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The Wicked Problem

«Designforschung im Bereich Soziale Innovation» titelt ein Event an der GBS Riethüsli in St.Gallen. Neben drei profilierten Gastrednern gab es an der gut besuchten Veranstaltung vor allem eines: gescheiterte Kommunikation. von Pierre Lippuner
Von  Gastbeitrag , 

Nachdem ein unsichtbarer Moderator die drei Redner, Ruedi Baur, Christof Hofstetter und Ulrike Felsing, vorgestellt hat, übernimmt Letztere das Wort. Als sie im Halbdunkel des Aula-Saales mit monotonem Tonfall ihren Vortrag beginnt, sitzen Baur und Hofstetter als stumme Beobachter auf einem Sofa.

Soziodesign – zwischen Globalisierung und Individualität.

Durch das Vermischen der Kulturen im Zuge der Globalisierung sei die Erforschung neuer Gestaltungsformen im Gestaltungsdesign nötig. Felsing hat Visuelle Kommunikation studiert, ihre Diplomarbeit wurde mit dem Kunstpreis der Dresdner Bank Leipzig ausgezeichnet und ist im Centre Pompidou in Paris ausgestellt.

Die Erforschung von typografischen Gestaltungsmethoden im Bereich der transkulturellen visuellen Kommunikation heisst ihre Forschungsarbeit. Mit der Fallstudie 1A: Die Koexistenz der chinesischen und lateinischen Zeichen zeigt Felsing dem Publikum auf, wie zwei Schriftsysteme in ein harmonisches Zusammenspiel gebracht werden können. Dabei soll auf das Gesamtbild der Schriftzeichen, ihre Entstehung und deren mikrotypografische Komponenten (Federführung, Formgebung, Schwarzwirkung) geachtet werden.

Anwendung findet Felsings Forschung im Städtebau, Verkehrssystemen oder im Gesundheitswesen, wo die verschiedene Kulturen aufeinandertreffen und unspezifische Zielgruppen mit spezifischen Botschaften konfrontiert werden sollen. Dabei spricht sie stets vom «Wicked Problem», dem schlimmen Problem. «To understand the problem, means solving it», sagt Felsing. Ein Lachen geht durch die Menge ob der flachen Binsenweisheit.

Abschied vom Ideal – Design für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen

Als Christof Hofstetter die Bühne betritt, richten sich die Zuhörer auf. Seine Stimme ist fest und etwas streng. Er begrüsst uns mit der Forderung, dass Gestaltung keine marktorientierte Fähigkeit sein soll und man sich vom Ideal verabschieden müsse, wenn man Design für verschiedene Alters- und Zielgruppen anfertigen wolle.

Sein Fallbeispiel: Eine Stiftung für Behinderte sucht eine neue Art der Verständigung. Unter Einbezug aller Parteien – Ärzte, Verwandte, körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen – sei eine ideale Lösung nicht möglich. Feldtests sollen her, verschiedene Designs müssen mit Betroffenen getestet werden. Die Frage, die sich schliesslich stellt, sei folgende: Beschäftigen wir uns mit komplexen Dingen in einer einfachen Welt oder umgekehrt?

Um die Problematik aus einer wissenschaftlichen Ebene aufzuzeigen, greift Hofstetter zu – mit Aussagen überladenen – Folien und Theorien grosser Gestalter, die sich unter anderem mit Corporate Design in Quantenphysik, Weltreligion, Morphologie oder Arithmetik auseinandergesetzt haben. Hier verliert sich der Vortrag im Obskuren, die Zuhörer verlieren erst das Verständnis und dann das Interesse.

Wenn Kommunikation versagt – ein Fallbeispiel an sich selbst

Kurz vor 20 Uhr. Ich muss bald gehen, habe mich noch anderweitig verabredet. Mir wärs lieber, wenn ich bereits jetzt Hopfen und Malz geniessen könnte.

Entschuldigt dieses persönliche Interludium. Doch während sich Felsing, Hofstetter und Baur sicherlich mit interessanten Themen am Brennpunkt menschlicher Kommunikationsproblematik beschäftigen; während sich diese Designforscher täglich damit auseinandersetzen, wie sie Zeichensystemen, Signaletik oder Bildwelten für breite Massen verständlicher machen können, scheitern sie daran, uns ihre eigene Arbeit zugänglich zu machen.

Versteht mich nicht falsch: Die Praxisbeispiele waren gut. Sauber und solide. Doch während es schlussendlich darum ging, verschiedenen Volksgruppen durch Design eine gemeinsame Plattform zu geben, scheitern die Dozenten am grundlegendsten Problem: Sie gehen davon aus, dass wir dasselbe wissen, dasselbe denken und dasselbe verstehen wie sie.

Ihre Aussagen verpacken sie in Fremdworte und unspezifisches Fachwissen. Sie wollen auf den Tisch klopfen, wollen uns zu verstehen geben, wie wichtig eine frische und offene Herangehensweise sei für die Kommunikation zwischen Menschen. Wie wichtig Ethik und soziale Innovation sei.

Und sie klopfen. Und wir hören. Doch verstehen tut man gar nichts.

Symbole der Macht – die Abwesenheit jeglicher Aussage

Zuletzt tritt Ruedi Baur ans Mikrofon. Er räuspert sich. Bedankt sich für die Beiträge seiner Kollegen. Er wirkt etwas verwirrt und man hört einen leicht französischen Akzent heraus. Die Zuhörer setzen sich wieder gerade hin, spitzen die Ohren.

Er habe sich mit Symbolen der Macht beschäftigt, erklärt Baur und zeigt verschiedene Folien, erklärt etwas, sucht nach Worten. «Worum zum Teufel geht es eigentlich?», fragt mich eine Freundin – und ich habe keine Ahnung. Ruedi Baur schweift von einem Thema zum anderen, zeigt Designbeispiele, lächelt und macht Witze, die keiner versteht.

Auch er scheitert an den Problemen seiner Vorgänger. Macht sich nicht verständlich. Redet über Kommunikation, doch wendet sie nicht an.

Viertel nach acht, ich muss los. Beim Ausgang bleibe ich kurz stehen, hoffe auf eine Aussage die wirklich etwas bedeutet, doch vergebens. In der Eingangshalle der GBS spreche mit einem Lehrer der Schule, bringe meine Bedenken an. Er nickt und gibt mir resigniert recht: ein Professor der HSG sei eben erst gegangen und habe sich beschwert, dass er kein Wort verstanden habe.

Pierre Lippuner, 1991, ist Grafiker und lebt in St.Gallen.

Bücherherbst

Vom Fest­hal­ten und los­las­sen

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Alles in allem taschenbuch julia trachsel

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

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Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

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Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

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House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

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2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

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Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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