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Atmosphärisch, düster, hoffnungsvoll

Marcel Gschwend aka Bit-Tuner versammelt auf seinem neuen Album acht packende Tracks komplett ohne Beats. Sie bilden den Soundtrack für den Besuch einer anderen Dimension, dunkel, nervenaufreibend, intensiv. An der Plattentaufe diesen Samstag untermalt Videokünstler Joerg Hurschler die Aufnahmen. von Stefan Böker
Von  Gastbeitrag
Bild: Jennifer König

Auf seinem siebten Solo-Album EXO empfiehlt sich Marcel Gschwend als Komponist für Filmmusik. Das sei ein lang gehegter Wunsch von ihm, sagt der ursprünglich aus St.Gallen stammende, heute in Zürich lebende Produzent und Musiker. «Für Soundtracks interessiere ich mich, seit ich elektronische Musik mache. Ich habe schon Kurzfilme vertont und live zu Stummfilmen improvisiert, auch mit anderen Musikern zusammen. Spielfilme aber noch nicht. EXO sehe ich daher als Referenz, um zukünftig mit Regisseuren zusammenzuarbeiten.»

Wer Bit-Tuner kennt, weiss, dass Komödien oder Lovestorys dafür nicht unbedingt in Frage kommen. Seine auch schon als Acid Dub bezeichnete elektronische Musik war stets von einer gloomy Grundstimmung geprägt.

Die neuen Aufnahmen, die gut als Untermalung für Science-Fiction- oder Horrorfilme taugen würden, machen da keine Ausnahme: «Ich interessiere mich seit 20 Jahren für Soundtracks aus diesen Genres. Das hat mein Schaffen sicher geprägt», sagt er. «In den vergangenen Jahren habe ich einige Ideen aus dieser Richtung gesammelt. Bei der Auswahl für EXO haben mich diese Stücke am meisten überzeugt. Es hat sich eine Art Sog entwickelt, der das Ganze konsequent verdichtet und den Effekt als Album intensiviert hat.»

Field Recordings in Athen

Das Album ist ein Ausflug in vielschichtige, dramatisch aufgebaute musikalische Landschaften. Die ungefähr zwischen drei und sechs Minuten dauernden Stücke verbreiten unheilverkündende Vibes. Schwergewichtige Basslines sind weiterhin enthalten – Musik ohne die für Bit-Tuner typischen Beats zu produzieren, sei allerdings eine Herausforderung gewesen, bekennt der 41-Jährige.

Field Recordings, in Athen und Kairo entstanden, und ein gut vertretener halb modularer griechischer Synthesizer sowie Ausschnitte und Samples aus Live-Sets bilden das Gerüst seiner elektronischen Sound-Architektur. «Die Idee war, diese verschiedenen Quellen auf eine organische Weise miteinander zu verbinden und so zu arrangieren, dass konkrete Stücke entstehen», beschreibt Bit-Tuner das Zusammenfügen der Schnipsel in seinem Studio in Albisrieden.

Besonders der Aufenthalt in Griechenland  hat die dystopische und schwermütige Atmosphäre des Albums beeinflusst. «Ich war während zwei Jahren mehrheitlich in Athen, weil meine Partnerin für die documenta 14 gearbeitet hat. Ich hatte viel Zeit, die Stimmung dieser Stadt zu erfassen und auch akustisch aufzunehmen, was sich in meinen musikalischen Skizzen und Kompositionen widerspiegelt.» Wer das als Wiedergabe des dortigen strukturellen Wandels interpretiere, liege sicher nicht falsch. «Das Projekt ist aber nicht explizit so gedacht», erklärt er.

Reise in eine fremde 3D-Welt

Welche Bilder die Tracks im Kopf des Publikums entstehen lassen können, zeigt exemplarisch der aus Luzern stammende Videokünstler Joerg Hurschler. Sein 3D-Beitrag, der die Grenzen zwischen Film und Musikvideo verwischt, war sein grösstes Projekt 2019. Hurschlers von fremden Wesen bevölkerte 3D-animierte Welt ist die visuelle Interpretation des Bit-Tuner-Trips.

Joerg Hurschler präsentiert seine sonderbare 3D-Welt, live vertont von Bit-Tuner, an der Plattentaufe: 7. Dezember, Palace St.Gallen.

Danach leitet die Luzerner Musikerin Belia Winnewisser mit ihrem Live-Set in die Nacht über, bevor Bit-Tuner abermals mit einem Club-Set seine Bässe in den Saal feuert. Umrahmt wird die Nacht vom Zürcher DJ Ink.

bit-tuner.net, OUS Records

«3D-Animation hat den Vorteil, keine Technik, kein Team und keine Schauspieler zu benötigen», sagt er. «Sie stellt momentan einen Schwerpunkt meiner Arbeit dar, weil ich es mag, alles selbst am Computer zu entwickeln. Das ist ein wenig wie Gott spielen.»

Bit-Tuners Stücke riefen in ihm Visionen hervor, die er seit seiner Jugend in sich trage. «Ich sehe etwas Schleimiges, Fremdes vor meinen Augen, und ein beengendes Gefühl steigt in mir noch», beschreibt Hurschler seine Erfahrung.

Er visualisierte diesen Eindruck als Tentakelwesen, das metallische sowie organische Elemente in sich trägt. «Mothergene» taufte er das im Zentrum seiner Animation stehende, von grünen, wirbellosen «Genes» umgebene Wesen. «Die Zuschauer sollen die Bilder aus meinem Kopf so erfahren, wie ich sie mir vorgestellt habe», sagt der 34-Jährige.

Ihre Zusammenarbeit stellt für beide Künstler ein Experiment dar. Funktioniert diese neue Form des cineastischen Storytellings live? Wirken die verstörenden Bilder, welche die ohnehin bedrohlich klingende Musik begleiten, nicht zu krass in einem Club?

Das sollte jeder für sich selbst herausfinden, findet Hurschler. «Ich habe in der Musik nicht nur düstere, sondern auch hoffnungsvolle Elemente entdeckt. Diese haben ebenso Eingang in meine Albumvisualisierung gefunden.»

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

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Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

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Musik am See

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Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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