.

    Ausbau des öVs steigert nur die Nachfrage nach Mobilität, fördert die Zersiedlung, unterstützt den Steuerwettbewerb, den Verlust von Kulturland etc.

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