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Brief an Linda Fäh

Saiten-Kolumnistin Anna Rosenwasser macht ein Geständnis. Es hat mit einer ehemaligen Miss Schweiz zu tun. Und mit Tussis. Ihr Beitrag aus dem Septemberheft.
Von  Gastbeitrag , 

Liebe Linda Fäh,

es war das Jahr 2009, du warst Miss Schweiz und ich Regionaljournalistin. An einem Samstagnachmittag besuchtest du offiziell den Manor Schaffhausen, um Unterschriften zu verteilen.

Ich hatte den Auftrag, über den Event zu berichten, und ich traue mich kaum, zu Papier zu bringen, was mein erster Satz war. Genau deshalb schreibe ich dir diesen Brief, Linda: Ich will zugeben, was ich damals schreiben wollte.

Als ich vom Manor in die Redaktion meiner Regionalzeitung spazierte, musste ich schmunzeln, weil ich mich für so lustig hielt. Frech einsteigen hatten sie mir in der Journalismusschule beigebracht, den Text mit einem Eyecatcher beginnen. Also setzte ich mich an meinen Redaktionscomputer und tippte:

Der Name Linda Fäh hat nur acht Buchstaben. Die Miss Schweiz sollte es also knapp schaffen, ihre Unterschrift zu schreiben.

Der Satz wurde nie abgedruckt. Der zuständige Redaktor fand ihn zu gemein. Ich erlaubte ihm grossmütig, den Satz zu entfernen, fand mich aber immer noch recht witzig. Hähä, die Miss Schweiz kann knapp ihren Namen schreiben, hihi, weil Schönheitsköniginnen dumm sind, höhö.

Anna Rosenwasser, 1990 geboren und in Schaffhausen aufgewachsen, wohnt in Zürich. Sie arbeitet als freischaffende Journalistin. (Illustration: Lukas Schneeberger)

Dass ich sowas über dich geschrieben habe, Linda, wurde also nie öffentlich. Trotzdem will ich dir sagen: Es tut mir leid. Und: Ich glaube, ich kann es erklären.

In meiner Jugend war das Wort Tussi wichtig. Wer sich zu früh schminkte, zu knapp anzog oder einem einfach nicht in den Kram passte, war eine Tussi. Tussi war eine Beleidigung, keine Frage. Oft waren das aber auch genau die gleichen Mädchen, die von den Jungs als heiss bezeichnet wurden.

Es war, als wäre eine Frau nur dann zu feminin, zu sexy, zu hübsch, wenn sie es selbst entschieden hatte. Wenn hingegen die Jungs die Jury waren, dann durfte sie. Musste sie. Es machte mich wütend: Ich wollte auch, dass die Jungs mich schön fanden. Aber wenn es zu offensichtlich würde, dass ich schön sein wollte, lief ich Gefahr, als Tussi bezeichnet zu werden, und Tussis fanden ja alle scheisse.

Klar waren Blondinenwitze fester Bestandteil meiner Schulzeit. Ich kannte zahllose Pointen über dumme Frauen, aber weibliche Vorbilder fielen mir kaum ein. Von Musikern über Schriftsteller bis hin zu historischen Wissenschaftlern: Ich war umgeben von einem generischen Maskulinum an Helden. Frauen in der Öffentlichkeit waren vor allem schön: Moderatorinnen, Schauspielerinnen, Models. Ob sie studiert hatten, in welchen Bereichen sie Nerds waren und welche Fähigkeiten sie für ihre Jobs beherrschen mussten, das erzählte mir niemand.

Linda, ich weiss noch, wie die Schweizer Klatschpresse dich fertiggemacht hat dafür, dass du das Matterhorn auf einem Bild nicht erkannt hattest. Wir werden alle dazu erzogen, hämisch über Tussis zu lachen. Und ihnen gar keine Chance zu geben, mehrdimensionale Menschen zu sein. (Die auch mal Fehler machen dürfen.)

Wenige Jahre später hast du das Matterhorn bestiegen. Das könnte ich nie – aber ich glaube, bei mir ging es auch aufwärts: Ich habe gelernt, dass die dümmliche Tussi eine frauenfeindliche Erfindung ist. Und dass ich andere Frauen nicht abwerten muss, um selbst eine zu sein.

Von ganzem Herzen solidarisch,

Anna

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VELJANOV 2018 03

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
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