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Wo Rebellion und Repression nah beieinanderliegen

Die Installation The lack of my understanding is a violent crime von Carina Kirsch im Architetkurforum Ostschweiz. (Bild: Lilli Kim Schreiber) 

Die Installation The lack of my understanding is a violent crime von Carina Kirsch im Architetkurforum Ostschweiz. (Bild: Lilli Kim Schreiber) 

Kairo zählt zu den aufregendsten Kunstmetropolen des Mittleren Ostens – und ist alles andere als einfach für Künstler:innen. Die Ausstellung von Beat Belser und Carina Kirsch zeigt, warum gerade die Herausforderung die Faszination dieser Stadt ausmacht.

Kai­ro at­met nicht, Kai­ro ächzt nach Luft. Das spürt man bei je­dem Schritt in die­ser Stadt, de­ren Be­völ­ke­rung in der ge­sam­ten Me­tro­pol­re­gi­on auf über 20 Mil­lio­nen Men­schen ge­schätzt wird. Ge­naue Zah­len gibt es nicht: Gros­se Tei­le be­stehen aus in­for­mel­len Sied­lun­gen, sei es in der Ne­kro­po­lis, dem be­wohn­ten Fried­hofs­be­zirk, oder im Stadt­teil Mans­hi­yat Na­ser, auch «Gar­ba­ge Ci­ty» ge­nannt, wo Ar­beits- und Wohn­räu­me in ei­ner rie­si­gen Müll­de­po­nie in­ein­an­der über­ge­hen. Da­ne­ben exis­tiert ei­ne an­de­re, glän­zen­de Sei­te: die präch­ti­ge Nil­was­ser­front und die nachts zur Höchst­form auf­lau­fen­de Nil­in­sel Za­ma­lek, von de­ren Fern­seh­turm aus man bei Tag und gu­ter Sicht die Py­ra­mi­den und da­hin­ter das Tor zur Sa­ha­ra er­spä­hen kann. 

Die mul­ti­me­dia­le Dop­pel­aus­stel­lung im Ar­chi­tek­tur­fo­rum Ost­schweiz, or­ga­ni­siert von der Kul­tur­för­de­rung der Stadt St.Gal­len, zeigt Ägyp­ten und sei­ne Haupt­stadt aus un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven und Zeit­ab­schnit­ten. Zu se­hen gibt es Fo­to­gra­fien von Beat Bel­ser und skulp­tu­ra­le Ar­bei­ten von Ca­ri­na Kirsch, die bei­de je­weils ei­ne sechs­mo­na­ti­ge Re­si­denz in Kai­ro ab­sol­viert ha­ben, ge­för­dert von der Städ­te­kon­fe­renz Kul­tur (SKK), die in Kai­ro ein Ate­lier un­ter­hält.

Ate­lier in Kai­ro schlecht be­sucht

Wie Kris­tin Schmidt, Co-Lei­te­rin der städ­ti­schen Kul­tur­för­de­rung, in ih­rer Er­öff­nungs­re­de be­ton­te, ver­zeich­net die SKK für die Re­si­den­zen in Kai­ro seit Jah­ren ge­rin­ge Be­wer­bung­zah­len, im Ge­gen­satz et­wa zu Ge­nua, Bel­grad oder Bue­nos Ai­res, wo das In­ter­es­se gross ist. Kai­ro je­doch scheint für die St.Gal­ler Kunst­sze­ne ei­ne Schwel­le zu sein. Wer dort ar­bei­ten will, muss be­reit sein, sich auf wie­der­keh­ren­de Rei­bung ein­zu­las­sen: auf po­li­zei­li­che Kon­trol­len und zen­sur­be­ding­te Ein­schrän­kun­gen so­wie auf ei­ne Be­völ­ke­rung, die aus gu­ten Grün­den Zu­rück­hal­tung ge­gen­über Frem­den übt.

Beat Bel­ser, der 2019 sei­ne Re­si­denz in Kai­ro ab­sol­vier­te, er­zählt von Be­geg­nun­gen, wel­che die po­li­ti­schen Span­nun­gen im Land, acht Jah­re nach der Re­vo­lu­ti­on, spür­bar wer­den las­sen: «Über­all, wo ich war, woll­ten die Men­schen sich nicht vor der Ka­me­ra zei­gen – aus Angst, auf den Ra­dar des Re­gimes zu ge­ra­ten.»

Die Strassen von Manshiyat Naser. (Bild: Beat Belser, Kairo 2019)

Die Strassen von Manshiyat Naser. (Bild: Beat Belser, Kairo 2019)

Nach ei­ner kur­zen Pha­se der Ent­span­nung, die auch Ca­ri­na Kirsch wäh­rend ih­rer Re­si­denz 2024 noch er­leb­te, zie­hen sich die au­to­ri­tä­ren Struk­tu­ren in Ägyp­ten mitt­ler­wei­le wie­der deut­lich fest. Hu­man Rights Watch be­rich­te­te im Sep­tem­ber die­ses Jah­res von ei­ner neu­en Wel­le von Ver­haf­tun­gen, die sich vor al­lem ge­gen In­fluen­cer:in­nen rich­tet. Die Straf­ver­fol­gung durch die ägyp­ti­sche Sit­ten­po­li­zei er­folgt teils oh­ne recht­li­che Grund­la­ge. Un­ter den In­haf­tier­ten be­fin­den sich auch Min­der­jäh­ri­ge.

Ein Auf­ent­halt, der for­dert und schärft

Das Ate­lier in Kai­ro ist kein stil­ler Rück­zugs­ort, son­dern ein Er­fah­rungs­raum. Der Auf­ent­halt dort for­dert und schärft zu­gleich den Blick für po­li­ti­sche Rea­li­tä­ten und für die Fra­gi­li­tät künst­le­ri­scher Ar­beit in re­pres­si­ven Sys­te­men. Doch ge­ra­de die­se Be­din­gun­gen ma­chen das Ate­lier so frucht­bar. Sie zwin­gen da­zu, an­ders zu se­hen, an­ders zu hö­ren, an­ders zu ge­hen. Das Un­ter­wegs­sein wird zur Re­cher­che, und die Stadt selbst zur Me­tho­de. Fo­to­gra­fie und Feld­for­schung tre­ten da­bei nicht sel­ten in Kom­bi­na­ti­on auf. 

In den über­wie­gend so­zi­al­do­ku­men­ta­ri­schen Fo­to­gra­fien von Beat Bel­ser ent­deckt man Leer­stand und pa­ra­si­tä­res Woh­nen, aber auch Na­tur­ge­wal­ten, et­wa im Tal der Kö­ni­ge oder auf dem Berg Mo­ses auf dem Si­nai. Eben­so fin­den sich Spu­ren des Pro­tests: ein Wand­ge­mäl­de im öf­fent­li­chen Raum, das den wech­seln­den De­bat­ten aus­ge­setzt ist und schliess­lich iko­no­klas­tisch aus­ge­löscht wird; ein an­de­res Mal zeigt sich das ru­hi­ge Le­ben aus­ser­halb der Stadt, in wüs­ten­haf­ten Land­schaf­ten mit ver­streu­ten Häu­sern und we­ni­gen Men­schen.

Belsers Fo­to­gra­fien sind von ei­ner stil­len Em­pa­thie ge­tra­gen. Sie ur­tei­len nicht, sie do­ku­men­tie­ren nicht ein­mal im klas­si­schen Sin­ne. Viel­mehr lau­schen sie dem All­tag, oh­ne da­bei Ge­sich­ter zu zei­gen – zum Schutz der Por­trai­tier­ten –, spie­geln sie zu­gleich die An­ony­mi­tät der Me­ga­me­tro­po­le wi­der.

Fla­nie­ren als Er­kennt­nis­pra­xis

In den Ar­bei­ten von Ca­ri­na Kirsch ver­bin­den sich die­se vi­su­el­len Über­wäl­ti­gun­gen je­doch mit ei­ner hap­ti­schen, fast kör­per­li­chen Er­fah­rung des Rau­mes. Ih­re künst­le­ri­sche Pra­xis ent­steht durch die Feld­for­schung im Fla­nie­ren durch die Stadt. 

Kirsch be­such­te un­ter an­de­rem das Hand­wer­ker­vier­tel Foustat im Sü­den Kai­ros. Ih­re In­stal­la­tio­nen im Ar­chi­tek­tur­fo­rum Ost­schweiz über­set­zen die­se Ein­drü­cke in räum­li­che Frag­men­te: schma­le, brü­chi­ge Ton­plat­ten, de­ren fra­gi­le, raue Ober­flä­chen an die Ver­letz­lich­keit ur­ba­ner Exis­tenz er­in­nern. Ei­ne zwei­te In­stal­la­ti­on wirkt wie ei­ne Keim­zel­le, viel­leicht auch wie ei­ne Vo­lie­re. Im In­ne­ren kreu­zen sich zwei ver­setz­te Ne­on­röh­ren zu ei­ner ver­scho­be­nen Form, die an ein ent­rück­tes Kreuz und an die kop­tisch-christ­li­che Ge­schich­te Kai­ros er­in­nern mö­gen. 

Installation Die Zerbrechlichkeit d:einer Fassade von Carina Kirsch (2025). (Bild: pd) 

Installation Die Zerbrechlichkeit d:einer Fassade von Carina Kirsch (2025). (Bild: pd) 

Erst beim ge­nau­en Hin­se­hen ent­deckt man im In­ne­ren der In­stal­la­ti­on zwei ne­ben­ein­an­der­lie­gen­de Oh­ren aus Wachs. Hy­per­rea­lis­tisch und zu­gleich leb­los wir­ken sie wie ein Sinn­bild des An­kom­mens in der Me­ga­me­tro­po­le: ein Hö­ren, das erst ler­nen muss, sich auf das un­un­ter­bro­che­ne Rau­schen Kai­ros ein­zu­las­sen. 


Städ­ti­sche Aus­stel­lung mit Wer­ken von Ca­ri­na Kirsch und Beat Bel­ser: bis 7. De­zem­ber, Ar­chi­tek­tur­fo­rum Ost­schweiz, Da­vid­s­tras­se 40, St.Gal­len. 

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

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Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

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Senf

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Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

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Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

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In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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2610 RIO Saalbild

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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

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Ern­ten in der Grau­zo­ne

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

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Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

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Volksbad rene hornung 1

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Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

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Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

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