, 23. Juni 2017
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Lattich – Die Crowd ist gefragt

Rund zwei Monate oder ein Drittel der Saison hat das Lattich-Projekt im Güterbahnhofareal in St.Gallen hinter sich. Für die kulturell genutzte Halle läuft jetzt ein Crowdfunding zur Deckung der Kosten.

Hochfliegende Projekte füllen die Halle – hier ein Probenbild. (Bilder: Tobias Spori)

Am Donnerstagabend ertönen in der Halle unerhörte Klänge. Fünf exzellente Musikerinnen und Musiker experimentieren mit den «conducted» Improvisationen, die Kontrabassist Marc Jenny entwickelt hat. Das Modell ist so innovativ wie überraschungsreich; per Laptop erhalten beziehungsweise geben die Mitspieler Stichworte oder formale Vorgaben zur Improvisation.

Yes, don’t Panic! Konzert No. 2: Freitag 23. Juni, 20.30 Uhr.

Kein Stück für Syrien: 30. Juni, 20 Uhr.
lattich.ch

Der Geiger Paul Giger, der Pianist Roman Rutishauser, Trompeter Michi Neff, Harfenistin Linda Vogel und Bassist Marc Jenny lassen sich mit wachem Ohr und Entdeckerlust auf die wechselnden Befehle und Konstellationen ein. So entstehen Momente der Beinah-Stille, aber auch rasende «Patterns» oder tollkühne Steigerungen bis hin zum Höhepunkt, bei dem für einen Moment das Stichwort «Panik» auf den Laptops der Musiker aufleuchtet – aber es bleibt beim kurzen musikalischen Aufruhr, denn: «Yes, don’t Panic!» ist das Projekt betitelt, und der Name löst sich an diesem Abend in einem hochkonzentrierten, aber dennoch lockeren Konzert ein.

Heute Abend findet ein zweiter Durchgang statt mit anderer Besetzung. Das Publikum, erfreulich zahlreich, bewegt sich zwischen den Musikern und den Klängen und den Live-Zeichnungen von Lika Nüssli.

Die Halle klingt – bei «Yes don’t panic!» am Donnerstagabend.

«St.Gallen braucht die Halle»

So viel Bewegungsraum zu haben, ist eine der grossen Qualitäten der Halle. Einen zweiten Vorzug benennt Musiker Roman Rutishauser, der sich in einem der Lattich-Container fest eingemietet hat und in der Halle auch Chorproben durchführt: Die Schwelle zur Halle sei niedrig. Das Projekt Lattich ist im besten Sinn «von unten» gewachsen und weckt Begegnungslust, aber keine Schwellenängste.

«St.Gallen braucht eine solche Halle», sagt Tobias Spori. Der Tänzer kuratiert zusammen mit Ann Katrin Cooper das Kulturprogramm in der Halle für die laufende, zweite Saison. Und dessen Dichte deutet an, dass der Ort ein Lücke füllt: Jetzt im Juni war fast Tag für Tag ein Anlass in der Halle (oder um sie herum) programmiert. Und auch im soeben gedruckten Programm für Juli und August sind trotz Ferienflaute diverse Anlässe aufgeführt.

Das fängt noch am 30. Juni mit dem Aktionstheater Ensemble aus Österreich und seinem «Kein Stück über Syrien» an, setzt sich im Juli-August fort mit dem neuen Stück der St.Galler Theatercompagnie EObOff oder einem Anna-Seghers-Stück, ausserdem gibt es Tanzperformances, Ausstellungen oder (ab 31. August) ein kollektives Kunstprojekt namens «Urbaner Transfer».

Das Gastspiel des Aktionstheaters Ensemble ist für Spori ein gutes Beispiel für seine Behauptung: «St.Gallen braucht eine solche Halle». Starkes Theater wie dieses müsse man in der Stadt doch unbedingt zeigen können. Der Aufwand, personell und technisch, sei jedoch beträchtlich. Und daher auch kostspielig.

Private Unterstützer gesucht

Eine Grundfinanzierung an die Halle insgesamt leistet zwar die Stadt, und vieles in Sachen Infrastruktur und technischer Ausstattung ist in Eigenarbeit realisiert worden. Dennoch fehlt noch ein Teil des notwendigen Betrags für das Programm und die Administration der Halle. Deshalb haben Spori und Cooper einen Crowdfunding-Aufruf gestartet. 15’000 Franken sollen über private Zusagen zusammen kommen.

«Unsere Vision von einem lebendigen Raum mit ganz unterschiedlichen Projekten und Kultur mit viel Raum zum Austausch und des Experiments braucht die Energie von vielen. Nur so kann hier etwas entstehen», schreiben die Hallen-Betreiber. Koordination, Ausstattung, Requisiten, Material und Arbeit – all das verursache Kosten.

Die Sammelfrist läuft bereits kommenden Montag ab. Wer sich also an der Mitfinanzierung beteiligen will, muss sich sputen. Noch fehlen einige tausend Franken. Der Link: hier.

 

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