Weite Wälder, irgendwo im Nirgendwo. Eis- und Schneemassen, die aus milchig-blauem Wasser ragen. Ein Hase, der in wildem Zickzack durch die Prärie rast. Typische Aufnahmen aus Tier- und Naturdokus, die an vernebelten Sonntagnachmittagen gerne mal über unsere Bildschirme flimmern. Beim Schauen sitzen wir im warmen Wohnzimmer auf dem Sofa, essen Kekse, sind fasziniert und hoffen, dass der Kojote den süssen Hasen nicht frisst – auch wenn wir natürlich wissen, dass auch der Kojote was essen muss.
Wer Dokus nicht daheim auf dem kleinen Bildschirm schauen mag, kann dies am 7. und 8. Februar gemeinsam mit anderen tun, und zwar auf einer grossen Leinwand im Naturmuseum St.Gallen. Dort werden bei den Natur Vision Filmtagen über 20 Natur- und Tierfilme gezeigt. Das Museum verspricht im Filmprogramm «einen überraschenden Einblick in die Natur und ihre Schönheit». Aber nicht nur, denn die beiden Filmtage thematisieren auch Ökologie und Umweltschutz.
Kalt und nass
Am Samstag geht es im Film des deutschen Filmemachers Lars Pfeiffer Wildes Grönland – Eiswelt im Wandel (2024) um die Polarregion. Jahrelang hat Pfeiffer die Veränderungen in der arktischen Natur dokumentiert und zeigt, wie es den Tieren dort gelingt, sich dem sich verändernden Lebensraum anzupassen – oder wie sie daran scheitern. Untermalt von der Musik des Komponisten Jörg Magnus Pfeil und der färöischen Sängerin Eivør Pálsdóttir, verspricht der mit dem Natur Vision Kamerapreis ausgezeichnete Film eindrückliche Bilder von Eislandschaften und bedrohten Arten, wie etwa den Narwalen.
Von Grönland geht es ins Wasser: In Orcas – Herrscher der Meere (2024), ausgezeichnet mit dem Deutschen Wildlife Filmpreis, widmet sich der Meeresbiologe und Tierfilmer Florian Graner den Schwertwalen. Die Dokumentation zeigt ihr Jagdverhalten, ihre sozialen Strukturen und was die grossen Säuger zu den «Herrschern der Meere» macht.
Gentechnik und ein sechsfüssiger Springschwanz
Am Sonntag gibts leichte Jurassic-Park-Vibes: Herbert Ostwalds Ein Mammut-Projekt – Wiedergeburt ausgestorbener Arten (2024) fragt, ob und unter welchen Bedingungen man ausgestorbene Arten mittels moderner Gen- und Biotechnik wieder zurückbringen soll. Welche Risiken sind damit verbunden? Welche ethischen Konflikte könnten sich daraus ergeben? Und welche Chancen könnten sich daraus ergeben? Das Naturmuseum St.Gallen schreibt im Filmprogramm dazu: «Ist das eine Hoffnung für eine intakte Natur oder spielt die Wissenschaft Gott – mit unabsehbaren Folgen?»
Einen kritischen Ansatz verfolgt auch Greenwashed? IKEA und Nachhaltigkeit (2024) von Farah M’haimdat und Leonie Sontheimer. Das schwedische Möbelhaus vermittelt ein ziemlich umweltbewusstes Image nach aussen. Doch wird das Unternehmen der eigenen Werbebotschaft gerecht, oder betreibt es vielleicht Greenwashing? Im rund 20-minütigen Film begibt sich Umweltjournalist Sherif Rizkallah auf Recherche und geht genau dieser Frage nach.
Einen besonderen Platz im Programm im Naturmuseum St.Gallen nimmt der Filmblock des Luzerner Fotografen und Tierfilmers Roman Willi ein. Gezeigt werden drei Kurzfilme des «Special Guests», darunter The Leap Beneath (2025), der mit dem Natur Vision Kurzfilmpreis ausgezeichnet ist. Der vierminütige Film taucht in den Mikrokosmos des Waldes ein und begleitet einen sechsfüssigen Springschwanz – einen Gliederfüsser – bei der Nahrungssuche. Im Anschluss an den Filmblock findet ein Publikumsgespräch mit Roman Willi statt.
Natur Vision Filmtage St.Gallen: 7. und 8. Februar, jeweils von 10 bis 18 Uhr, Naturmuseum St.Gallen