Kategorie
Autor:innen
Jahr

Mord oder nicht?

Sabine Baumgartner als Molly Preston und Antje Ziegler als Agatha Christie  bei der technischen Probe des Kriminalstücks (Bild: pd/ Angelo Lepore)

Sabine Baumgartner als Molly Preston und Antje Ziegler als Agatha Christie  bei der technischen Probe des Kriminalstücks (Bild: pd/ Angelo Lepore)

Die Volkstheatergruppe St.Galler Bühne inszeniert unter der Regie von Alex Adamantidis das Kriminalstück Agatha Christies Hobby ist Mord. Zu sehen ist es ab dem 11. April in der Kellerbühne.

Es nie­selt. Men­schen hu­schen durch die Gas­sen. Lang­sam dun­kelt es ein. Die Fens­ter der Häu­ser­rei­hen am Rand der st.gal­li­schen Alt­stadt sind be­reits hell er­leuch­tet. Hin­ter ei­nem die­ser Fens­ter probt die Volks­thea­ter­grup­pe St.Gal­ler Büh­ne. Und zwar das Kri­mi­nal­stück Aga­tha Christies Hob­by ist Mord des deut­schen Thea­ter­au­tors Flo­ri­an Bat­ter­manns. 

Das Stück ist, wie der Ti­tel ver­mu­ten lässt, ein klas­si­scher Kri­mi. Nach dem Re­zept der ti­tel­ge­ben­den Kri­mi­au­to­rin sind die Zu­ta­ten klar: ein Mord, ei­ne ge­wief­te Er­mitt­le­rin und ein ge­schlos­se­ner Kreis von Tat­ver­däch­ti­gen. 

Das Ge­sche­hen er­eig­net sich in Lon­don im Jahr 1958. Die Thea­ter­pre­mie­re von The Un­ex­pec­ted Guest aus der Fe­der von Aga­tha Chris­tie (Ant­je Zieg­ler) steht be­vor. Doch bei ei­ner der letz­ten Pro­ben stirbt der Haupt­dar­stel­ler Stan­ley West (Tho­mas Mett­ler). Die ge­nau­en Um­stän­de sind un­klar. Ein Herz­in­farkt – oder et­wa Mord? 

Die Auf­klä­rung des tra­gi­schen Vor­falls über­nimmt Mrs. Chris­tie höchst­per­sön­lich. Der Kreis der Ver­däch­ti­gen ist über­schau­bar: Da sind der Thea­ter­di­rek­tor und Re­gis­seur Ed­ward Cas­sell, (An­ge­lo Le­po­re) so­wie der In­spi­zi­ent Den­nis Rid­ley (Lu­kas Bu­cheli). Und da sind die Gar­de­ro­bie­re Mol­ly Pres­ton (Sa­bi­ne Baum­gart­ner) und Syl­via West (Mo­ni­ka Hor­la­cher-Kel­ler), die Ehe­frau des To­ten. 

Un­ter der Re­gie von Alex Ada­man­ti­dis ar­bei­tet die St.Gal­ler Büh­ne nun schon seit meh­re­ren Mo­na­ten am Stück. Die Pre­mie­re ist am 11. April in der Kel­ler­büh­ne. Sai­ten war bei ei­ner Abend­pro­be da­bei. 

Kor­rek­te Aus­spra­che und feh­len­de Lei­chen

Doch be­vor die­se Pro­be rich­tig be­ginnt, gibt es noch ei­ni­ges zu klä­ren. Es geht um Re­qui­si­ten. Ge­nau­er ge­sagt um ei­ne Map­pe. Ob es in den 50er Jah­ren schon Reiss­ver­schlüs­se gab, er­kun­digt sich An­ge­lo Le­po­re. Der Re­gis­seur be­jaht, meint aber, er schaue, ob er noch ei­ne äl­te­re, bes­se­re Map­pe fin­de. Schnell ist klar: De­tails sind Ada­man­ti­dis wich­tig. So ha­be er auch ver­sucht, sei­ne Aga­tha Chris­tie mög­lichst na­he an das «Ori­gi­nal», Mar­ga­ret Ru­ther­ford, zu brin­gen. «Aber da muss man halt fle­xi­bel sein», meint er schmun­zelnd. Tat­säch­lich hat Ant­je Zieg­ler, die hier die Kri­mi­au­to­rin ver­kör­pert, nur be­dingt Ähn­lich­keit mit der iko­ni­schen Vor­la­ge – aber das tut der Fi­gur kei­nen Ab­bruch. 

We­ni­ger bis gar nicht fle­xi­bel ist man da­ge­gen bei der kor­rek­ten Aus­spra­che der eng­li­schen Wör­ter. Von «Aga­tha» bis «York­shire Pud­ding» soll al­les au­then­tisch klin­gen, auch wenn das Stück sonst auf Mund­art ist. 

Lukas Bucheli als der Inspizient Dennis Ridley und die Kriminalautorin bereden die Geschehnisse (Bild: pd/Angelo Lepore)

Lukas Bucheli als der Inspizient Dennis Ridley und die Kriminalautorin bereden die Geschehnisse (Bild: pd/Angelo Lepore)

Angelo Lepore als Theaterdirektor und Regisseur Edward Cassell (Bild: pd)

Angelo Lepore als Theaterdirektor und Regisseur Edward Cassell (Bild: pd)

Nach ei­ner kur­zen Dis­kus­si­on, wo die Schuss­waf­fe hin­ge­hört, sind al­le be­reit. Man be­ginnt beim En­de der ach­ten Sze­ne. Stan­ley West ist da be­reits tot. Sei­ne Lei­che liegt un­ter ei­ner ro­ten De­cke, zu­min­dest theo­re­tisch. Prak­tisch sind da heu­te nur die Stie­fel. Die Lei­che muss man sich da­zu den­ken. 

Im Kri­mi­fie­ber

Rasch in­fi­ziert ei­nen das Kri­mi­fie­ber. Voll­kom­men egal ist es da, dass das Licht im Pro­be­raum grell ist, es kein Büh­nen­bild gibt und auch der Text noch nicht 100 Pro­zent sitzt. Ant­je Zieg­ler ver­leiht der De­tek­ti­vin gros­sen Charme. Wie sie da auf dem ge­blüm­ten Oh­ren­ses­sel sitzt, mit der Bril­le auf der Na­sen­spit­ze, und kon­zen­triert No­ti­zen macht. Oder wie sie beim Über­le­gen am Är­mel nes­telt und ge­le­gent­lich süf­fi­sant bis frech auf­lacht. Ih­re Aus­spra­che ist ak­ku­rat, egal ob Mund­art oder Eng­lisch. We­der «Dar­ling» noch «York­shire Pud­ding» könn­ten bri­ti­scher tö­nen und sel­ten hat je­mand das Wort «Mord» schö­ner aus­ge­spro­chen.

Auch dem rest­li­chen Cast schaut man ger­ne zu. Et­wa wenn sich Mo­ni­ka Hor­la­cher-Kel­ler in der Rol­le der Syl­via West wun­der­bar pas­siv-ag­gres­siv mit An­ge­lo Le­po­re als Ed­ward Cas­sell strei­tet. Ob ei­nem dann der stel­len­wei­se et­was plat­te Hu­mor taugt, ist si­cher Ge­schmacks­sa­che. Mrs. Chris­tie je­den­falls er­mit­telt mit mes­ser­schar­fem Ver­stand. Und sei es Ei­fer­sucht oder Hab­gier – ein Mord­mo­tiv hät­ten al­le An­we­sen­den.

Dann über­schla­gen sich die Er­eig­nis­se, die Waf­fe kommt zum Ein­satz und mit der Lö­sung des po­ten­zi­el­len Mord­falls en­det auch die Pro­be. Vor der Nach­be­spre­chung ver­ab­schie­det sich Sai­ten und ver­spricht, nicht zu ver­ra­ten, wer hier mög­li­cher­wei­se wen um­ge­bracht hat. 

Aga­tha Christies Mord ist Hob­by: vom 11. April bis 25. April, je­weils sams­tags, mitt­wochs, don­ners­tags und frei­tags, ab 20 Uhr, Kel­ler­büh­ne St.Gal­len.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01