Neues «Auto»: grösser und mit mehr Möglichkeiten
Das «Auto» ist der Ausstellungs- und Projektraum von Visarte Ost, dem Berufsverband für visuelle Künstlerinnen und Künstler. Er befindet sich neu an der Wassergasse 4. Die Vorfreude auf die Eröffnung ist gross, wie der neue Ausstellungsraum auch.
Mitte November zügelt das «Auto» vom Linsebühl an die Wassergasse. (Bild: David Gadze)
Bereits klebt ein Stück Papier auf einer der beiden grossen Fensterscheiben, darauf stehen im ovalen Feld, ähnlich wie beim CH-Kleber fürs Autoheck, vier Buchstaben: AUTO. Von Hand gezeichnet, pragmatisch, informativ, lustig. Drinnen wird gewerkt. Die Wände sollen schöne, ruhige Ausstellungswände werden, an der Kunstwerke leicht zu montieren und gut aufgehoben sind und zur Geltung kommen. Noch fehlt der definitive Entscheid, ob die linke der beiden Türen zum hinteren Raum verschlossen und Wand werden soll. «Das hängt von der Nutzung dieses zweiten Raumes ab, worüber die Kollektivleitung zu entscheiden hat», erklärt Christian Hörler.
Und Rita Kappenthuler fährt fort: «Er ist bestens geeignet für Sitzungen des Vorstands oder Dritter, als Arbeitsraum für die Geschäftsführung …» – « … und zum Kochen oder zum Vorbereiten von Vernissagen und Veranstaltungen», ergänzt Hörler. Die Vorfreude ist ihnen anzuhören. Neben den beiden besteht der Vorstand von Visarte Ost aktuell aus Flavia Bienz, Haviva Jacobson, Salome Schmuki und Maria Tackmann.
Doch warum der Umzug? War der Raum im Linsebühl nicht mehr gut genug? Gab es Probleme? Es sei einfach sehr eng gewesen. Alles musste in diesem einen kleinen Raum Platz finden, neben den Ausstellungen auch die Geschäftsstelle, die Vermittlung und die Aufsicht. Das Quartier hätten sie allerdings auf Anhieb geliebt: «Die Situation an der Linsebühlstrasse ist einmalig, die Resonanz war rundum gut. Auch speziell». Die Stimmung an der Wassergasse sei eine andere. Reges Laufpublikum haben sie auch am neuen Standort. Ebenso Neugierige, Tourist:innen, Gäste des Hotels und Bistros Einstein, Anwohnende, Kunstinteressierte sowieso. Vom Einstein her zwinkert eine Fotoserie von Thomas Ruff rüber.
Der Möglichkeit, die grosszügigen Räumlichkeiten im Erdgeschoss des in den 1950er-Jahren erbauten Wohn- und Geschäftshauses von Inhaber Hannes Kundert zu mieten, konnte der Vorstand von Visarte Ost jedenfalls nicht widerstehen. Die Miete ist zwar etwas höher – allerdings weniger höher als der Raum mit seinen rund 85 Quadratmetern grösser. Während Jahrzehnten war hier das Reich von Nurtaç Kutlu, Teppichhändler aus Anatolien mit HSG-Abschluss. Das Bild bleibt unvergessen, die grossen Schaufenster gaben den Blick frei in dicht gestapelte, gerollte, aufgehängte, ausgebreitete anatolische Teppiche – und mittendrin war der Händler. Vor fünf Jahren, mit 77 Jahren hat er aufgegeben.
Die Geschichte des Projektraums geht weniger weit zurück. In Fahrt gekommen ist er zwischen 2003 und 2008 ganz in der Nähe, am Unteren Graben, wo er gemeinsam mit dem Saiten-Büro eine Nachnutzungsgemeinschaft der ehemaligen Ex-Libris-Buchhandlung bildete und deshalb auch Exex genannt wurde, später dann Nextex. Jetzt aber ist das «Auto» gut einparkiert.
Da am alten Ort im Linsebühl eine sechsmonatige Kündigungsfrist bestand, laufen die beiden «Auto»-Ausstellungsräume derzeit parallel. Dort gibt es mit Elisabeth Nembrini, Jonny Müller, kappenthuler/federer feat. Martin Gschwend, Nora Rekade und Barbara Nimke im November, Dezember und Januar noch einige Carte-blanche-Formate. Hier, im neuen «Auto», wird es nach Gastspielen der Dogo Residenz, Screening Nights von Theo Crowley und einem Anlass des Vereins Kunstblatt eine erste thematische Ausstellung von und mit Vanessà Heer geben (15. Dezember bis 15. Januar). Das Programm fürs kommende Jahr sei noch am Entstehen. Die neue Webseite autosg.ch aber ist parat.
Unterdessen stehen wir auf dem Balkon, der im hinteren Raum mit grossem Tisch und Küchenzeile den Blick in den Hinterhof weitet: Die Rückseite des Restaurants Stickerei wird sichtbar, der Kopierladen Ochsner & Löhrer an der Gartenstrasse. «Am liebsten würden wir auch bald ein Hinterhof-Quartiersfest machen», entschlüpft es Rita Kappenthuler. Und sie zieht die Inspirations- und Assoziationsschlaufe zur Frohegg weiter, der legendären kulturellen Zwischennutzung in den Nullerjahren im angrenzenden «ausgerotteten» Bleicheliquartier, aus der heraus dann andernorts das Palace gewachsen ist.
Erst aber gibt es Mitte November das Einweihungsfest. Einfach ein Fest, zusammenkommen, sich austauschen, Freude teilen, diskutieren, fantasieren.
Projektraum «Auto», Wassergasse 4, St.Gallen. Eröffnungsfest: 15. November, ab 16 Uhrautosg.ch
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