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Im Ohr hängen geblieben 

Die Ohren geschützt mit Mode (Bild: pd)

Die Ohren geschützt mit Mode (Bild: pd)

Ein nervtötendes Lied, das immer wieder ungefragt in den Ohren erklingt. Ein Ohrwurm, der sich in die Gehörgänge frisst. Genau diesem Phänomen widmet sich das italienische Künstlerduo Polisonum in seiner Ausstellung in Rapperswil-Jona.

Wer kennts nicht: Der ein­gän­gi­ge Song, der im Ra­dio hoch und run­ter läuft, der pe­ne­tran­te Jing­le aus der Wer­bung – ir­gend­wann bleibts. Nis­tet sich ein in un­se­rem Kopf und ploppt im­mer dann auf, wenn man ei­gent­lich ganz wo­an­ders ist. Beim Spa­zie­ren, Put­zen, Au­to­fah­ren …

Die­ses Ohr­wurm-Phä­no­men hat das ita­lie­ni­sche Künst­ler­duo Po­li­so­num in sei­nem Pro­jekt «Su­per­im­po­si­ti­on» un­ter­sucht. In der gleich­na­mi­gen Aus­stel­lung in der Al­ten Fa­brik in Rap­pers­wil-Jo­na zeigt es ab dem 6. Sep­tem­ber erst­mals al­le aus dem Pro­jekt ent­stan­de­nen Ar­bei­ten. 

Ohr­wurm­ana­ly­se

Po­li­so­num, be­stehend aus Fi­lip­po Lil­li und Do­na­to Lo­fo­re­se, ver­bin­den in ih­rer In­stal­la­ti­ons- und Per­for­mance­kunst au­dio­vi­su­el­le und wis­sen­schaft­li­che Me­tho­den. Da­bei un­ter­su­chen sie «Pro­zes­se und Me­ta­mor­pho­sen der Ge­gen­wart», wie sie auf ih­rer Web­site schrei­ben. Zu se­hen wa­ren ih­re Ar­bei­ten be­reits in ver­schie­de­nen In­sti­tu­tio­nen und Fes­ti­vals, dar­un­ter der Kunst­hal­le St.Gal­len, der Ars Elec­tro­ni­ca in Linz oder dem Ro­ma­eu­ro­pa Fes­ti­val in Rom.

Im Zen­trum von «Su­per­im­po­si­ti­on» in Rap­pers­wil-Jo­na ste­hen die Funk­ti­ons­me­cha­nis­men mu­si­ka­li­scher Ohr­wür­mer so­wie ihr Ein­fluss auf die Men­schen. Die Al­te Fa­brik schreibt da­zu im Pres­se­text: «Um die­se all­ge­gen­wär­ti­ge Form der ko­gni­ti­ven Kon­trol­le zu un­ter­su­chen, ana­ly­sier­ten die Künst­ler über 10000 eng­lisch­spra­chi­ge Lie­der aus in­ter­na­tio­na­len Charts von 2000 bis 2022 (…).» Für die Ana­ly­se ent­wi­ckel­te das Duo ge­mein­sam mit der Po­ly­tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Tu­rin ei­ne Soft­ware, mit der es den Lie­der­kor­pus nach Mus­tern ab­such­te und ei­nen «In­dex für die Wie­der­hol­bar­keit von Wör­tern» be­rech­ne­te.

Über­la­ge­rung als Me­tho­de

Auf der Grund­la­ge die­ser Er­geb­nis­se leg­ten Po­li­so­num die un­ter­such­ten Lie­der zu ei­ner neu­en «Ton­spur oh­ne er­kenn­ba­re Me­lo­die» über­ein­an­der. Die aus die­ser Su­per­im­po­si­ti­on, oder eben Über­la­ge­rung, ent­stan­de­ne «Klang­kom­po­si­ti­on» ent­waff­ne und pul­ve­ri­sie­re me­ta­pho­risch den Oh­ren­wurm, heisst es in der An­kün­di­gung. 

Im Projekt entwickelte Kleidung (Bild: pd/Mike Zenari)

Im Projekt entwickelte Kleidung (Bild: pd/Mike Zenari)

Schutz vor eben­die­sen Ohr­wür­mern ver­spricht auch die «schall­ab­sor­bie­ren­de Mo­de­klei­dung», die das Po­li­so­num in ei­ner wei­te­ren Zu­sam­men­ar­beit mit dem Po­ly­tech­ni­kum Tu­rin so­wie ei­nem Mo­de­la­bel ent­wi­ckel­ten und die eben­falls in der Aus­stel­lung zu se­hen ist.

Das au­di­tive Werk, die Klei­dungs­stü­cke und wei­te­re Ar­bei­ten bet­tet das Duo in Rap­pers­wil-Jo­na in ei­ne «orts­spe­zi­fi­sche In­stal­la­ti­on». Da­durch sei, so die Al­te Fa­brik, ei­ne Art Par­cours ent­stan­den, der das Pu­bli­kum ein­lädt, die Ar­bei­ten des Du­os und den krea­ti­ven Pro­zess da­hin­ter zu er­kun­den. 

Po­li­so­num – «Su­per­im­po­si­ti­on»: 5. Sep­tem­ber bis 26. Ok­to­ber, Al­te Fa­brik, Rap­pers­wil-Jo­na; Ver­nis­sa­ge mit Per­for­mance: 5. Sep­tem­ber, 18 Uhr.
sai­ten.ch/ka­len­der

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