Körper knien am Boden, sitzen auf Stühlen, stehen auf Tischen, auf Leitern oder noch höher auf einem Gerüst. In der Alten Turnhalle in Lichtensteig herrscht ein reges Treiben. Kunstschaffende sowie das vierköpfige Team der Dogo Residenz für Neue Kunst sind mit dem Ausstellungsaufbau beschäftigt.
Am Samstag ist es soweit: Die «Dogo Totale – Body» eröffnet. Die Idee des Themas «Körper» ist im Kollektiv des Leitungsteams, bestehend aus Sirkka Ammann, Marcel Hörler, Maura Kressig und Hanes Sturzenegger entstanden. Zehn Künstler:innen haben dieses Jahr das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen und sich während ihrer zwei- bis viermonatigen Residenz mit dem breiten Thema und ihrer Umgebung in Lichtensteig befasst.
Die vielseitigen Herangehensweisen widerspiegeln sich in den entstandenen Werken von Mohamed Al-Bakeri, Yel K. Banto, Philip Coyne, Soraya Leila Emery, Clara Girke, Neil Höhener, Luis Stadler, Nika Timashkova, Tristan Marie Trotz und Romy Yedidia. Nebst dem Sehsinn ist auch der Hör- und Tastsinn gefordert. (Klang-)Installationen, Filme, Zeichnungen und Multimediainstallationen eröffnen einen Ein- beziehungsweise Rückblick ins diesjährige bunte Schaffen in der Dogo Residenz.
Gleich mehrere Arbeiten beinhalten textile Elemente. Dies ist auch auf eine gemeinsame Exkursion ins Textilmuseum St.Gallen zurückzuführen, wie Marcel Hörler aus dem Leitungsteam erzählt. Es ist ihnen wichtig, für die Künstler:innen nebst dem Gruppenatelier und der Wohngemeinschaft einen informellen Rahmen und Orte der Begegnung und des Austausches zu schaffen.
Eines der textilen Werke ist die haptisch erfahrbare Arbeit Idda von Tristan Marie Trotz. Die Formen, ausgefallenen Teppichen gleich, sind mit der Tufting Technik entstanden. Die unterschiedlichen Höhen des Schnittflors sind sicht- und spürbar. Wie der Werktitel verrät, nimmt Trotz Bezug auf die Legende der Heiligen Idda von Toggenburg. Eine Legende, die – wie heute bekannt ist – von einem Mann erfunden wurde, um das Kloster Fischingen im Hinterthurgau attraktiver zu gestalten. Die Stimme der Frau, also die Perspektive von Idda, vermisste Trotz in dieser Legende. Auf der Rückseite der Textilien sind mit bunten Fäden und von Hand auf einem hellbeigen Wollstoff gestickte Sätze zu lesen. Es handelt sich dabei, wie Trotz sagt, um in der Legende «unter den Teppich gekehrte» Worte von Idda.
Dogo Totale: 9. bis 23. Novemer, Alte Turnhalle Lichtensteig. Mit Clara Girke, Luis Stadler, Mohamed Al-Bakeri, Neil Höhener, Nika Timashkova, Philip Coyne, Romy Yedidia, Soraya Leila Emery, Tristan Marie Trotz, Yel K. Banto
dogoresidenz.ch
Ebenfalls mit Tufting hat Nika Timashkova gearbeitet. Die neonfarbigen Stücke mit Schlingenflor wirken weich und fröhlich, die Worte darauf nicht. Timashkova hat sich für D…ANGER mit einem dunklen Kapitel der Schweiz auseinandergesetzt: mit Zwangsarbeiterinnen in Fabrikheimen, die es in den 1980er Jahren im Toggenburg gab, insbesondere jenem in Dietfurt, das einst dem Kunstsammler Emil Bührle gehörte. Gegensätze durchziehen ihr Werk ebenso, wie der Brückenschlag zur Ausbeutung von Frauen und von Natur in einem kapitalistischen System.
Bei Romy Yedidia spielt die Verbindung von Frauen und Natur ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie hat sich vom Buch Woman and Nature: The Roaring Inside Her von Susan Griffin und auf Wanderungen rund um Lichtensteig inspirieren lassen. In ihrer Multimediainstallation The Enlightenend zeigt sie anhand von Zitaten kanonisierter männlicher Denker wie die Sprache in einem patriarchalischen, westlichen Konstrukt eingesetzt wird, um die Macht über Frauen und Natur zu bekräftigen.
Mit dem Körper in einem engeren Sinn hat sich zum Beispiel Clara Girke auseinandergesetzt. In Form eines Comics setzt sie den Fokus auf den kranken Körper in der Gesellschaft. Bei ihren zehn Digitaldrucken handelt sich dabei, wie sie selbst sagt, um Auszüge einer fiktiven Erzählung, die jedoch aus eigenen Erfahrungen und Recherchearbeit entstanden ist. Am Medium Comic fasziniert sie die Verbindung von Zeichnung und Text. Passend zum Titel Der Körper spricht mit ist einer der Protagonisten ein sprechendes, entzündetes Knie. Genau darauf legt Girke Wert: Das Sprechen über solche Themen. Im Rahmen der öffentlichen Führung am kommenden Sonntag wird sie Auszüge aus ihrer Erzählung vorlesen und will damit nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Diskutieren anregen.
Während zwei Wochen werden die vielfältigen Werke der Dogo Totale 2024 in der Alten Turnhalle für Interessierte zugänglich sein. Fürs neue Jahr stehen dann einige Änderungen bevor. Einerseits wird sich das Leitungsteam verkleinern. Marcel Hörler wird aufgrund eines Auslandaufenthaltes ab nächstem Jahr nicht mehr dabei sein. Ein emotionaler Abschied, wie er sagt, hat er doch seit mehreren Jahren in diesem Kollektiv gearbeitet: zuerst bei Arthur Junior, einer von Maura Kressig und Sirkka Ammann gegründeten Plattform für junge Kunst und später bei der Dogo Residenz für Neue Kunst.
Andererseits hat die Schule für die Alte Turnhalle, welche die Dogo Residenz seit ihrem Bestehen im 2019 nutzen durfte, Eigenbedarf angemeldet. Für die Ateliers ist aber bereits ein neuer Ort gefunden. Sie sind ab jetzt in der «Krone» in Lichtensteig untergebracht. Auch betreffend neuen Ausstellungsort hat das Leitungsteam bereits Pläne geschmiedet. 2025 werden einige Werke in einer Ausstellung im Wald präsentiert. Weitere Werke werden den Kunstspaziergang durch Lichtensteig erweitern und fünf Arbeiten sind für den von Toggenburg Tourismus geplanten Thur- und Neckerweg vorgesehen.
«Dogo Totale – Body» wird somit die vorerst letzte Jahresausstellung in der Alten Turnhalle sein. Mit der Wahl des Körpers nimmt das Leitungsteam bewusst Bezug auf den Ausstellungsort mit seiner ursprünglichen Nutzung und schliesst einen Kreis.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.