Dies gleich vorweg: Ich mag Kiffermentalität nicht und ich finde Leute, die mit Cannabis-Emblemen, Mary-Jane- Kleidern, -Käppchen oder irgendwas Ähnlichem rumlaufen, ebenso beschränkt wie Politiker, die immer noch glauben, ein Verbot von Cannabis mache irgendeinen Sinn. Mein erstes Problem, das ich mit Cannabis hatte, war, dass mir davon übel wurde.
Das zweite war politischer Natur. Ich fragte mich, woher das Zeug stammte, das wir so zu rauchen pflegten. Gutes Zeug übrigens, zum Teil so dunkel und formbar, dass es mir gelang, damit ein bei einer Demo gefundenes Gummigeschoss perfekt nachzubilden. Also fragte ich bei den Importeuren nach (Liebe Polizei, das ist alles schon lange her und die Leute sind alle tot). Sie sagten mir nicht gerade den Namen ihrer Geschäftspartner, aber aus ihren Informationen konnte ich schliessen, dass wir von der philippinischen New People’s Army beliefert wurden, was mir nicht gefiel, weil sich die Steinzeitmarxisten dort drüben neben ihrem nicht ganz unverständlichen bewaffneten Kampf gegen das Regime auch mit Erpressung und dem Töten unschuldiger Zivilisten befassten. Ich fragte mich also, was es für einen Sinn machte, sich hier gegen gewaltbereite Uniformierte zur Wehr zu setzen, während man andernorts gewaltbereite Gruppierungen mit seinem Konsum unterstützte.
Mein drittes Cannabis-Problem entstand, als ich vor etwa zwanzig Jahren bei einer Aktion mitmachte, bei der rund hundert Leute in einem «Landbote»-Inserat mit ihrem Namen bestätigten, schon einmal gekifft zu haben. Dies brachte mir neben den Kosten für das Inserat ein – zugegebenermassen lustiges – Verhör, eine Busse und einen Telefonanruf meiner Eltern ein. Über den Daumen gepeilt hat sich die Existenz von Cannabis für mein Leben also nicht gelohnt. Obwohl, wäre Kiffen legal gewesen, hätte ich mindestens zwei dieser Probleme nicht gehabt. Ein Inserat wäre nicht nötig gewesen und wir wären nicht von der NPA, sondern vielleicht von einem netten Bergbauern aus dem Heidiland beliefert worden. Das mit der Übelkeit wäre jedoch geblieben, hätte ich nicht aufgehört zu rauchen.
Cannabis als Selbstmedikation
Die Probleme, die andere im Zusammenhang mit Cannabis haben, sind beträchtlich grösser. Wenn ich mich in meiner Altersgruppe umschaue, schält sich in etwa folgende Regel heraus: Je öfter, je stärker und je länger jemand geraucht hat, desto schlechter ist die psychische Verfassung der jeweiligen Person. Ob dies eine Folge des Konsums ist oder vielmehr eine schlechte Seelenlage Grund für den Konsum war, kann ich nicht sagen. Letzteres dürfte jedoch eher der Fall sein. Es lässt sich belegen, dass insbesondere Patienten mit Traumafolgestörungen Cannabis oft als Selbstmedikation einsetzen. Weder haben die Therapierenden in der Regel ein ausreichendes Wissen über Cannabis, noch besteht eine vernünftige Möglichkeit, die tägliche Dosis an THC und Cannabidiol mit der Einnahme anderer Medikamente abzustimmen. Ausserdem zwingt es psychisch labile Menschen dazu, sich auf illegale Weise zu versorgen. Das bedeutet hohe Kosten und oft ein problematisches Umfeld. Denn neben vielen netten Leuten, die mit Cannabis handeln, gibt es auch einige, die Pestizid-verseuchtes, gestrecktes Zeug verkaufen und die nicht zurückschrecken, wenn es darum geht, die Abhängigkeit ihrer instabilen Kundschaft auszunutzen.
Angesichts der sozialen Probleme, die im Zusammenhang mit Cannabis entstehen, ist es seltsam, dass es eine staatlich kontrollierte Abgabe für die stärkere Droge Heroin gibt, sich die Behörden jedoch trotz vielversprechender Ansätze mit der Cannabisabgabe immer noch schwer tun. Das BAG argumentiert damit, dass die gesetzlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben seien. Doch Gesetze lassen sich ändern, Punkt.
Liberalisierung und Aufklärung
Selbstverständlich soll eine Liberalisierung nicht so vor sich gehen wie Ende der 90er, als ohne gesetzliche Änderungen plötzlich Hanf-Shops aus dem Boden schossen und die Neuerungen schnelle Profiteure, unaufgeklärte Konsumenten, nervige Teenies, eine überforderte Polizei und schliesslich verschiedene mafiöse Gruppierungen auf den Plan riefen. Eine Regulierung muss abgestimmt sein auf die internationalen Bedingungen und einhergehen mit einer unvoreingenommenen Aufklärung über die Droge sowie den entsprechenden Präventionsmassnahmen. Zur Aufklärung gehört zum Beispiel, dass Cannabis bei Leuten, die eine entsprechende Disposition haben, Psychosen auslösen kann, dass Cannabis-Konsum vor allem in der Pubertät Beeinträchtigungen des Gedächtnisseszur Folge haben kann und dass Kiffen bei hohem Konsum abhängig macht.
Einige Gelegenheitskonsumenten mögen immer noch denken, Cannabis sei ungefährlich. Die Realität sieht anders aus. Ich weiss von Indoor-Gras-Konsumenten, die wochenlang die Wohnung nicht verliessen und in einem Zustand waren, der demjenigen eines Junkies ziemlich ähnlich war. Und während sich die körperlichen Entzugssymptome bei Cannabis in Grenzen halten, ist die psychische Abhängigkeit bei hochdosiertem und längerem Konsum beträchtlich; ein Entzug kann unter anderem Aggressionen, Depressionen, Angstzustände und anhaltende Albträume bedeuten.
Weg mit dem Kiffkulturmüll!
Ebenso wie eine Liberalisierung der Drogenpolitik überfällig ist, braucht es eine Entmystifizierung der Droge. Also weg mit dem ganzen Kiffkulturmüll! Auf die Aussenwelt wirkt die bekiffte Version eines Menschen einfach nur dumpfer, langsamer, unzugänglicher, schlechter aussehend, verpeilter, gleichgültiger und vergesslicher als seine unbekiffte Version. Und das ganze Hippiescheiss-Drogenzeug ist einfach nur langweilig. Es gibt zwar gute Künstler, die kiffen, aber sie sind nicht gut, weil, sondern obwohl sie es tun. Und zu meinen, man könne bloss kreativ sein, wenn man kifft, spricht dafür, dass man entweder ziemlich uninspiriert ist oder Probleme hat, die man lösen sollte, wenn man nicht als dementer Ü-40-Kiffer enden will.
Bild (Ausschnitt): Linda Voorwinde
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