Tagblatt. Das Joint Venture der NZZ-Regionalmedien und der AZ macht die Regionen weltoffener. Die Grundschulen unterrichten künftig Türkisch, um den Nachwuchs zu befähigen, sich eine ausgewogene Meinung zu bilden. Es kommt aber alsbald zu einer Protestwelle. Die empörten Massen merken nämlich schnell, dass nicht überall, wo Joint drauf steht, auch Joints drin sind.
SRF. NoSendeschluss, hoffentlich. Nicht weil die Billag und Projer und der Patriotenkitsch und Hüppi (Nein, der ist weg! :-P) und die lahmarschigen Sternstunden, Clubs und Schawinskitalks und die totale Abwesenheit von so etwas wie Satire nicht bösartig nerven würden. Sondern weil eine Medien-Vision, die es Rechtsaussen und den Neoliberalen gleichzeitig besorgt, kategorisch zurückzuweisen ist. Und zwar ohne eine fucking Diskussion.
Weltwoche. Wird etwa sieben mal verklagt im neuen Jahr. Köppel und Gut geben ein Gastsemester an der HSG mit dem Titel: «Schlechte Presse macht schlechte Schlagzeilen in guten Blättern, um miesen Menschen miese Texte über gute Menschen zu verkaufen». Blocher zahlts, obwohl er, um sich zu informieren, heimlich das Vorwärts liest. Der 6 Jahre jüngere Noldi Trump schielt neidisch über den Teich, er fragt sich, wie Chrischi es schafft, nicht täglich auf Twitter zu onanieren. Dabei ist es einfach: Blocher onaniert nicht (mehr), Blocher lässt onanieren.
Watson. Der Dealer unserer täglichen Katzenbildli geht in Sachen Prekarisierung des Internetzes völlig neue Wege und erfindet die «vorauseilenden Native-ads». Listicles mit den geilsten 10 Dingen, die dein Unterbewusstsein beim nächsten Supermarkt-Besuch kaufen wird, halten die Wirtschaft schliesslich auch am Leben, wenn kein Grossist den Artikel sponsort. Bald schon zeichnet sich ein neues Phänomen ab: prekarisierte Listicle-Journis werden beim Shopliften beobachtet, weil sie sich die 10 geilsten Dinge selbst nicht mehr leisten können. Werbepsychologie: funktioniert immer, irgendwie.
Sportreporter. YB veryoungboyst den Titel, weil es Basel den Bernern am Schluss doch noch verböselt. Bayern, Barça, Banchester, Baris und Burin sind dafür sieben Runden vor Schluss schon durch. Menschen, die dafür Geld kriegen, lassen sich darauf mit Dingen wie «der Abstiegskampf ist so spannend wie nie» zitieren. Diese WM ist dann auch noch. Das schauen aber nur Modefans und die Wettmafia. Juni wird ne gute Zeit, wieder mal ein schlechtes Buch zu Ende zu lesen. Budgettipp an die Medienlandschaft fürs 2019: Fussball streichen. Will niemand mehr sehen.
Republik. Das «Expeditionsteam in die Wirklichkeit» kann zwar die Welt nicht retten, macht aber ab Mitte Januar trotzdem ein gutes Blatt. Dass es dermassen aufdringlich liberalen Zürcher Traditionsblättern vorwerfen konnte, keinen liberalen Journalismus mehr zu produzieren, hat diese nachhaltig verwirrt. Die alte Tante sucht ihr Heil (haha) im Populismus und gibt auf der Redaktion die Regel durch, alles Liberale künftig als «links» zu ächten. Die WOZ lacht sich schlapp, verzichtet aber darauf, die Falkenstrasse zu übernehmen, weil es am Ampèresteg gemütlicher ist und besseren Kaffee gibt.
Und Saiten? Saiten bleibt geil. Machsh du Abo.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?