, 24. Januar 2020
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Trauern um GUZ

Olifr M. GUZ, Gründer und Kopf der Aeronauten, ist 52-jährig gestorben. An seinem kaputten Herzen, aber unkorrumpiert, wie es in Nachrufen steht.

(Bild: Adrian Elsener)

«Charles Pfahlbauer jr. trauert in der Eukalyptusgrotte um den sensiblen Knödelbaron, der unkaputtbar das Idiotental durchwanderte und unkorrumpiert gegangen ist. Starquick war immer sein liebster Unterwassermotor und Atemluftgenerator der Schweizer Musikgeschichte und wird es immer bleiben. R.I.P. Olifr M GUZ.»

Mit seiner Trauer-Nachricht, Mittwochnacht, blieb Charles Pfahlbauer jr. nicht allein. Franz Dobler, Journalist, Autor und Musiker, der unter anderem 1997 das Aeronauten-Album In GUZ we trust – Anthology 1984-95 herausgegeben hatte, titelt auf seinem Blog: «GUZ IST TOT GODDAM. Wir waren seit etwa 25 Jahren befreundet und haben uns so gerne wie nur gelegentlich getroffen», schreibt Dobler und erinnert mit einem prächtigen Text an das Jahr 2007, als Trikont entschied, das Album Mein Name ist GUZ herauszubringen.

«Olifr Maurmanns offensichtlich nie nachlassende Neugier und Experimentierfreude, der ansteckende Spass, der viel wichtiger als Perfektion ist, und dass er (wie schon immer) was zu sagen hat und auf seiner unverwechselbaren Art beharrt: das passt zu Trikont, deren musikalische Interessen sich ebenfalls von keinem Radau, Land, Irrwitz, Sound oder Out-of-Time begrenzen lassen.» Der ganze Text ist hier nachzulesen – und in der Saiten-Ausgabe vom März 2008. Er endet, und Dobler macht der eigene Schlusssatz jetzt betroffen: «You’re gonna miss me, singt GUZ am Schluss – das ist mal irgendwann sicher.»

 

Sehr persönliche Worte gibt es in der «taz», von der Hamburger Musikerin und Weggefährtin Bernadette La Hengst. Und in einem Memento auf Facebook schreiben die Aeronauten: «Er konnte gut warten. Er war ein Profi in dieser Disziplin. Endlose Busfahrten, Backstage-Hockerei waren sicher eine gute Schule, aber er hat das schon mitgebracht, das Unaufgeregte, die Ruhe, das Stoische, die Coolness, wie immer man das nennen mag. Und dann im richtigen Moment zuschlagen, die Katze aus dem Sack lassen, den Bär auspacken, den richtigen Spruch bringen, locker aus der Hüfte geschossen und treffsicher wie Wilhelm Tell. Apropos: Wir waren in Berlin ca. 2010 an der Bar vom Laden, wo wir am Abend spielen sollten. Oli will was bestellen und der Barmann fragt mit leicht angepisstem Tonfall ‹Und wer bist du?› worauf Oli antwortet ‹Ich bin der König der Schweiz und befehle dir mir ein Bier auszuschenken›. So einer war er.

Er hat die letzten Monate seine Königsdisziplin zur Vollendung gebracht. 114 Tage im Spital gewartet auf ein neues Herz. Gewartet mit unaufgeregter Grösse, Humor und Anstand. Nie ein böses Wort. So war er im E29 Ost, seiner letzten Wohnung. Wir haben dort alte Geschichten aufgewärmt, viel gegackert und Pläne geschmiedet für die Zeit nach der OP. Die Platte fertig machen, die Tour ca. dann. Alles wird gut. Wir haben nicht daran gezweifelt. Wie sollte es auch anders sein. Am Ende des 114ten Tages hatte das Warten ein abruptes Ende. Olifr M. Guz du fehlst uns sehr. In Liebe Motte, Dani, Roger, Marc, Lukas, Pepi.»

Zum Nachhören, zum Nachtrauern:

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