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Die Glorreichen Sieben

Saitenlinie juni

Wenn sie auf­tau­chen, su­chen al­le an­de­ren das Wei­te. Sie nen­nen sich The Ma­gni­fi­cent Se­ven (Die Glor­rei­chen Sie­ben). Sie sind be­waff­net, mit Schwimm­hil­fen und Ba­de­nu­deln. Ihr Be­reich im Bas­sin ist un­an­tast­bar. Es ist ein Star­auf­ge­bot wie im gleich­na­mi­gen Wes­tern aus dem Jahr 1960 mit den sie­ben Re­vol­ver­hel­den (Ste­ve Mc­Queen, Charles Bron­son, Yul Bryn­ner, Ja­mes Cob­urn, Horst Buch­holz, Ro­bert Vaughn und Brad Dex­ter), die ein me­xi­ka­ni­sches Dorf vor Ban­di­ten ret­ten sol­len. In Ba­de­an­zü­gen im Ti­ger­look, mit schwe­ren Hals­ket­ten und fre­chen Fri­su­ren tref­fen sich die sie­ben Frau­en je­de Wo­che zur ge­mein­sa­men Was­ser­gym­nas­tik. Die rüs­ti­ge Gang springt ver­gnügt ins Was­ser – und los gehts!

Dass sich Be­we­gung im Al­ter po­si­tiv auf Kör­per und Geist aus­wirkt, ist be­kannt. Äl­te­re Frau­en, die re­gel­mäs­sig trai­nie­ren, le­ben deut­lich län­ger als un­trai­nier­te. Das Brig­ham and Wo­men’s Hos­pi­tal in Bos­ton (USA) hat rund 18’000 über 70-jäh­ri­ge Frau­en meh­re­re Jah­re lang be­ob­ach­tet. Das Er­geb­nis der Stu­die wur­de als «spek­ta­ku­lär» be­zeich­net: Je här­ter die Frau­en trai­nie­ren, des­to län­ger le­ben sie. Auch un­se­re Glor­rei­chen Sie­ben sind tough und las­sen kein Trai­ning aus.

Die Schweiz wird im­mer sport­li­cher. Vor al­lem Frau­en und äl­te­re Men­schen be­we­gen sich mehr. Frau­en ha­ben auf­ge­holt. Sie sind be­son­ders ab 45 sport­lich un­ter­wegs. Stark zu­ge­legt hat der Sport im Al­ter: Der An­teil der sehr Ak­ti­ven ist bei den 65- bis 74-Jäh­ri­gen gleich hoch wie bei den 15- bis 24-Jäh­ri­gen. Da heisst es al­so früh auf­ste­hen und sich ei­nen frei­en Platz im Schwimm­be­cken si­chern! 

The Ma­gni­fi­cent Se­ven gibt es auch als Song. Er be­ginnt mit dem schril­len Klin­geln ei­nes We­ckers. «Ring! Ring! It’s 7 a.m. Mo­ve yours­elf to go again. Cold wa­ter in the face», brüllt Joe Strum­mer, Lead­sän­ger von The Clash, dem Pu­bli­kum ent­ge­gen. Die bri­ti­schen Punk­ro­cker the­ma­ti­sie­ren nicht die Vor­be­rei­tung auf das Sport­pro­gramm. Der Song ist ei­ne An­kla­ge ge­gen das ro­bo­ter­haf­te, see­len­lo­se Schuf­ten der Ar­bei­ter­klas­se im Hams­ter­rad des Ka­pi­ta­lis­mus. 

Un­se­ren Ma­gni­fi­cent Se­ven kann dies egal sein. Sie müs­sen sich dem Kreis­lauf von Kon­sum und Kon­trol­le schon lan­ge nicht mehr un­ter­wer­fen. Der ein­zi­ge Wi­der­stand, den sie zu über­win­den ha­ben, ist das Was­ser. Der Auf­trieb hilft ih­nen bei den Übun­gen und schont die Ge­len­ke. Das Trai­ning im Was­ser kur­belt das Herz-Kreis­lauf-Sys­tem an und macht sicht­lich Spass.


Der Song zum Text: The Ma­gni­fi­cent Se­ven von The Clash (1981) 

Na­tha­lie Grand, 1967, ist freie Jour­na­lis­tin und Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin bei der Stif­tung Sucht­hil­fe. Sie steht seit über 15 Jah­ren als Fuss­ball­trai­ne­rin auf dem Platz und an der Sei­ten­li­nie. Im Herbst 2021 star­te­te sie in St.Gal­len ein Pro­jekt zur För­de­rung des Mäd­chen- und Frau­en­fuss­balls. Bis zum Start der Frau­en-EM 2025 in der Schweiz schreibt sie über Frau­en, Sport und Gleich­stel­lung. Il­lus­triert wird die Ko­lum­ne von Lea Le.

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