, 29. August 2014
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Saiten im September: über Haschisch

Ein Heft übers Kiffen, nostalgisch, polemisch, stocknüchtern. Ausserdem: Reithalle für die Kultur? Die Debatte.

«Legalisieren!» heisst das jüngste, posthum erschienene Buch mit Plädoyers des grossen Drogen-Publizisten Günther Amendt. Grundtenor: Drogenprobleme lassen sich durch eine kontrollierte Legalisierung zwar nicht lösen, aber wesentlich entschärfen.

Legalisieren: Auch hierzulande kommt die Diskussion wieder in Gang. Für eine Entkriminalisierung von Cannabis setzen sich die Städte Genf, Basel, Zürich, Bern oder Winterthur ein. National ist ein Vorstoss der Wiler Nationalrätin in Barbara Gysi hängig, und in St.Gallen hat Stadtparlamentarier Etrit Hasler eine Motion eingereicht mit der Stossrichtung, «nach Lösungen für eine kontrollierte Cannabis-Abgabe zu suchen und entsprechende Pilotversuche durchzuführen». Höchste Zeit für ein «Kifferheft». also.

Es ist in Kooperation von Saiten mit der St.Galler Stiftung Suchthilfe entstanden. Die Stiftung und ihr Leiter Jürg Niggli plädieren seit langem für eine Wende in der Cannabis-Politik. Mit einigem Erfolg. Auf die Frage, wie es im Jahr 2020 um das Thema stehen werde, antwortet Niggli: «2020 ist in der Ostschweiz Cannabis auf Rezept erhältlich und bringt in der medizinischen Anwendung zahlreichen Menschen Hilfe. 2020 stehen wir zudem kurz vor der Einführung einer intelligenten Marktregulierung für den generellen Konsum von Cannabisprodukten. Das bedeutet keine schrankenlose Liberalisierung, aber eine Entkriminalisierung, begleitet von Standards bezüglich Produktqualität, Jugendschutz, Werbung und Vertriebskanälen.» Damit es allerdings so weit komme, brauche es den Druck von unten, von den Städten. Oder auch von oben: aus dem Berggebiet. Denn dort gilt der Hanfanbau als attraktive Zukunftsperspektive.

Vorerst aber fragen wir, mal polemisch, mal erinnerungstrunken, mal stocknüchtern: Kiffen – was war das einmal, was ist es heute? Was heisst Cannabis-Kultur? Rebellion? Flucht? Welche Rolle spielt Cannabis in der Medizin? Und ist Hasch und Co. überhaupt noch aktuell – im Vergleich zu den Aufputschmitteln, nach denen die Hochleistungsgesellschaft verlangt? Die Fotos zum Titel, eine Arbeit der niederländischen Fotografin Linda Voorwinde, erzählen eine klinisch-kühle Gegengeschichte zur einstigen Kifferromantik.

Was dieses Heft nur andeuten kann, ist die Grundsatz-Frage, was uns Einzelne und was unsere Gesellschaft überhaupt süchtig oder suchtanfällig macht. Eine grosse, eine persönliche Frage – wenn die Lektüre auch dazu Anstösse gibt: umso besser.

Corinne Riedener, Peter Surber

 

DER INHALT:

Reaktionen
Nachklang zum Fest
Einspruch von Bettina Dyttrich

Positionen
Redeplatz mit Matthias Peter
Stadtpunkt von Dani Fels
Zeitgeist I und II

Blickwinkel von Sebastian Stadler


ÜBER HASCHISCH

Schrubä, mülä, wigglä und trüllä.
Das Gras, das Leben und die Politik. von Corinne Riedener

Problemzone Kiffen
Eine Schimpftirade. von Tom Combo

Die heisseste Stelle der Stadt
Szenen aus Tanger. von Florian Vetsch

Vom Heilmittel zur Droge – und der lange Weg zurück
Cannabis-Medizin: Auch in der Ostschweiz wird geforscht. von Cathrin Caprez

Drogen machen Karriere
Cannabis war gestern. Heute ist Crystal Meth. von Katharina Flieger

Ofenröhre wird Katze
Hauptzüge der ersten Haschisch-Impressionen (1927). von Walter Benjamin

Mein Körper fühlte sich gläsern an und zersplitterte
Eine persönliche Zeitreise. von Andreas Fagetti

Die Bilder zum Titelthema fotografierte Linda Voorwinde.

Jonathan Németh zeichnet den September-Comic.


Perspektiven

Rapperswil-Jona
Schaffhausen
Vorarlberg
Thurgau
Stimmrecht von Leyla Kanyare
Flaschenpost aus Ghana und Gabun von Roger Riedener

 


KULTUR

Geschichte: Graf Kapodistrias besucht die Landsgemeinde.
von Peter Müller

Reithalle für die Kultur?
Das Interview zur Abstimmung. Und Kommentare.
von Peter Surber, Michael Felix Grieder, Corinne Riedener (Texte) und Hannes Thalmann (Bilder)

Theater: Rigolo spielt Wings In My Heart.
von Stefan Späti

Musik: Peter Roths erste Oper Spinnen.
von Bettina Kugler

Kunst: Das Paradies liegt in St.Peterzell.
von Kristin Schmidt

Literatur: Solidaritätslesung für Edward Snowden.
von Martin Amstutz

Weiss auf schwarz von Dani Fels

Artist in Residence von Georg Gatsas


Abgesang

Kellers Geschichten
Bureau Elmiger
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

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