Fotosafari, Kæry Ann, Tatum Rush, Chunky, Milian Mori, Aïsha Devi, DJ Haram (DJ)

Sa. 28.3.2026, 19:00 Uhr

Fotosafari, Kæry Ann, Tatum Rush, Chunky, Milian Mori, Aïsha Devi, DJ Haram (DJ)

16:00 Fotosafari

Die erste Palace-Fotosafari führt zu Ecken, die die Stadt prägten, geprägt haben könnten oder es vielleicht noch werden. Doch ganz so einfach wie damals in der Schule wird die Suche nach den Orten nicht. Soviel sei schon einmal verraten: Die Fotos zeigen weder Erker noch Kirchen. Sind die gesuchten Ecken gefunden, gibts dort ein paar Erläuterungen zur Bau-, Stadt- und Sozialgeschichte. Die Inputs nehmen wir zum Anlass, die Geschichten gemeinsam weiterzudenken: Was, wenn der Ort die einst propagierten Versprechen eingehalten hätte? Was, wenn die Verlierer*innen von damals die Geschichte weitergeschrieben hätten? Was, wenn hier einfach alles abgerissen und dann neu aufgebaut würde? Und was wäre eigentlich die ehrlichste Inschrift für diesen Ort? Die Teilnehmenden sind aufgefordert, sich einzumischen. Denn sonst bewegt sich nichts.

20:00 Kæry Ann

Lang und laut gezogene Gitarren, weicher Gesang, sphärisch dunkler Klangteppich. Verwurzelt im Psych und Dark Folk, nimmt Kæry Ann nach ihrem erfolgreichen Debütalbum Songs of Grace and Ruin (2023) immer mehr Einflüsse von Doom und Stoner auf. Für ihr neues Album Moonstone (Januar 2026), welches über das italienische Label Subsound Records veröffentlicht wird, ist so die Arbeit innerhalb und mit der Band wieder mehr in den Fokus gerückt. Zusammen haben die vier Musiker*innen dichtere und drängendere Klanglandschaften erkundet, deren Schwere und Trancehaftigkeit gut zu hören sind auf Tracks wie Blue Eyes oder Desert Song. Die Band aus Rom erzählt mit ihrer Musik von Zartheit und Zerfall, vom Reiz im Bruch, vom Pendeln zwischen Helligkeit und Düsternis. Ein wunderbarer Start mit Gitarrenmusik in den zweiten Märzfesttag!

20:50 Tatum Rush ⎮ Garage

Geboren in San Diego, aufgewachsen im Tessin, wohnhaft in der Westschweiz und für die Arbeit zwischen Lausanne, Paris, Berlin und Mailand pendelnd – Tatum Rushs Umtriebigkeit ist auch in der Musik zu spüren. Leichtfüssig und facettenreich tragen uns die Songs durch elegante, kaleidoskopische Welten hinein in neue selbst geschaffene Sphären. Mal in voller Bandbesetzung, als Quartett oder – wie am Märzfest der Fall – im Duo, besucht uns Tatum an Gitarre und Gesang mit dem Kontrabassisten Ursin Andres in der gemütlichen Palace-Garage und präsentiert das neue Album Lolito Ceresiacoi. Roh und ungeschliffen sagt Tatum Rush, prickelnd und berauschend finden wir. Tatum nimmt uns mit durch lange Nächte in verrauchten atmosphärischen Jazzclubs mit anschliessenden mediterranen Sonnenritualen im Morgengrauen. Dies alles geschieht mit einer verzaubernden Eleganz eines nicht-kitschigen Schnulzensängers, der verlorene Boleros aus Amerika in Disco-Chique-Manier singt. Das wird schön!

ABGESAGT: Armand Hammer

LEIDER MUSS DAS KONZERT VON ARMAND HAMMER am märzfest AUS LOGISTISCHEN GRÜNDEN ABGESAGT WERDEN. OFFIZIELLES STATEMENT DES MANAGEMENTS: "Due to unforeseen logistical issues, it is no longer physically possible for the group to be in St. Gallen on this date."

21:45 Chunky

Viele Kilbi-Gänger*innen waren letztes Jahr am Festivalfreitag bereits ab 20.00 Uhr musikalisch und stimmungstechnisch bedient. Der Grund war ein allzu entspannt humorvoller und textlich versierter Rapper aus Manchester gemeinsam mit seinem DJ auf der kleinen Zeltbühne: Chunky legt die perfekte Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit an den Tag und rappt sich mühelos die Worte von der Seele. Auf seinem Album Somebody's Child hofft er, sich von seiner besten Seite zu zeigen (Yes, I) und bezieht sich stolz auf seine simbabwische Herkunft (Long n Strong), während dazwischen immer wieder protagonistisch die Stadt Manchester auftritt und Gespräche mit einem Kind das Album unterbrechen. Selbst wenn man diesem Sprachvirtuosen nicht immer folgen kann, lässt es sich zu den selbstproduzierten Beats, die neben klassischen Hip-Hop-Elementen auch rhythmische Momente enthalten, wunderbar tanzen und mitwippen. Aber Schluss mit den analytischen Floskeln, man kann es auch einfach in Benedikt Sartorius' vor sich hin flüsternden Worten während des Konzerts zusammmenfassen: "Das ist so gut." Und weil etwa 2 Meter in der Diagonale davor Julia Kubik das auch so empfand, besiegelten unsere beiden Kommentator*innen ihre Teilnahme am diesjährigen Märzfest just im Anschluss an Chunkys Konzert – so viele Umarmungen, man kann sie nicht mehr zählen.

23:30 Milian Mori

Milian Mori macht Musik für das Dritte im Zweidimensionalen. Wer bereits nach diesem Satz die alten Mathebücher und Physikskripts zur Hilfe holt, soll keine Urteile einstecken. Um Moris Produktionen zu beschreiben, kommt man nicht um ein paar Begriffe aus dem mathematischen Jargon herum. Sie sind geprägt von Wiederholungen, Unbekannten und Codes. Mal grätschen die Bässe wie Metronome von allen Seiten hinein, mal rollen sie wie ein Perpetuum mobile im Kreis, bis Mori sie per Knopfdruck aufhält. Seine Performances beanspruchen sämtliche Sinne, hinter ihm flirren Visuals im Takt und ziehen konsequent weiter, was die Musik übersetzt: Präzision, Kompromisslosigkeit und Regelhaftigkeit. Aber – bevor das nach Monotonie klingt – der St.Galler veröffentlichte unter all diesen Prämissen sein zweites Album Triality auf dem geschätzten Label Raster, tourt vor allem in Japan – nicht zuletzt, weil es da die gebogensten und grössten Screens gibt – und ziert jenes mit einer wahnsinnig sorgfältigen Selektion an Tracks, die nach der Zukunft klingen.

ABGESAGT: ETO

LEIDER MUSS DAS KONZERT VON ETO am märzfest AUS PERSÖNLICHEN GRÜNDEN ABGESAGT WERDEN.

00:45 AÏsha devi

Wer hätt's gedacht: Manchmal tragen unglückliche Situationen die bestmöglichen Ergebnisse mit sich. Nach den beiden Absagen von ETO und Armand Hammer gesellt sich zu Chunky nun auch die wunderbare Aïsha Devi und komplettiert das alternative, aber keineswegs zweitrangige Märzfestprogramm. Die in Barcelona ansässige Halb-Nepalesin bezeichnet ihren Sound als "Aetherave" und versucht darin, die basslastige, teils noisige und doch feine und subtile Musik zu umfassen. Ihre Stimme setzt sie ganz gezielt und kraftvoll ein und rüttelt gleichzeitig mit der harten elektronischen Produktion die Wände einmal kräftig durch. Im Rücken zieren schwarze, violette und goldene Fahnen die Bühne und machen die Performance zu einem einnehmenden und hypnotischen Erlebnis. Wer hier auf das erste Lesen und Hören nun einen träumerischen und ruhigen Moment am Märzfestsamstag erwartet, darf sich aber gerne durch ihr grossartiges Album Death Is Home hören und auf das Gegenteil freuen. 

01:45 DJ Haram (DJ)

Manchmal kommt ja tatsächlich zusammen, was zusammenkommen muss: Billy Woods und Elucid (s. weiter vorne unter Armand Hammer) rappen auf dem Solo-Debüt von DJ Haram, das letzten Frühling erschienen ist. Schön, stehen die drei am selben Abend auf der Palace-Bühne! Haram vertont eine zur Gewalt neigende Gegenwart mit feiner Klinge: Diverse elektronische Musikstile und nahöstliche Instrumente werden von Zubeyda Muzeyyen zu einem gefährlichen Amalgam zusammengebaut. Tief in der Märzfestnacht spielt Haram, die sich selbst als anti-format-DJ bezeichnet, zwar "nur" ein DJ-Set, aber wer weiss, vielleicht liegen für Armand Hammer ja noch zwei Mikrofone herum.

Veranstaltungsort
Zwinglistr. 3
9000 St. Gallen
Preise / Kosten
Märzfestpass: 60.-
Tagespass: 40.- // 35.- / 45.- (Kulturlegi 20.-)
Veranstalter:in
Association Palace St.Gallen
Einmalige Termine
Sa. 28.3.26
19:00 Uhr
Vorverkauf
Zusatzinformationen
Märzfest