Konnten Sie der karitativen Wegelagerei über den Jahreswechsel widerstehen?
Genau, die Rede ist von diesen, für gewöhnlich im Rudel auftretenden, mit Logos von Hilfswerken oder NGOs getarnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Firmen wie der Corris AG, die Ihnen in der Regel an urbanen Engpässen wie vor dem Postschalter oder beim Aufgang der Unterführung Ost im Bahnhof auflauern, um Sie mit Marketinggewäsch einzulullen, das unentschlossen zwischen emotionalem Kitsch und schierer Plattheit chargiert.
«Finden Sie es auch gut, dass wir uns für (hier wahlweise ‹hungernde Kinder› oder ‹herrenlose Hunde› einfügen) einsetzen?» ist einer der beliebten Einstiegssätze, welcher die in Werbeabwehr Geschulten unter uns gleich in die Flucht schlägt, die weniger Geübten jedoch kurz stocken lässt – man ist schliesslich kein Unmensch.
Und schon stecken Sie mit einem Fuss in der Falle, aus der Sie sich oft nur freikaufen können, indem Sie den smarten Raubrittern erlauben, Sie per Lastschriftverfahren monatlich um mindestens zehn Franken zu erleichtern.
Ist ja für eine gute Sache, wenden Sie jetzt ein. Falsch gedacht, denn erstmal finanzieren Sie mit der vermeintlichen Spende bis zu eineinhalb Jahre lang die Firma, welche von den Hilfswerken und NGOs mit der Spendenjagd beauftragt wurde. Ganze 850 Franken lassen sich diese die sogenannten Dialoger, so heissen die Wegelagerer im Fachjargon, pro Tag kosten.
Wenn nun Organisationen wie Helvetas, Pro Infirmis oder der WWF bei Corris 500 Dialoger je einen Tag lang als Spendensammlerinnen und -sammler bestellen, kostet sie das 425’000 Franken, da muss dann schon einiges an Spenden generiert werden. Vor allem müssen diese lange genug fliessen, damit nicht nur die Wegelagerei refinanziert ist, sondern tatsächlich etwas für den eigentlichen Zweck abfällt.
Gemäss Art.5 des Polizeireglements ist Betteln in der Stadt St.Gallen verboten. Ich habe allerdings in unserer Stadt noch nie eine Bettlerin oder einen Bettler erlebt, die durch eine derart unangenehme Penetranz aufgefallen wären, wie die Dialoger.
Ich für meinen Teil bin fertig mit Hilfswerken und NGOs, die im öffentlichen Raum zum Spiessrutenlauf einladen. Es gibt zum Glück Alternativen; Institutionen, die mein Geld nehmen, ohne dass sie mich zuerst für dumm verkaufen.
Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten. Dieser Beitrag ist im Januar-Heft erschienen.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.