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Mit Becketts persönlichem Segen

Seit 40 Jahren unterwegs: das Momoll Theater. (Bild: David Schelker) 

Seit 40 Jahren unterwegs: das Momoll Theater. (Bild: David Schelker) 

Vor fast 40 Jahren brachen fünf Schauspielabgänger:innen ihre Ausbildung ab und gründeten das Momoll Theater, das heute in Wil beheimatet ist. Ihr erstes Stück wurde aufgrund der Besetzung fast verboten – doch sie setzten sich durch und sind heute noch in Bewegung.

Im Herbst 1985 grün­de­ten fünf Ab­sol­vent:in­nen der Schau­spiel­aka­de­mie Zü­rich (heu­te Teil der ZHdK) das Mo­moll Thea­ter – und mach­ten sich da­mit nicht nur Freun­de. Denn wer es an die Schau­spiel­aka­de­mie schaff­te, war aus­er­wählt: Von 1000 Be­wer­ber:in­nen wur­den ge­ra­de 20 auf­ge­nom­men. «Als wir die Aus­bil­dung vor dem Vor­sprech­jahr ab­bra­chen, mein­te der Di­rek­tor, wir hät­ten das Pri­vi­leg un­se­rer Aus­bil­dung nicht ge­schätzt und wür­den in der Gos­se lan­den», er­in­nert sich Clau­dia Rüeg­seg­ger, Grün­dungs­mit­glied und Ge­schäfts­lei­te­rin des Mo­moll Thea­ters.

Die Grup­pe prob­te als ers­tes War­ten auf Go­dot, be­setzt mit zwei Män­nern und zwei Frau­en. Mit­ten in der Pro­ben­pha­se kam der Schock: Der Ver­lag ent­zog die Auf­füh­rungs­rech­te, die Be­set­zung mit Frau­en sei ver­bo­ten. Das Team wand­te sich an Au­tor Sa­mu­el Be­ckett und er­klär­te ihm sei­ne In­sze­nie­rung, Be­ckett pfiff den Ver­lag zu­rück – und der Grün­dungs­my­thos des Mo­moll Thea­ters war ge­bo­ren.

«Wir lern­ten, dass es sich lohnt, et­was zu pro­bie­ren – egal wie schwie­rig es wird.»

Claudia Rüegsegger, Gründungsmitglied und Geschäftsleiterin des Momoll Theaters

«Wir lern­ten, dass es sich lohnt, et­was zu pro­bie­ren – egal wie schwie­rig es wird», so Rüeg­seg­ger. Die­ser Leit­satz sei zum Mo­tor für die fol­gen­den Jahr­zehn­te ge­wor­den. 1996 zog das En­sem­ble ins Tog­gen­burg, an­ge­lockt vom Chös­si-Thea­ter. In der Bahn­hal­le Lich­ten­steig konn­te es woh­nen, pro­ben und im Re­stau­rant aus­hel­fen. Zwi­schen 1988 und 1998 ging das Mo­moll Thea­ter mit Frei­licht­thea­ter­stü­cken mehr­mals auf aus­ge­dehn­te Tour­neen.

Coup mit Ralf Kö­nigs Co­mic

1995/96 ge­lang ih­nen ein Coup: Als die Aids-De­bat­te auf dem Hö­he­punkt war, brach­te die Grup­pe ei­ne Büh­nen­fas­sung des Ralf-Kö­nig-Co­mics Ly­sis­tra­ta her­aus. Bei der Pre­mie­re in der Gra­ben­hal­le sass Kö­nig höchst­per­sön­lich im Pu­bli­kum und der Saal platz­te bei sämt­li­chen Auf­füh­run­gen aus al­len Näh­ten.

Da­nach wur­de in gros­sen Stadt­thea­ter-Sä­len und out­door zwei Som­mer lang ge­spielt. Doch an­statt den Er­folg aus­zu­schlach­ten, ent­schied sich die Grup­pe für ei­nen an­de­ren Weg: «Wir in­sze­nier­ten als nächs­tes ein klei­nes In­door-Stück von ei­nem ka­ta­la­ni­schen Au­tor, den kei­ne Sau kann­te.» In ei­ner zwei­ten Pha­se pro­du­zier­te das Mo­moll Thea­ter Stü­cke für Klein­thea­ter und er­teil­te da­bei häu­fig Auf­trä­ge an zeit­ge­nös­si­sche Au­tor:in­nen. So schrie­ben et­wa An­dri Beye­ler, Pa­me­la Dürr oder Bet­ti­na Scheif­lin­ger neue Stü­cke fürs Mo­moll Thea­ter. Ins­ge­samt rea­li­sier­te das Thea­ter 46 Ur­auf­füh­run­gen. 

Ori­en­tie­rung aufs Ju­gend­thea­ter 

Als wei­te­re lang­jäh­ri­ge Pha­se ent­stand das Thea­ter mit Ju­gend­li­chen un­ter pro­fes­sio­nel­ler Lei­tung, ab 1994 in Schaff­hau­sen und seit 2006 auch in Wil. Zum 20-Jahr-Ju­bi­lä­um des Ju­gend­clubs Mo­moll Thea­ter Schaff­hau­sen wur­de ei­ne Eva­lua­ti­on der bis­he­ri­gen Ar­beit durch­ge­führt. «Das Re­sul­tat war mo­ti­vie­rend: Für vie­le war un­ser An­ge­bot ein An­ker in ei­ner Zeit der Per­sön­lich­keits­su­che, sie pro­fi­tier­ten vom Er­lern­ten in an­de­ren Be­ru­fen und es hat ih­nen ge­zeigt, was man in Grup­pen al­les er­rei­chen kann.»

Ak­tu­ell be­ginnt wie­der et­was Neu­es: Zum 40-Jahr-Ju­bi­lä­um geht 2026 – ne­ben neu­en Pro­duk­tio­nen mit Ju­gend­li­chen in Wil und Schaff­hau­sen – ei­ne «tau­fri­sche Trup­pe» mit ei­ner mo­bi­len Pro­fi-Pro­duk­ti­on an den Start. «Ein Kla­vier, drei Per­so­nen, ein weiss­ge­deck­ter Tisch: Mehr braucht es nicht für ein tra­gisch-ko­mi­sches Thea­ter­stück mit we­nig Wor­ten, viel Be­we­gung und ei­ner Pri­se Ab­sur­di­tät.» Das Stück Bit­te nicht über den Tel­ler­rand stol­pern! hat ge­mäss Rüeg­seg­ger das Po­ten­ti­al, mit ei­ner Mi­schung aus Hu­mor, wil­der Akro­ba­tik, mu­si­ka­li­schen Ele­men­ten und char­mant-chao­ti­schen Mo­men­ten «das Pu­bli­kum to­tal ab­zu­ho­len».

 

Bit­te nicht über den Tel­ler­rand stol­pern! – Ju­bi­lä­ums­pro­duk­ti­on des Mo­moll Thea­ters: Sams­tag, 10. Ja­nu­ar, 20 Uhr, Büh­ne am Gleis, Wil (Pre­mie­re); Diens­tag, 13. Ja­nu­ar, und Mitt­woch, 14. Ja­nu­ar, je­weils 20 Uhr, Gra­ben­hal­le, St.Gal­len; Frei­tag 13. Fe­bru­ar, 20 Uhr, Thea­ter­werk­statt Gleis 5, Frau­en­feld; Frei­tag, 27. Fe­bru­ar, 20 Uhr, Bach­turn­hal­le, Schaff­hau­sen.
mo­moll-thea­ter.ch

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
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Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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