, 16. Juli 2018
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Mal woanders planschen

Sommerzeit – Badizeit. Als Alternativen zum grün-trüben Wasser der Drei Weieren in St.Gallen oder zur Rorschacher Seebadi bieten sich drei Freibäder an, in denen nicht zuletzt Architekten gerne Längen schwimmen.

Bild: René Hornung

Fahren wir zuerst an den Bodensee, nach Altnau. Nach dem Hochwasser von 2005 musste die Hafenmole neu gebaut werden. Das nahm die Gemeinde zum Anlass für eine Gesamterneuerung. Es entstanden ein neues Hafenmeisterhaus, ein Schiffssteg und eine öffentlich zugängliche Badewiese. Seither kann man auf dem Steg 250 Meter weit in den See hinaus spazieren.

Unterwegs kann man ausruhen, auf seitlich angebrachten Sitzgelegenheiten.
 Und etwa in der Mitte des Stegs findet sich die Einstiegsplattform in den See. Wer hier parallel zum Ufer seine Länge schwimmt, stösst erst nach 100 Metern auf den Wendepunkt, auf die zweite Plattform mitten im Wasser. Der Entwurf der Neubauten stammt von der Herisauer Architektin Eva Keller, zusammen mit zwei Planungsbüros aus Zürich und Balgach.

Besonders: Eine 100-Meter-Strecke im See gibts sonst nirgends und die Badiwiese ist einer der wenigen Gratis-Strände am See – samt Garderobe im elegant gestalteten Hafenmeisterhaus.

Eine Architekturikone aus den 1950er-Jahren ist das Schwimmbad Rotmonten auf dem St.Galler Rosenberg. Finanziert wurde es einst von einer Genossenschaft. Heute gehört es zu den städtischen Bädern. Geplant wurde die Anlage von den Architekten Hänny und Brantschen. Vom Büro Hänny stammt auch
 das Union-Gebäude am Marktplatz. Ernest Brantschen ist später berühmt geworden.

Die Badi Rotmonten wurde vor knapp zehn Jahren sorgfältig saniert – das 50-Meter-Schwimmbecken und die grosszügigen Liegewiesen bieten auch bei Ansturm genügend Platz. Das Kassenhaus mit seinem trapezförmigen, weit auskragenden Dach ist einer der wenigen 1950er-Jahre-Kleinbauten in St.Gallen. Hinter Kassa und Duschen ist der Restaurant-Teil angebaut mit seiner im letzten Sommer neu gestalteten, eleganten Terrasse.

Besonders: Die Holzgarderoben mit ihren farbigen Türen sind Zeitzeugen aus der Bauzeit – als wäre die Zeit stehen geblieben.

Noch einmal 20 Jahre älter ist das Schwimmbad Heiden. Auf Initiative des Verkehrsvereins wurde die Anlage 1932/33 gebaut. Geplant hatte sie der damals berühmteste Bäderbauer im Land, der Freiburger Ingenieur Beda Hefti. Die Badi Heiden ist ein Beispiel des «Neuen Bauens» und galt damals als eine der modernsten Anlagen.

1999 wurde sie denkmalpflegerisch renoviert. Sie ähnelt einem Kloster: Eingangsgebäude und Kabinen umfassen die Anlage auf drei Seiten. Auf der vierten Seite, im Hang, thront das Restaurant mit seiner Terrasse, auf der man wie auf einer Schiffsreling sitzt. Auch in Heiden kann man 50 Meter am Stück durchs Bassin crawlen. Die Farbigkeit der Kabinen und des Restaurants – in Rot, Blau und Gelb – ähnelt jener der Kabinen in der Badi Rotmonten.

Besonders: In den Wochen vom 13. Juli bis zum 10. August zügelt das Kino Rosenthal mit Freiluftvorstellungen ins Schwimmbad.

badi-heiden.ch/badikino-2018

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

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