, 29. August 2014
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Preisgekrönt: Hummler is back

Der St.Galler Ex-Privatbankier Konrad Hummler ist wieder da. Und zwar preisgekrönt und auf allen Kanälen. Bleibt die Frage: War er gar nie weg?

Es nahm hierzulande kaum jemand Notiz davon: Konrad Hummler wurde mit einem Ehrenpreis bedacht. Das war am 29. Mai in Leipzig. Verliehen hat ihn die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, und der Preis heisst Myschkin-Preis. Er soll beispielgebendes Verhalten würdigen, und zwar im Bereich des sozialen Engagements, der Künste und der Ethik. (Mehr zu Myschkin im Septemberheft von Saiten.)

Die Preisverleiher ehrten ex-Banker Hummler «für seinen Einsatz für die Unabhängigkeit des Schweizer Finanzplatzes und die Erhaltung des Bankgeheimnisses». Wie bitte? Wurde ihm im Zuge der Wegelin-Affäre mit den USA nicht gerade vorgeworfen, er habe dem Bankplatz Schweiz durch seine unvorsichtigen Geschäfte mit US-Steuerhinterziehern geschadet? Und hat ihn nicht gar die NZZ gerüffelt, er habe mit dem Untergang der Bank leichtfertig sein Lebenswerk verspielt?

Es stellt sich auch noch die Frage, ob die Rettung des Schweizer Bankgeheimnisses preiswürdig ist. Diente diese helvetische Institution nicht jahrzehntelang dazu, Steuerbetrüger, Diktatoren, Potentaten sowie die Geldwäscherei der Mafia zu schützen?

Die Laudatio des Presiträgers durch Frank A. Meyer brachte keine Auflösung dieser Widersprüche. Meyer pries Hummler gemäss Leipziginfo.de als «tugendhaften, ehrlichen und standhaften Menschen». Er sei ein «militanter Demokrat». Der Ringier-Publizist und der ehemalige Privatbankier haben manches gemeinsam. So stehen beide im Rampenlicht der Öffentlichkeit, und beide räsonnieren gerne vor Publikum.

Vielleicht bringt Peter Sloterdijk mehr Licht in die Sache. Der Philosoph und Feuilletonist gehört zu den Gründern und Finanzierern des Myschkin-Preises. Er lehrt an der Karlsruher Hochschule, der Ausrichterin des Preises. Etwas muss ihn an Hummler fasziniert haben. Sind es dessen libertäre Anschauungen? Seine Eigenwilligkeit? Die fundamentale Staatsskepsis?

Möglicherweise gefielen Sloterdijk auch die provokativen Positionen gegen den Zeitgeist. Gut in Erinnerung bleibt noch Hummlers Rechtfertigung von Steuerflucht und Steuerhinterziehung: Es sei nichts Unrechtes, wenn sich Vermögende vor dem gierigen Fiskus retteten. Die Schweiz gewähren ihrem Geld sozusagen Asyl.

Auch Sloterdijk fällt in der internationalen Debatte immer wieder durch ausgefallene Ideen auf. So regte er einmal in einem Essay an, die Steuern abzuschaffen und sie durch eine freiwillige «Bürgergabe» zu ersetzen. Die Kritik, er wolle den modernen Sozialstaat abschaffen, folgte auf dem Fuss.

Nach dem Preis darf konstatiert werden: Hummler is back. Und zwar auf allen Kanälen. In der «SonntagsZeitung» schreibt er allwöchentlich eine Kolumne. Die Aufführung aller Bach-Kantaten geht weiter. In einem Sommerinterview auf Tele Ostschweiz breitete er sein Engagement für die Kultur aus. Im September ist er Speaker bei den Ehemaligen der HSG (Alumni), sie treffen sich im Luzerner KKL. Das Thema heisst: «Führen und Kommunizieren in einer Krise.»

Und dann renoviert er noch in Speicher den Gasthof Krone, der nächsten Frühling wiedereröffnet werden soll. Eigentlich erstaunlich: Da verliert einer seine Bank. Ein traditionsreiches Institut geht zugrunde. Er wird aus der Wirtschaftselite verstossen, muss den erlauchten Kreis der NZZ-Verwaltungsräte verlassen.

Und doch scheint ihm das alles nicht zu schaden. Sagt das vielleicht mehr über den Zeitgeist als über Konrad Hummler aus?

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