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Mit Bodenhaftung

Im neuen Rigolo-Stück «Ithir» machen sich zwei Tänzerinnen mit Lehm und Erde auf eine Reise zwischen Mythen und Materie. In der Lokremise Wil wird bis 8. Oktober gespielt, begleitet von einem Tonerde-Festival. Hier der Vorbericht.
Von  Peter Surber
Szenenfotos aus Ithir. (Bilder: Rigolo)

Wie Sisyphos mühen sich die beiden Tänzerinnen ab an dem gewaltigen Quader aus Lehm. Schliesslich steht er da, wird zum Podest, die Zehen und Fusssohlen lassen ihre Abdrücke im Lehm zurück. Im Hintergrund steht eine Statue, auch sie aus Lehm, geheimnisvoll.

Ein faszinierendes Material, sagt Nuria Eugster, die bei Rigolo fürs Management zuständig ist. Lehm ist wandelbar, vom fliessenden Ton oder bröckligen Teig bis zum harten Fels. Experimente mit dem Material waren denn auch ein wichtiger Teil in der Entwicklung des neuen Stücks. In vorangegangenen Produktionen der Truppe standen Federn (wie in Wings) oder Sand, Palmen und Akrobatik wie zuletzt bei Sospiri im Zentrum. Jetzt kommt Rigolo quasi zurück auf den Boden.

Am Mittwoch war Premiere in der Wiler Lokremise, 12 weitere Aufführungen folgen am selben Ort, danach geht Ithir (ein aus dem Irischen stammendes Wort für Erde) auf Tournee. Wie in den letzten Tagen und Wochen gearbeitet wurde, zeigt ein Video zur Probenarbeit in der Lokremise, mit den Tänzerinnen Marula Eugster und Anna Zurkirchen, Kontrabassist Christian Kleiner, dem musikalischen Leiter Alexandre da Castaing und Rigolo-Gründer Mädir Eugster, der seiner jüngsten Tochter Marula als Co-Regisseur zur Seite steht:

Dass es nicht selbstverständlich ist, eine solche Produktion auf die Beine zu stellen, hat die Rigolo-Crew in den letzten Jahren teils schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Sospiri, die Vorgänger-Produktion, geriet im Frühling 2020 «voll in den Lockdown», wie Nuria erzählt. Im September desselben Jahres feierte das Stück dann erfolgreich Premiere, es gab ausverkaufte Vorstellungen in Lichtensteig und erste Gastspiele – bevor die Pandemie der weiteren Tour ein Ende machte.

«Wir mussten absagen, verschieben, wieder absagen, das war keine schöne Arbeit», sagt Nuria. Ein Gastspiel auf der St.Galler Kreuzbleiche im Mai: abgesagt. Im Juli die Aufführungen in Zürich: ein Erfolg, doch dann kam ein Mordssturm und demolierte den Rigolopalais. Das St.Galler Gastspiel glückte schliesslich im April dieses Jahres doch noch, statt im Palais in der Grabenhalle, mit dem Erfolg, ein jüngeres Publikum zu erreichen als üblich.

Ithir:

21. September bis 8. Oktober Lokremise Wil, Aufführungen und Tonerde-Festival jeweils Mi-So

18./19. November Tanzraum Herisau

23. bis 27. November Kult-X Kreuzlingen

rigolo.ch

Tatsächlich sei das Rigolo-Stammpublikum eher gesetzteren Alters, passend zur ruhigen, spirituellen Kunst des Tanztheaters aus dem Toggenburg. Die «Fangemeinde» sei über die Jahre zwar ständig gewachsen, aber nicht unbedingt jünger geworden – eine Herausforderung für die jetzige zweite Rigolo-Generation, die am Drücker ist: die Schwestern Nuria, Marula und Lara.

Zum Tourneestart in Wil tut sich Rigolo mit mehr als einem Dutzend Kunstschaffender zusammen, die auf unterschiedlichste Weise mit Lehm, Ton, Erde arbeiten. Sie stellen ihre Arbeiten in der Lokremise aus, kostenlos zu besichtigen jeweils in den Stunden vor der Aufführung. Teil dieses Tonerde-Festivals sind auch Kurse.

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Cécile Federer,  

Ich war an der Première von ITHIR und bin hingerissen von der Sinnlichkeit, Akrobatik und Authentizität dieser Produktion. Dass modernes Tanzen so überraschend und spannend sein kann!

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