, 22. September 2016
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Lokomotive Maja

Weil der Wahlkampf am Sonntag vorbei ist, geht der Stadtpunkt von Dani Fels aus dem Oktoberheft ausnahmsweise schon jetzt online. Seine (und auch unsere) Empfehlung: Wählt die Beizerin!

So geht Artwork. Illustration: Rouven Stucki.

Haben Sie auch gewählt oder sind Sie schon vorher eingeschlafen? Das konnte ja durchaus passieren, bei diesem harmonieseligen, braven Wahlkampf, mit dem unsere Stadt in den vergangenen Wochen überzogen wurde (Saiten online hat es am 15. September mit Ludwig Hohl schön auf den Punkt gebracht).

Wir stellen fest: Alle Kandidierenden haben sich eigentlich lieb, und das Revival der Autopartei in Gestalt der Mobilitätsinitiative nimmt niemand ernst.

Diesen Wahlkampf könnte man einfrieren, in Plexiglas verpacken und an der nächsten Expo, wann und wo auch immer diese stattfinden mag, als Objekt mit dem Titel «Der Stadt gewordene Konsens» ausstellen. Wie würden da unsere dannzumal in sozialen Kämpfen gestählten Kinder Augen machen! Sie würden in dieser Installation auch die über die Parteien hinweg austauschbaren Wahlplakate bestaunen können, diese immer gleichen Portraits.

Zugegeben, ein bisschen etwas wurde diesmal schon gewagt in Sachen Wahlwerbung. Die FDP zum Beispiel hat sich mit einer Filter­App vergnügt, die alle ihre Kandidatinnen und Kandidaten wie gemalt aussehen liess. Nur war der Effekt so, dass die Bedauernswerten eher wie auf Gemälden in einer Ahnengalerie daherkamen.

Bei der CVP wurde, ganz verwegen, auf die eine oder andere Krawatte verzichtet (Lockerheit, Bürgernähe), die SP postierte ihr Personal vor einem Hintergrund mit nach unten absinkender Röte (Mässigung, Seriosität).

Die gleichen Plakate könnten in jeder beliebigen Schweizer Stadt hängen, denn überall gibt es diesen Hang zur Vorsicht und Anbiederung der eigenen Klientel gegenüber, der regelmässig in einem Floskelschwall endet. Fast überall wird eine Offenheit suggeriert, welche die Wahlprogramme bei genauerer Betrachtung nicht hergeben.

Gute Wahlwerbung müsste Popkultur sein, denn Politik, die sich jung gibt, ohne es zu sein, wirkt uralt.

Ein kleiner Wahlflyer, der an einschlägigen Veranstaltungen, wie den Fussballlichtspielen, auftauchte, hat mir persönlich aber gut gefallen. Das mit klarem Strich gezeichnete Portrait der Tankstell­-Beizerin Maja Dörig hatte tatsächlich diesen popkulturellen Charme, was mich zu einer Nachwahlforderung verleitet: Sollte Maja nicht gewählt werden, starten wir eine Kampagne, um sie zur Lokremise­-Gastronomin zu machen. Auf dass dort endlich nicht mehr nur Kinok, Theater und Kunst für Hirn und Leidenschaft stehen, sondern auch die Beiz.

Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten.

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