Kategorie
Autor:innen
Jahr

Joints, Billag, Presselandschaft

Genosse Galgenvogel kommentiert auf Saiten-Online Geschichten, die die Ostschweiz nicht nicht betreffen. Heute: Die Presselandschaft 2018. Der untrügliche Blick in die Glaskugel.
Von  Genosse Galgenvogel

Tagblatt. Das Joint Venture der NZZ-Regionalmedien und der AZ macht die Regionen weltoffener. Die Grundschulen unterrichten künftig Türkisch, um den Nachwuchs zu befähigen, sich eine ausgewogene Meinung zu bilden. Es kommt aber alsbald zu einer Protestwelle. Die empörten Massen merken nämlich schnell, dass nicht überall, wo Joint drauf steht, auch Joints drin sind.

SRF. NoSendeschluss, hoffentlich. Nicht weil die Billag und Projer und der Patriotenkitsch und Hüppi (Nein, der ist weg! :-P) und die lahmarschigen Sternstunden, Clubs und Schawinskitalks und die totale Abwesenheit von so etwas wie Satire nicht bösartig nerven würden. Sondern weil eine Medien-Vision, die es Rechtsaussen und den Neoliberalen gleichzeitig besorgt, kategorisch zurückzuweisen ist. Und zwar ohne eine fucking Diskussion.

Weltwoche. Wird etwa sieben mal verklagt im neuen Jahr. Köppel und Gut geben ein Gastsemester an der HSG mit dem Titel: «Schlechte Presse macht schlechte Schlagzeilen in guten Blättern, um miesen Menschen miese Texte über gute Menschen zu verkaufen». Blocher zahlts, obwohl er, um sich zu informieren, heimlich das Vorwärts liest. Der 6 Jahre jüngere Noldi Trump schielt neidisch über den Teich, er fragt sich, wie Chrischi es schafft, nicht täglich auf Twitter zu onanieren. Dabei ist es einfach: Blocher onaniert nicht (mehr), Blocher lässt onanieren.

Watson. Der Dealer unserer täglichen Katzenbildli geht in Sachen Prekarisierung des Internetzes völlig neue Wege und erfindet die «vorauseilenden Native-ads». Listicles mit den geilsten 10 Dingen, die dein Unterbewusstsein beim nächsten Supermarkt-Besuch kaufen wird, halten die Wirtschaft schliesslich auch am Leben, wenn kein Grossist den Artikel sponsort. Bald schon zeichnet sich ein neues Phänomen ab: prekarisierte Listicle-Journis werden beim Shopliften beobachtet, weil sie sich die 10 geilsten Dinge selbst nicht mehr leisten können. Werbepsychologie: funktioniert immer, irgendwie.

Sportreporter. YB veryoungboyst den Titel, weil es Basel den Bernern am Schluss doch noch verböselt. Bayern, Barça, Banchester, Baris und Burin sind dafür sieben Runden vor Schluss schon durch. Menschen, die dafür Geld kriegen, lassen sich darauf mit Dingen wie «der Abstiegskampf ist so spannend wie nie» zitieren. Diese WM ist dann auch noch. Das schauen aber nur Modefans und die Wettmafia. Juni wird ne gute Zeit, wieder mal ein schlechtes Buch zu Ende zu lesen. Budgettipp an die Medienlandschaft fürs 2019: Fussball streichen. Will niemand mehr sehen.

Republik. Das «Expeditionsteam in die Wirklichkeit» kann zwar die Welt nicht retten, macht aber ab Mitte Januar trotzdem ein gutes Blatt. Dass es dermassen aufdringlich liberalen Zürcher Traditionsblättern vorwerfen konnte, keinen liberalen Journalismus mehr zu produzieren, hat diese nachhaltig verwirrt. Die alte Tante sucht ihr Heil (haha) im Populismus und gibt auf der Redaktion die Regel durch, alles Liberale künftig als «links» zu ächten. Die WOZ lacht sich schlapp, verzichtet aber darauf, die Falkenstrasse zu übernehmen, weil es am Ampèresteg gemütlicher ist und besseren Kaffee gibt.

Und Saiten? Saiten bleibt geil. Machsh du Abo.

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von Vera Zatti,
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von Jeremias Heppeler,

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von Peter Surber,
Contrapunkt 1 martin fluege