Das Gü: Namensgeber dafür ist der Kantonsrat, der kürzlich am Schluss einer Podiumsdiskussion an der Fachhochschule vor über 100 Studierenden zum Besten gab, dass er schon froh sei, dass in diesem Haus nicht nur in Sozialer Arbeit, sondern auch in Wirtschaft und Technik ausgebildet werde. Offenbar war dem Parlamentarier in den falschen Hals geraten, dass er auf seine Voten für die Entrechtungsinitiative, und darum ging es an besagtem Podium, viel Widerspruch und kritische Nachfragen von Studierenden erfahren musste. Wobei ihm nicht nur Studierende der Sozialen Arbeit Paroli boten, sondern auch welche aus den Fachbereichen Wirtschaft, Gesundheit und Technik, aber das sieht man den Leuten halt heute nicht mehr an. Kritisches Denken bleibt nicht in Dresscodes oder anderen Stereotypen hängen, an denen sich 1 Gü gerne orientiert.
Schon im Verlauf der Diskussion hatte sich der gewählte Vertreter des Volkes, auf das er sich in Besorgnis erregender Häufigkeit berief, als Anwärter auf den Fettnapf-Award in Position gebracht. Ausser von ihm und einem ihn begleitenden Faktotum von der Kameradschaft Morgarten International (sic!) wurde von niemandem im Raum der Sinn der Gewaltenteilung in der Schweiz angezweifelt. Der Herr Kantonsrat hingegen legte ein erstes Gü vor, indem er eine gewisse Geringschätzung gegenüber der Exekutive zum Ausdruck brachte, um dann in einem furiosen Endspurt die Judikative mit den Worten «von Richtern halte ich nichts» zu erledigen. Die Legislative, der er selber seit Jahren angehört, wurde vornehm verschont.
Argumentativ nicht verschont werden sollten solche Schwätzer, die in munterer Stimmung und destruktiven Mutes von einem Gü zum nächsten hangeln und das als direkte Demokratie missverstehen. Es wird ein Spass, wenn wir beginnen, diese Eiferer des Gü zivilgesellschaftlich in ihre eigenen Worthülsen einzupacken.
PS: Gegen Vorurteile gegenüber der Sozialen Arbeit hilft gern die kriso st.gallen (Forum für kritische Soziale Arbeit, kriso. ch), die im März zweimal hoch inspirierend die Erfreuliche Universität im Palace bespielte. Fortsetzung folgt.
Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in St.Gallen.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.