«In St.Gallen passiert wahnsinnig viel, aber oft im Verborgenen»

(Illustrationen: Maj Lisa Dörig)

Zum zweiten Mal findet in St.Gallen die Design Week statt. Weshalb sie für die Branche wichtig ist und was das mit dem guten Ruf der Stadt zu tun hat, erklären Beat Lüscher und Kathrin Lettner von der Schule für Gestaltung sowie Samuel Zuberbühler von der Standortförderung im Gespräch mit Saiten.

Sai­ten: In Lan­gen­thal fand frü­her der De­si­gners’ Sa­tur­day statt, ei­ne Art Schwei­zer Sze­ne­treff. 2020 war dann Schluss, we­gen Co­vid, aber auch weil ei­ni­ge der be­tei­lig­ten Fir­men aus­ge­stie­gen sind. Will St.Gal­len das neue Lan­gen­thal wer­den? 

Kath­rin Lett­ner: In St.Gal­len war die De­sign­welt schon im­mer gut ver­netzt. Die De­sign Week will neue Im­pul­se set­zen. Und nein, wir sind nicht Lan­gen­thal und wol­len es auch nicht wer­den.

Sa­mu­el Zu­ber­büh­ler: Die Krea­tiv­wirt­schaft hat in der Stadt ei­nen sehr ho­hen Stel­len­wert, der manch­mal un­ter­schätzt wird. Sie macht fast 10 Pro­zent al­ler Ar­beits­plät­ze aus. Auch un­se­re Tex­til­ge­schich­te hat mit De­sign zu tun. Dar­auf kön­nen wir auf­bau­en. Es gibt hier vie­le eta­blier­te Bü­ros und Stu­di­os, die sehr en­ga­giert sind und enor­me Kom­pe­ten­zen ha­ben. Aber sie wer­den noch zu we­nig wahr­ge­nom­men aus­ser­halb der Sze­ne. 

Beat Lüscher: In Lan­gen­thal wa­ren Fir­men wie Ruck­stuhl, Girs­ber­ger oder Glas Trösch die Trei­ber. Die fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten, aber auch die wirt­schaft­li­chen Er­war­tun­gen an den An­lass wa­ren an­de­re. Die Grund­idee war je­doch die­sel­be: das Sicht­bar­ma­chen von De­sign. In St.Gal­len pas­siert zwar wahn­sin­nig viel, aber oft nur im Ver­bor­ge­nen. Zu­dem spü­re ich, dass sich die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on auch ein Stück weit von den alt­her­ge­brach­ten Tex­til- und Schrift­ge­stal­tungs­er­zäh­lun­gen ab­gren­zen und schau­en will, was heu­te und mor­gen pas­siert. Oh­ne dass Ty­pe oder Fa­shion De­sign des­we­gen aus­ge­schlos­sen wä­ren. Im Ge­gen­teil: Die De­sign Week gibt al­len Stu­di­os und Ein­zel­per­so­nen ei­ne Platt­form.

Wie kam es zur Ko­ope­ra­ti­on zwi­schen der Stadt und der Schu­le für Ge­stal­tung?

KL: In der Stadt spre­chen die Ver­tre­ter:in­nen von In­sti­tu­tio­nen viel mit­ein­an­der. Die di­ver­sen Blick­rich­tun­gen ma­chen den Aus­tausch span­nend. Wir als Schu­le für Ge­stal­tung am Ge­werb­li­chen Be­rufs- und Wei­ter­bil­dungs­zen­trum ste­hen zum ei­nen durch die Ar­beit mit den Ler­nen­den und Stu­die­ren­den in en­gem Kon­takt mit den her­an­wach­sen­den Ge­ne­ra­tio­nen. Zum an­de­ren su­chen wir im­mer nach Platt­for­men, um das Kön­nen un­se­rer De­si­gner:in­nen sicht­bar zu ma­chen. Mit der Stand­ort­för­de­rung tau­schen wir uns im­mer wie­der über ver­schie­de­ne The­men aus und kom­men über die The­men Krea­tiv­wirt­schaft und KI ins Han­deln. 

SZ: Das ist der St.Gal­ler Weg. Beat, Kath­rin und ich ha­ben die Köp­fe zu­sam­men­ge­steckt und dar­aus ist dann die ers­te De­sign Week 2025 ent­stan­den, die wir be­wusst ge­kop­pelt ha­ben mit den In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Days. Wir ha­ben al­so an Be­stehen­des an­ge­knüpft. Das In­ter­es­se der Sze­ne war enorm.

Beat Lüscher, 1969, ist Gründer und Mitinhaber der Agentur Die Gestalter und unterrichtet an der Schule für Gestaltung.

2603 Designweek Interview Beat Luescher Maj Lisa Doerig

(Illustrationen: Maj Lisa Dörig)

BL: Im ers­ten Schritt ha­ben wir ein­mal ein In­ven­tar er­stellt, wie vie­le Bü­ros, Stu­di­os, Fo­to­graf:in­nen, Fil­mer:in­nen etc. es über­haupt gibt in St.Gal­len, und wir ka­men so­fort auf über 100 Na­men. Die­se ha­ben wir dann an­ge­schrie­ben. Über ein Drit­tel hat gleich beim ers­ten Mal mit­ge­macht. Das ist enorm. Wir ha­ben nie­man­dem ge­sagt, er dür­fe nicht mit­ma­chen. Wenn jetzt bei­spiels­wei­se ei­ne Per­son kommt und sagt, sie wol­le Ba­tik ma­chen, dann darf sie das auch.

Ba­tik – in­ter­es­san­tes Bei­spiel.

BL (lacht): Sor­ry, ich woll­te na­tür­lich nie­man­dem zu na­he tre­ten.

SZ: Bis­her ist al­les Bot­tom-up or­ga­ni­siert. Al­le ma­chen frei­wil­lig mit.

Wä­re Bot­tom-up nicht eher der Fall, wenn der An­lass von den De­si­gner:in­nen selbst or­ga­ni­siert wür­de und nicht von der Ge­wer­be­schu­le und der Stand­ort­för­de­rung?

SZ: Wür­de nur die Stadt sa­gen, «wir brau­chen jetzt ei­ne De­sign Week, jetzt zah­len wir 100’000 Fran­ken und or­ga­ni­sie­ren das Fes­ti­val», dann wä­re es tat­säch­lich nicht Bot­tom-up. Da­durch, dass mit Beat und Kath­rin auch die De­sign­sze­ne und die Bil­dung so­wie neu auch der Tou­ris­mus mit da­bei sind, sind wir sehr in­ter­dis­zi­pli­när auf­ge­stellt. Wir sind bloss die Per­so­nen, bei de­nen die Fä­den zu­sam­men­lau­fen.

KL: Auch die Ku­ra­tor:in­nen der Aus­stel­lung sind De­si­gner:in­nen. Und dann ha­ben wir die ein­zel­nen Stu­di­os und De­si­gner:in­nen da­bei, die an der De­sign Week, ins­be­son­de­re der De­sign Night, mit­ma­chen. Sie tra­gen das Fes­ti­val mit. 

BL: Es ist auch be­zeich­nend, dass wir uns erst nach die­ser De­sign Week Ge­dan­ken ma­chen wer­den, wie wir künf­tig struk­tu­riert sein wol­len. Wir ha­ben nur ein ge­rin­ges Bud­get: Die di­ver­sen Pro­gramm­punk­te sind in­di­vi­du­ell fi­nan­ziert – die In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Days lau­fen bei­spiels­wei­se über ein ei­ge­nes Bud­get. Sei­tens Stadt wer­den rund 35’000 Fran­ken in die De­sign Week in­ves­tiert. Wir ar­bei­ten teil­wei­se eh­ren­amt­lich, ein­fach aus Freu­de an der Sa­che. Das ist auch Teil des Er­folgs. All die klei­nen Stu­di­os, die sich nur un­gern ir­gend­wo fest ein­bin­den las­sen wol­len, kön­nen sich sehr fle­xi­bel be­tei­li­gen. 

In Ber­lin oder Hel­sin­ki zum Bei­spiel or­ga­ni­siert ein Stu­dio die De­sign Week. Wä­re so ei­ne Man­dats­lö­sung für St.Gal­len auch denk­bar?

BL: Ja, aber nicht mit dem sehr schlan­ken Bud­get, das wir jetzt zur Ver­fü­gung ha­ben. Heu­te ar­bei­tet die gan­ze Sze­ne gröss­ten­teils un­ent­gelt­lich zu­sam­men. Es kann gut sein, dass sich die ak­tu­el­le Struk­tur be­währt und wir noch­mal ein Jahr so wei­ter­ma­chen. Viel­leicht gibt es ei­nen Bei­rat für zu­sätz­li­che In­spi­ra­ti­on. Viel­leicht gibt es Bran­chen, die wir noch et­was nä­her ran­ho­len wol­len. Aus der Tex­til­bran­che ma­chen bis­her nur ein­zel­ne mit.

Sind die gros­sen Tex­til­fir­men noch nicht da­bei?

SZ: Noch ist die De­sign-In­itia­ti­ve ein jun­ges Pflänz­chen. Die Fors­ter-Grup­pe ist aber be­reits da­bei und sehr dar­an in­ter­es­siert, das The­ma De­sign stär­ker sicht­bar zu ma­chen. Ich glau­be, es braucht ein­fach noch ein biss­chen Zeit.

Was ist mit Akris?

SZ: Wir ha­ben Kon­takt zu Akris. Und man be­grüsst dort auch, was wir ma­chen. Dass man sich nicht im­mer in den Vor­der­grund drän­gen möch­te, die­se Dis­kre­ti­on, ist in der heu­ti­gen Zeit ja auch ei­ne Qua­li­tät und ty­pisch für St.Gal­len. Über­zeu­gen durch so­li­de Ar­beit und Qua­li­tät, oh­ne gross dar­über re­den zu müs­sen. Und trotz­dem dür­fen wir zei­gen, was wir ha­ben. Das ist viel­leicht un­se­re Auf­ga­be.

BL: An die Schu­le für Ge­stal­tung ist ja das Cou­ture-Lehr­ate­lier an­ge­glie­dert. Dort lernt man nicht nur schnei­dern und nä­hen, son­dern auch ent­wer­fen. Zu­sam­men mit an­de­ren Fir­men könn­te man ei­nen Fa­shion Day oder so­was or­ga­ni­sie­ren. Auf­grund un­se­res Netz­werks war der Fo­kus bis­lang aber eher an­ders­wo.

Was pas­siert wäh­rend der De­sign Week ge­nau? Was will sie?

KL: Wir möch­ten die Wir­kung und Wich­tig­keit von De­sign sicht­bar ma­chen, in­dem wir In­hal­te und Po­si­tio­nen dis­ku­tie­ren und De­sign weit über die Dis­zi­pli­nen von Ty­po­gra­fie, In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign, vi­su­el­le Ge­stal­tung oder In­dus­tri­al De­sign – um nur ein paar zu nen­nen – hin­aus­den­ken.

Kathrin Lettner, 1961, ist Prorektorin der Schule für Gestaltung am GBS St.Gallen und diplomierte Kommunikationsdesignerin.

2603 Designweek Interview Kathrin Lettner Maj Lisa Doerig

BL: An der De­sign Night geht es wie im letz­ten Jahr dar­um, dass die Stu­di­os und Agen­tu­ren ih­re Tü­ren öf­fen und sich prä­sen­tie­ren kön­nen. Die­ses Jahr ha­ben wir auch die Aus­stel­lung «Un­lo­cal», an der Wer­ke von Leu­ten zu se­hen sind, die in der Re­gi­on ih­re Wur­zeln ha­ben, aber heu­te mit ih­ren Ar­bei­ten in der gan­zen Schweiz oder welt­weit un­ter­wegs sind. Sie sind so et­was wie Bot­schaf­ter:in­nen für den De­sign-Ort St.Gal­len. In­te­griert in die De­sign Week ist auch der Swiss In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Day, der die­ses Jahr zum ach­ten Mal statt­fin­det. An die­sem Kon­gress gab es schon Red­ner:in­nen, die spä­ter auch an der OFFF Bar­ce­lo­na, dem gröss­ten De­sign-Fes­ti­val Eu­ro­pas, auf­ge­tre­ten sind. Zu­sätz­lich wird es in Ko­ope­ra­ti­on mit der Uni­ver­si­tät St.Gal­len und dem St.Gal­len Trans­for­ma­ti­on Lab ei­nen ge­mein­sa­men Work­shop zum The­ma KI ge­ben.

In­wie­fern ori­en­tiert ihr euch an an­de­ren eu­ro­päi­schen Fes­ti­vals wie Bar­ce­lo­na, Mai­land oder Ber­lin?

KL: Wir las­sen uns in­spi­rie­ren und schau­en, was für uns und da­mit für die De­sign­sze­ne St.Gal­len sinn­voll und klug ist.

BL: Ver­glei­chen müs­sen wir uns, glau­be ich, nicht. Wir ha­ben aber ein paar Be­son­der­hei­ten. Bei­spiels­wei­se das De­sign Lab, wo es dar­um geht, wie wir mit­ein­an­der De­sign sicht­ba­rer ma­chen wol­len. Oder auch die De­sign Night. Der Kon­gress funk­tio­niert ähn­lich wie die OFFF Bar­ce­lo­na. Aber wir wäh­len die Red­ner:in­nen da­nach aus, ob sie span­nend für das Pu­bli­kum hier sind, und schau­en nicht auf die Li­ne-ups der an­de­ren.

SZ: Das ist ein sehr wich­ti­ger Punkt. Denn wenn man so frisch et­was auf­baut, muss man zu­erst die lo­ka­len Stu­di­os und Leu­te ins Boot ho­len. Wir wol­len die in­ne­re Struk­tur stär­ken und die Leu­te nä­her zu­sam­men­brin­gen. Dar­in un­ter­schei­den wir uns viel­leicht auch von den gros­sen Fes­ti­vals.

Ihr sagt, ihr be­fin­det euch im Auf­bau. Heisst das, ihr habt noch ganz gros­se Plä­ne mit der De­sign Week?

KL: Erst ein­mal heisst es: step by step.

SZ: Ich den­ke, es ist ge­ra­de wie ein An­lauf­ho­len. Wir ha­ben letz­tes Jahr an­ge­fan­gen mit ei­ner Idee und da­mit, die Puz­zle­tei­le zu­sam­men­zu­set­zen. Und jetzt im zwei­ten Jahr ha­ben wir die­se Idee schon wei­ter­ent­wi­ckelt. Es ist auch of­fen, ob wir von der Stand­ort­för­de­rung künf­tig über­haupt noch in­vol­viert sein wer­den. Das Gan­ze soll mit­tel­fris­tig selbst­tra­gend und selbst­or­ga­ni­siert sein.

Im Rah­men der De­sign Week ist im­mer wie­der von der Krea­tiv­wirt­schaft die Re­de. Ein Teil da­von ist kom­mer­zi­el­ler, ein an­de­rer eher krea­tiv aus­ge­rich­tet. Wie ge­lingt euch der Spa­gat zwi­schen die­sen bei­den Sze­nen? Ist es über­haupt ein Spa­gat? 

BL: Al­le, die hier ein­ge­bun­den sind, ver­die­nen ih­ren Le­bens­un­ter­halt mit ih­rer krea­ti­ven Tä­tig­keit. Das ist Wirt­schaft. Und ich fin­de, das ver­dient gros­sen Re­spekt. Wirt­schaft klingt nach Kon­zern oder nach Ein­schrän­kung. Na­tür­lich macht je­der hin und wie­der ein Pro­jekt des Gel­des we­gen. Vie­le De­si­gner:in­nen ar­bei­ten auch künst­le­risch, aber sie tren­nen das von der wirt­schaft­li­chen Ar­beit.

KL: Ich kann die­ses Ge­gen­ein­an­der von Kunst und Kom­merz, ge­ra­de auch im De­sign, nicht mit­tra­gen. In ers­ter Li­nie se­he ich den Fo­kus auf dem Ver­mit­teln von In­hal­ten. Die Flut an In­for­ma­tio­nen wächst und da­mit auch der Be­darf an Ver­mitt­lung und ziel­grup­pen­ge­rech­ter Kom­mu­ni­ka­ti­on. Wenn ich «kom­mer­zi­ell» rein so de­fi­nie­re, dass ich als De­si­gner:in von mei­ner Ar­beit le­ben kann, ist das schon mal ei­ne pri­ma Aus­gangs­la­ge.

Was macht denn für euch ei­ne er­folg­rei­che De­sign Week aus? 

KL: De­sign kom­mu­ni­ziert, und wenn wir mit­ein­an­der über die mo­men­tan gros­sen Chan­cen von De­sign ins Ge­spräch kom­men, ist schon viel er­reicht.

SZ: Oh­ne die lo­ka­len Ak­teur:in­nen, die den An­lass tra­gen, wür­de uns die Glaub­wür­dig­keit feh­len. Je mehr sich be­tei­li­gen, des­to bes­ser für die De­sign Week. Wich­ti­ger als ein mög­lichst fet­tes in­ter­na­tio­na­les Li­ne-up oder mög­lichst vie­le Ho­tel­bu­chun­gen ist uns die Ak­zep­tanz der Bran­che.

Programm Design Week St.Gallen

Frei­tag, 6. März, bis Sams­tag, 14. März

Aus­stel­lung «Un­lo­cal»: Frei­tag, 6. März, bis Sams­tag, 14. März, Ver­nis­sa­ge 6.März, 18 Uhr, ehe­ma­li­ger Mig­ro­li­no, Obe­rer Gra­ben 3.

De­sign Lab: Diens­tag, 10. März, 13 Uhr, Lok­re­mi­se.

De­sign Night: Diens­tag, 10. März, 18 Uhr, di­ver­se Or­te in St.Gal­len.

Aus­stel­lung «Be­ta»: Diens­tag, 10. März, bis Sams­tag, 14. März, 18 bis 21 Uhr, Ver­nis­sa­ge: Diens­tag, 10. März, 18 bis 21 Uhr, Un­ter­stras­se 34.

Swiss In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Awards:  Mitt­woch, 11. März, 18.30 Uhr, Pfalz­kel­ler.

Work­shop für Ler­nen­de: Don­ners­tag, 12. März, 9 Uhr, Schu­le für Ge­stal­tung.

Swiss In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Day: Kon­gress, Frei­tag, 13. März, 9.30 Uhr, Au­la GBS.

Weeknder 26: Frei­tag, 13. März, bis Sams­tag, 14. März, 20 Uhr, di­ver­se Or­te in St.Gal­len.

Work­shop «KI als Mit-Ge­stal­te­rin der Zu­kunft»: Sams­tag, 14. März, 13.30 bis 16.30 Uhr, Uni­ver­si­tät St.Gal­len.

de­sign­week.ch

BL: Ich bin zu 100 Pro­zent über­zeugt, dass nie­mand von de­nen, die letz­tes Jahr mit­ge­macht ha­ben, sich auf­grund ih­rer Be­tei­li­gung ir­gend­ei­nen fi­nan­zi­el­len Nut­zen er­hofft hat. Das un­ter­schei­det uns von ver­gleich­ba­ren Fes­ti­vals. Es ging den Stu­di­os dar­um, sich zu zei­gen und Gäs­te will­kom­men zu heis­sen. Und da­bei sind lus­ti­ge Din­ge pas­siert.

Zum Bei­spiel?

BL: Fest­land hat als Fest­mahl Pop­corn ge­macht, All­tag hat im Gar­ten gril­liert. Bei Da­ta-Or­bit ist das Bier be­reits um 21 Uhr aus­ge­gan­gen. Es war sehr sym­pa­thisch, wie sich die ein­zel­nen Agen­tu­ren über­legt ha­ben, was sie für den Abend or­ga­ni­sie­ren. Al­les war sehr un­ge­zwun­gen, ei­ne ge­müt­li­che Ein­la­dung ins Wohn­zim­mer, nie­mand hat ir­gend­ei­ne Fir­men­prä­sen­ta­ti­on ge­macht.

Ist denn et­was von die­sem Er­folg ge­blie­ben nach der De­sign Week letz­tes Jahr?

KL: Das wer­den wir im De­sign Lab am 10. März er­fah­ren. Dort ha­ben wir uns da­zu ho­he Zie­le ge­setzt.

SZ: Das Netz­werk ist si­cher ge­fes­tigt wor­den. Durch Ver­an­stal­tun­gen wird auch das Selbst­be­wusst­sein ge­stärkt, wenn man erst ein­mal sieht, was es hier ei­gent­lich al­les gibt. Dann muss man auch den Ver­gleich mit an­de­ren Me­tro­po­len nicht mehr scheu­en.

Wart ihr letz­tes Jahr auch un­ter­wegs oder wer­det ihr un­ter­wegs sein die­ses Jahr?

KL: Na­tür­lich sind wir un­ter­wegs! Men­schen um sich zu ha­ben, die kri­ti­sche Rück­mel­dun­gen ge­ben, ist ei­ne Kul­tur, die wir im Team le­ben.

BL: Ich bin letz­tes Jahr bei uns in der Agen­tur ge­blie­ben. Aber die­ses Mal wer­de ich na­tür­lich un­ter­wegs sein. Jetzt weiss ich ja, was ich al­les ver­passt ha­be!

SZ: Ich bin bei ein­zel­nen Pro­gramm­punk­ten da­bei, beim Award zum Bei­spiel, der ja die­ses Jahr im Pfalz­kel­ler über­ge­ben wird.

An wen rich­tet sich die De­sign Week kon­kret? 

KL: An al­le aus dem gros­sen Be­reich der Krea­tiv­wirt­schaft, sei­en es Agen­tu­ren, un­se­re Ler­nen­den und un­se­re Stu­die­ren­den an der Hö­he­ren Fach­schu­le für De­sign, aber auch an Ge­stal­tung und kul­tur­in­ter­es­sier­te Men­schen – und an al­le, die neu­gie­rig sind. 

BL: Es ist von Pro­gramm­punkt zu Pro­gramm­punkt un­ter­schied­lich. Der Kon­gress am Frei­tag hat ei­ne ganz an­de­re Ziel­grup­pe als die De­sign Night. Sehr viel geht ge­gen in­nen. Gleich­zei­tig wol­len wir uns nach aus­sen prä­sen­tie­ren. Ich bin über­zeugt, dass künf­tig wei­te­re Ge­fäs­se da­zu­kom­men, die auch zu­sätz­li­che Ziel­grup­pen er­schlies­sen kön­nen. 

SZ: Viel­leicht tun sich ein paar Leu­te zu­sam­men und stel­len ei­ne Par­ty­rei­he auf die Bei­ne. Die­ses Jahr ha­ben wir zu­sam­men mit der IG Nacht Gal­len ihr jähr­li­ches Event-Wo­chen­en­de Weekndr ter­min­lich auf die De­sign Week ge­legt, weil es su­per zu­sam­men­passt. Aus­ser­dem fin­det mit «Un­d­ress» ei­ne Mo­de­schau für nach­hal­ti­ge Mo­de statt, die in Zu­kunft ja viel­leicht auch Teil der De­sign Week sein könn­te. Es gibt al­so noch viel Po­ten­zi­al für neue Events und neu­es Pu­bli­kum.

War­um gibt es denn hier so viel Po­ten­zi­al?

BL: De­sign hat in St.Gal­len ei­ne gu­te Ba­sis. Das hat na­tür­lich auch mit der Schu­le für Ge­stal­tung zu tun, die in der Deutsch­schweiz ein gu­tes Re­nom­mee ge­niesst und auch vie­le Lehr­per­so­nen aus an­de­ren Städ­ten an­zieht – ge­ra­de in den Be­rei­chen Gra­phic De­sign und Ty­pe De­sign. Oh­ne sie gä­be es die meis­ten Bü­ros und Stu­di­os in der Stadt nicht, weil vie­le De­si­gner:in­nen hier zur Schu­le ge­gan­gen sind. 

Samuel Zuberbühler, 1986, ist Marketingspezialist und leitet die Standortförderung der Stadt St.Gallen.

2603 Designweek Interview Samuel Zuberbuehler Maj Lisa Doerig

SZ: Und das oh­ne ei­ne ter­tiä­re Aus­bil­dungs­mög­lich­keit. Wir ha­ben hier kei­ne De­sign-Uni oder ei­ne Fach­hoch­schu­le, son­dern «nur» ei­ne hö­he­re Fach­bil­dung. Das passt zur St.Gal­ler Bo­den­stän­dig­keit.

BL: St.Gal­len ver­fügt über ei­nen sehr gu­ten Nähr­bo­den. Auch die­je­ni­gen, die in Zü­rich stu­diert ha­ben, kom­men oft hier­her zu­rück. Hier kann man in Ru­he ar­bei­ten, die Bü­ro­mie­ten sind be­zahl­bar, es gibt ein kul­tu­rel­les, in­spi­rie­ren­des An­ge­bot und man ist gut ver­netzt. Und zwar quer durch al­le Be­rei­che. So ein Netz­werk funk­tio­niert in so ei­ner klei­nen Stadt bes­ser.

Was macht denn die­sen be­son­de­ren Ruf, die­se «St.Gal­ler Sze­ne» aus? 

KL: Kurz ge­sagt: die Ver­bin­dung von Kunst, De­sign und Hand­werk. Hoch­ge­grif­fen möch­te ich «Sinn­haf­tig­keit im Tun und Kon­zen­tra­ti­on auf das We­sent­li­che in der Ar­beit» sa­gen. Dann gibt es her­aus­ra­gen­de Bü­ros und Per­sön­lich­kei­ten und die vie­len klei­nen und en­ga­gier­ten Bü­ros, die auf dem Weg da­hin sind. Ich mei­ne da­mit: Die­se Mi­schung und die fai­re Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter­ein­an­der ma­chen den Ruf aus. 

BL: Al­so ich glau­be, es hängt tat­säch­lich von vie­len Ein­zel­per­so­nen ab, vor al­lem auch von sol­chen, die an der Schu­le un­ter­rich­ten. Ei­ner, der sehr zeit­ge­mäss un­ter­wegs ist und die Sze­ne in jüngs­ter Zeit mass­geb­lich ge­prägt hat, ist Ro­sa­rio Flo­rio. Er hat ein gros­ses Netz­werk und gu­te Ver­bin­dun­gen et­wa zur ZHdK. So kön­nen Ein­zel­fi­gu­ren sehr viel be­wir­ken, so­dass Leu­te nach­kom­men wie et­wa Lau­ra Prim oder Fa­bio Me­net, die in­zwi­schen sel­ber un­ter­rich­ten. Zum Glück blei­ben sol­che Leu­te hier in St.Gal­len und zie­hen nicht weg.

Kann sich die St.Gal­ler Sze­ne so auch über die Lan­des­gren­zen hin­aus ei­nen Na­men ma­chen? Oder ist das auch Auf­ga­be der De­sign Week?

SZ: Vie­le wis­sen ein­fach nicht, was in St.Gal­len ge­leis­tet wird. Bei Ja­kob Schl­äp­fer ge­hen die gröss­ten Fa­shion-Brands ein und aus – Yves St. Lau­rent, Vic­to­ria’s Se­cret oder Ba­len­cia­ga – und ent­wer­fen zu­sam­men mit den lo­ka­len Pro­du­zent:in­nen, die ih­rer­seits star­ke De­si­gn­ab­tei­lun­gen ha­ben, neue Stof­fe für ih­re nächs­ten Kol­lek­tio­nen. Auch Akris trägt den «Brand» St.Gal­len in die Welt hin­aus. Und dann gibt es na­tür­lich noch all die vie­len klei­nen Bü­ros in an­de­ren De­sign­be­rei­chen, von de­nen man in der brei­ten Öf­fent­lich­keit nicht viel mit­be­kommt, die aber ih­rer­seits Gros­ses leis­ten.

BL: Nach der Kon­so­li­die­rung ge­gen in­nen wol­len wir zu­erst ein­mal na­tio­nal wahr­ge­nom­men wer­den. Mit den gros­sen in­ter­na­tio­na­len Fes­ti­vals kön­nen und wol­len wir uns oh­ne­hin nicht mes­sen, aber wir kön­nen von ih­nen ler­nen.

KL: In der Aus­stel­lung «Un­lo­cal» wer­den wir Po­si­tio­nen mit in­ter­na­tio­na­ler Strahl­kraft se­hen. Per­sön­lich den­ke ich aber, dass ein or­ga­ni­sches Wachs­tum un­se­rer Ver­an­stal­tun­gen sinn­vol­ler ist als das Ziel «in­ter­na­tio­na­le Po­si­tio­nie­rung». 

Wor­auf freut ihr euch be­son­ders die­ses Jahr?

KL: Auf un­se­re Gäs­te, sei­en es die Re­fe­rie­ren­den und Ak­ti­vist:in­nen am De­sign Lab, am In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Day oder am Pa­nel ge­mein­sam mit der HSG, auf die Ler­nen­den und Stu­die­ren­den, die Be­su­cher:in­nen, die Neu­gie­ri­gen, denn ich bin im­mer an Aus­tausch in­ter­es­siert.

SZ: Mich freut es sehr, dass die Aus­stel­lung statt­fin­det, und noch mehr, dass sie im ehe­ma­li­gen Mig­ro­li­no im Uni­on-Ge­bäu­de ei­nen Ort ge­fun­den hat, nach­dem lan­ge un­klar war, ob wir über­haupt ei­nen ge­eig­ne­ten Platz fin­den kön­nen. Und aus­ser­dem freue ich mich sehr aufs Gast-Pa­nel mit Ka­ri Kork­mann vom De­sign Fes­ti­val Hel­sin­ki. Von den In­puts aus dem ho­hen Nor­den ver­spre­che ich mir viel In­spi­ra­ti­on für die Sze­ne hier.

BL: Ich freue mich auf die De­sign Night, weil ich die­ses Mal sel­ber hin­aus­ge­he und hof­fent­lich vie­len Leu­ten be­geg­nen wer­de. Und na­tür­lich auf den Kon­gress «Swiss In­ter­ac­ti­ve Me­dia De­sign Day»: Den ha­be ich vor acht Jah­ren ge­grün­det, das ist – wie die De­sign Week über­haupt – noch­mals ei­ne Ex­tra­her­zens­an­ge­le­gen­heit.

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