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Demokratierelevant

Das Verlagsgeschäft hat immer weniger mit Journalismus zu tun, Blocher kauft sich eine Millionen-Reichweite und «die Kleinen» gründen den Verband Medien mit Zukunft. Was das mit Saiten zu tun hat.
Von  Corinne Riedener , 

Dass sich die (Schweizer) Medienlandschaft im Umbruch befindet, gehört mittlerweile zu den Allgemeinplätzen. Der Service Public ist regelmässig unter Beschuss, das Publikum tendenziell überaltert und alle paar Wochen hört man wieder von einer anderen Redaktion, die «verschlankt», zusammengelegt oder anderweitig umgebaut werden soll.

Die Ursachen dieser Misere liegen unter anderem darin, dass die Verleger nicht so recht wussten bzw. wissen, wie mit der Digitalisierung umzugehen ist. Einfach gesagt. Werbung hat schon lange kein Papier mehr nötig, darum sind die Inserate- und anderen Werbeeinnahmen der Zeitungen über die Jahre eingebrochen, was zu einer medialen Finanzkrise geführt hat – die, genaugenommen, eine journalistische ist, aber dazu später.

Die sinkenden Werbeeinnahmen haben, befeuert vom Aufkommen der Gratiszeitungen und den Sozialen Medien als Informationsquelle, dazu geführt, dass die Medienlandschaft heute viel stärker konzentriert ist als noch vor 15 oder 20 Jahren. Die Verleger versuchen sich mit Skalen- und Verbundeffekten über Wasser zu halten, also mit möglichst hohen Auflagen und gemeinsamen Mänteln, wie es vor einiger Zeit auch den NZZ-Töchtern «Tagblatt» und «Luzerner Zeitung» widerfahren ist.

Die drei Grossen teilen sich den Markt

Die Schweizer Presselandschaft wird von drei grossen Playern dominiert – man könnte auch von einem Oligopol privater Medienunternehmen reden: Tamedia, Ringier und NZZ. 2001 kontrollierten sie laut dem Jahrbuch Qualität der Medien 2015 zusammen knapp die Hälfte des deutschsprachigen Pressemarkts, mittlerweile sind es über 80 Prozent.

An der Spitze steht Tamedia. 2016 setzte die Mediengruppe über eine Milliarde Franken um und erzielte einen Reingewinn von 122 Millionen Franken (im Jahr davor waren es 334 Millionen). Das «Familienunternehmen» Ringier befindet sich mit einem Umsatz von etwas mehr als einer Milliarde Franken auf Platz zwei und schloss das letzte Jahr mit einem Gewinn von knapp 23 Millionen ab (2015 war es die Hälfte). Die NZZ-Mediengruppe kann bei einem Umsatz von 442,7 Millionen Franken einen Gewinn von 23, 8 Millionen vorweisen (7 Prozent mehr als im Vorjahr). Daneben gibt es noch die AZ-Medien (Umsatz 235,7 Millionen) und die Somedia AG, die ihren Jahresbericht neuerdings nicht mehr veröffentlicht.

Diese Gewinne sind aber mit Vorsicht zu geniessen, denn mit Journalismus, dem einstigen Kerngeschäft, haben die Geschäftsmodelle von Ringier und Tamedia nicht mehr viel zu tun. Ihre Gratiszeitungen «Blick am Abend» und «20 Minuten» sind mehr Werbeprospekte denn ernstzunehmende journalistische Erzeugnisse, und ein Grossteil ihrer Einnahmen wird über Veranstaltungs-, Unterhaltungs- oder Vermittlungsdienstleistungen generiert, auf Plattformen wie local.ch, homegate.ch, jobs.ch, geschenkidee.ch oder starticket.ch.

Die NZZ-Gruppe setzt noch eher auf Publizistik und Journalismus, ist aber merklich nach rechts gerutscht – wobei das Wort «rutschen» eigentlich nicht korrekt ist, da es einen unbeabsichtigten Richtungswechsel impliziert. Bei genauerer Betrachtung war dieser Rechtsruck klar gewollt.

Wieso war nun eingangs die Rede von einer journalistischen Finanzkrise? Weil die grossen Medienunternehmen zwar wie oben beschrieben Millionen-Gewinne erwirtschaften, aber dieses Geld nicht den Redaktionen zugute kommen lassen, sondern diese stattdessen schröpfen und totsparen. Das ist bedauerlich, aber nicht überraschend. Mit Journalismus lässt sich momentan nun mal schlecht Geld verdienen. Allerdings führt die Gier der Verleger dazu, dass sie sich über kurz oder lang aus diesem Kerngeschäft zurückziehen.

Es braucht ein Gegengewicht

Dieser Meinung ist auch Ex-«Watson»-Chef und -Gründer Hansi Voigt. Zusammen mit dem ehemaligen «Watson»-Redakteur Olaf Kunz und dem Journalisten Simon Jacoby («tsri.ch») hat er deshalb den Verband Medien mit Zukunft initiiert, an dessen Gründungsversammlung im Juli auch Saiten dabei war. Der neue Verband, dem auch WoZ, «Tageswoche», «Republik», «Zentralplus», «Journal B», «Infosperber» und aus der Romandie «Bon pour la tête» oder «sept.info» angehören, versteht sich als Gegenentwurf zum Schweizer Verlegerverband (VSM), der von den grossen Medienhäusern dominiert wird – und letztlich auch deren Interessen verfolgt.

Wir «Medien mit Zukunft» wollen uns stattdessen aufs Kerngeschäft fokussieren: guten, demokratierelevanten Journalismus. Und den medienpolitischen Diskurs, etwa jenen um die Zukunft des Service Publics, mitprägen. Im Fall von Saiten kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Unsere Region ist Brachland in Sachen Medienvielfalt, deshalb ist es umso wichtiger, dass im neuen Verband auch eine Stimme aus dem Osten sitzt, genauso wie es die Stimmen aus der Romandie braucht, die noch viel stärker bedroht ist von der medialen Einfalt.

Mitte August ist nun bekannt geworden, dass die Ostschweizer Verleger-Familie Zehnder ihren Wochenzeitungsverlag an die «Basler Zeitung» (BaZ) verkauft hat, an der auch Christoph Blocher beteiligt ist. Der Herrliberger SVP-Miliardär ist neu also im Besitz von 25 Gratiszeitungen, die überwiegend in ländlichen Regionen verteilt werden und insgesamt etwa 800’000 Leute erreichen.

Umso dringender braucht es ein Gegengewicht.

Dieser Beitrag erschien im Septemberheft von Saiten.

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
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Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

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Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

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Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

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2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

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Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

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Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,