, 27. Oktober 2017
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Bilder in der Nacht

Ab heute flimmern im St.Galler Linsenbühl-Quartier vier Abende lang Bilder in die Nacht. Mal bewegt, mal still und statisch. Das Projekt «Stadtprojektionen» von Anna Vetsch und Nina Keel startet nach der Erstauflage 2016 in die spannende zweite Runde. von Dorothee Haarer

«Singen Vögel im Schlaf» von Ester Vonplon. (Bild: Daniel Iqbal)

Erstmals ging das Film-und Foto-Event «Stadtprojektionen» 2016 in St.Gallen über die Bühne. Heute Abend gehts nun los mit der zweiten Auflage – wie im Vorjahr unter der Regie der Kuratorinnen Nina Keel und Anna Vetsch. Ab 18.30 Uhr bis einschliesslich Montagabend illuminieren und bespielen dafür Kunstschaffende aus den Bereichen Film und Fotografie mit ihren Arbeiten Wände und Flächen im Linsenbühlquartier.

Vernissage: 27. Oktober, 18.30 Uhr, Hügelstrasse St.Gallen. Im Anschluss Ansprache in der Buena Onda mit Apéro.

stadtprojektionen.ch

Ein bisschen grösser sind die diesjährigen «Stadtprojektionen» geworden, ein bisschen wagemutiger vielleicht auch. Was im vergangenes Jahr an zwei Abenden mit sieben Mitwirkenden seinen Anfang nahm, dauert diesmal von Freitag bis Montag. Auch zeigen diesmal elf Künstlerinnen und Künstler ihre Werke und das gediegene Altstadt-Quartier haben die Kuratorinnen hinter sich gelassen und sind ins kreativ-chaotische Linsebühl gezogen.

Projektionen an kunstgeeigneten Orten

Was gleich ist wie im letzten Jahr, ist die Entdeckerfreude der Initiantinnen Vetsch und Keel. Erneut wagen sich in St.Gallens Kleinstadtdschungel. Weg von musealer White-Cube-Architecture, raus mit der Kunst auf die Strasse. Rein in Gässchen und Höfe. Kunst sichtbar machen für jedermann ist das Ziel. Dabei landen sie an Plätzen, die eigentlich nicht für die Präsentation von Kunst gemacht sind. Oder grade doch?

Rundgang 1:
28. Oktober, 19 Uhr, Treffpunkt: Brühlgasse 37

Rundgang 2:
30. Oktober, 19 Uhr, Rorschacherstrasse 52/54

«Wir suchen für die Projektionen durchaus nach kunstgeeigneten Orten, es ist uns aber wichtig, dass sie an sich schon spannend sind», erklärt das Duo. Besonders reizvoll finden die zwei, ein Umfeld zu bespielen, das bereits mit eigenen Geschichten aufgeladen ist und die man berücksichtigen muss. Ausserdem stellen sie fest, dass nicht jeder Ort, auch wenn er zunächst so scheinen mag, für ihr Konzept geeignet ist. «Wenn auf der gegenüberliegenden Seite kein Beamer platziert werden konnte, mussten wir leider von vorne herein gewisse Orte fallen lassen.»

Trotz solcher Einschränkungen sind sie auch im Linsebühl fündig geworden. Für ihre zweiten «Stadtprojektionen» haben sie 14 Wände, Flächen und Flecken aufgespürt. Über die nächsten vier Abende hinweg flimmern hier nun bewegte Bilder oder leuchten einfach still und statisch in die Nacht.

Durchpeitsche Alltags-Routinen

Eine dieser Projektionen stammt von Ester Vonplon aus dem Jahr 2017 und trägt den Titel «Singen Vögel im Schlaf». Von der Strasse aus muss man den Hals schon richtig recken, um sie zu sehen. Hoch über der Stadt – vis à vis von der Kanti am Burggraben – strahlt sie als riesiges, erleuchtetes Rechteck an einer Hauswand. Die Fensteröffnungen in der Wand selbst wirken nun noch schwärzer, die Nacht drum herum noch dunkler. Dafür spiegelt sich das Licht der Projektion in mancher Glasscheibe auf der Strassenseite gegenüber. Die Projektion wirkt auf ihr Umfeld ein.

Gespräch über Kunst im öffentlichen Raum von St.Gallen: 29. Oktober, 17 Uhr, Kaffeehaus St.Gallen. Mit Künstler Florian Graf und Kristin Schmidt, Co-Leiterin der Fachstelle Kultur

Ganz anders kommt der Film von Agnes Nyrenius daher, den man in der Linsebühlstrasse finden kann. Er trägt keinen Titel, dauert rund 20 Minuten und rückt unser Alltags-Tun in den Blick. Die Künstlerin filmt sich darin bei Tätigkeiten, die wir alle vollführen. Oder anders gesagt: durch die wir uns alle in der Regel mit grosser Eile hindurch peitschen. Nyrenius allerdings hetzt sich nicht. Sie agiert langsam, frei von Emotionen. Und sie macht gerade dadurch den Betrachter erschreckend deutlich auf das allgegenwärtige Unter-Strom-Stehen und Nie-Zur-Ruhe-Kommen aufmerksam.

Es sind 14 spannende und vielseitige Projektionen, die Kunstschaffende und Kuratorinnen zusammen ins Linsenbühl getragen haben. Und es sind ebenso spannende und vielseitige Plätze, die für diese Projektionen aufgespürt wurden. Die kommenden vier Abende laden ein zu einer anregenden und nicht alltäglichen Entdeckungstour durch die Stadt.

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