Am Freitag, den 17. Jänner im Schnapszahlenjahr 2020, tritt der Autor und Multiinstrumentalist Tom Combo im Palace auf. Combo heisst mit bürgerlichem Namen Thomas Meister und kam 1965 in Winterthur zur Welt; das war kein Schnapszahlenjahr.
Combo kündigt seinen Gig als «die lautere Lesung» an. Es ist also keine Wasserglaslesung zu erwarten. Vielmehr wird kein Stein auf dem anderen bleiben, wenn Combos neuer Roman Inneres Lind auf die Bühne kommt, inszeniert für drei Stimmen sowie für Cello und Schlagzeug. Dabei besteht die Combo-Combo aus der Schauspielerin Anna-Katharina Diener, dem Perkussionisten Dominik Dusek, kurz DD, und Tom Combo selbst. Dusek wird den Abend mit einem kurzen Auszug aus seiner kürzlich erschienenen Streitschrift Orgel und Ordnung einleiten.
Tom Combo: Inneres Lind – Roman. Verbrecher Verlag. Berlin 2019. 242 Seiten. CHF 18.-
Die lautere Lesung: 17. Januar, 20:30 Uhr, Palace St.Gallen.
Im Zentrum der Spoken Word Performance steht aber Combos Inneres Lind, ein flüssig geschriebener Roman mit viel Winterthurer Lokalkolorit, temporeich und mit Verve erzählt, mit spannenden, abgründigen Dialogen. Figuren aus einer Ex-Bikerclique suchen ihren Weg in die Gesellschaft, doch sie scheitern an ihrer Vergangenheit, an Geschichten, die sie immer wieder einholen.
Die Story hat Schmiss. Sie wirft unter anderem solche Fragen auf:
Wie geht man mit Gewalt um, wie mit Fehlern, wie mit Schuld? Heilen tiefe Verletzungen je? Was macht Alkohol, was machen Drogen mit Menschen? Wie lernt man das Verlieren? Lassen sich totgelaufene Rollenmuster in Beziehungen überwinden? Wie gehen wir mit Verlusten um? Wie mit gescheiterten Träumen?
Und die Story endet tragisch, hart. Ohne Versöhnung.
Musik spielt – wie könnte es anders sein? – eine Rolle in Tom Combos Winterthurer Szeneroman: Bruno, einer der Protagonisten, macht auf seinen Biketouren durch den Forst Tonaufnahmen, die er im Studio zu Soundtracks ausarbeitet. Impressionen dieser Aufnahmen durchziehen und rhythmisieren den Text, verleihen ihm eine zusätzliche akustische Dimension. Für den Sound dieser Prosa sind sie konstitutiv.
Sie klingen beispielsweise so: «Sechsachtel, dann unbestimmt, wechselnde Geschwindigkeit, verschiedene Brüche, Birke, unregelmässige, federnde Schläge mit Zweigen (…) Tanne, dürr, Eichenschlag, Birke, morsch, Dreiviertel (…) Rieseln von Nadeln, Stampfen auf Eiche (…) Eichenleiche, Kiefer, Keile, Spalt, Tanne, dürr, Brüche, hohl.»
Auch jagt Bruno der Idee nach, das Aufhören des Regens im Wald aufzunehmen – welch vorzüglicher Einfall, der im Ohr des Lesers unweigerlich Stille – ein höchstes Luxusgut in unserer lärmigen Zeit – provoziert.
Dennoch: Tom Combos Roman Inneres Lind zeichnet von Winterthur und seiner Umgebung keine Idylle.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.