, 12. Februar 2018
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Da döof me nöö!

Genosse Galgenvogel kommentiert Geschichten, die die Ostschweiz nicht nicht betreffen. Heute: Olympisches Drögelen.

Die neue Onlinezeitung «Republik» war noch keinen Monat alt, da konnte sie schon ihren ersten Scoop vermelden. Olympias superhightechsecure Laborbecher, in denen das Athletenbisi hätte tubelfest versiegelt gelagert werden können, konnten von den Journis geöffnet und wieder geschlossen werden. Problematisch ist das nicht, weil somit Athletenbisi auf das Sandwich des Laborwarts im selben Kühlschrank tropfen kann, sondern weil kurz vor Wettkampfbeginn klar war, dass es wieder gelingen wird, das kontaminierte Athletenbisi mit sauberem Bisi von einem nüchternen Puristen auszutauschen.

Die Empörung hielt sich in Grenzen, abgesehen von einer Handvoll einsamer Seelen, die dies als Anlass sahen, irgendwo in diesem Internet zu kommentieren, da müsse man jetzt hart durchgreifen und diese Bisiathleten für tausend Jahre sperren. Dieselben Menschen sind es aber auch, die jeweils mit Augustweggen und Fähnlein vor dem TV hocken und auf dem Balkon mit einer Kuhglocke rumnerven, wenn Rosché Federer wiedermal ein Goal gegen FC Wawrinka geschossen hat. Auf solche Monster hört man nicht.

«Da isch pschisse mfall! Da döof me nöö!» – Doping im Sport ist ein bisschen wie Ananas auf der Pizza. Alle sagen, dass sie es nicht mögen, wissen aber eigentlich ganz genau, wie gut es zusammenpasst. Im Grunde ist Sport ohne Drogen gar nicht auszuhalten. Und überhaupt: Wer die gedopten Langläufer als zu schnell empfindet, kann ja den Fernseher langsamer einstellen. Aber natürlich können wir uns von unserem brötigen Unterbewusstsein auch die Konfitüre klauen lassen. Und uns dann über das trockene Brot beschweren.

Dabei kommt Langlauf per se von langweilig, Biathlon von schizophren und Buckelpiste von Wackelkontakt; daran hat man sich auch mal sattgesehen. Eine zeitgenössische Olympiade würde stattdessen endlich versuchen, wieder einigermassen kundenorientiertes Spektakel anzubieten und ein dopes Programm hochwertiger Wettkämpfe in Spritzenwerfen, Pillencurling, Speedrutschen und Pilzlifliegen zusammenstellen. Und wer im Winter unbedingt Schnee unter der Nase braucht, soll sich diesen olympisch geben, nur halt nicht diesen gelben.

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