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Spieglein, Spieglein

I wan­na be beau­tiful. Ob­vious­ly, right? Aber das zu sa­gen, fühlt sich falsch an. Schön­heit sei ver­gäng­lich, heisst es bei Dis­ney und den Buch­re­li­gio­nen, wah­re Schön­heit kom­me von in­nen, heisst es in Songs von Chris­ti­na Agui­lera bis Gölä, in­tel­li­gent und lieb sein sei wich­ti­ger, heisst es, wenn ei­ne Fa­mi­lie ihr ge­mobb­tes Kind be­ru­hi­gen will. Wenn sich Frau für ihr Äus­se­res in­ter­es­siert, Make-up, Skin­ca­re, Kör­per­hal­tung, wird sie als dumm wahr­ge­nom­men, weil sie sich in der glei­chen Zeit auch um wich­ti­ge­re Din­ge küm­mern könn­te, wie Sprach­wan­del, Theo­lo­gie oder In­die-Rock-Al­ben. You’re a bim­bo or a brain, Äs­the­tik oder Mo­ral – eit­her/or.

Trotz­dem will ich schön sein. Denn Schön­heit heisst nicht nur, die cu­te Kas­sie­re­rin im Su­per­markt mit ei­nem Blick zum Blus­hen zu brin­gen. Die Bi­na­ri­tät schön/häss­lich ist ei­ne po­li­ti­sche Ka­te­go­rie, wie Ela Przy­by­lo in The Po­li­tics of Ug­li­ne­ss dar­legt. Wenn Kör­per von der ge­sell­schaft­li­chen Norm ab­wei­chen, zu dick, zu alt, zu schwarz, zu trans, zu arm, zu be­hin­dert sind, wer­den sie als «häss­lich» ka­te­go­ri­siert und nicht nur äs­the­tisch, son­dern auch mo­ra­lisch ab­ge­wer­tet. Arm sein oder krank sein heisst schlecht sein, denn dar­an tra­ge man doch selbst Mit­schuld, weil: the Ame­ri­can Dream, Got­tes Stra­fe, schweiz­li­be­ra­ler In­di­vi­dua­lis­mus. Häss­lich­keit ist auch ei­ne Teu­fels­spi­ra­le, Di­sa­bi­li­ty ge­fähr­det Krank­heit, Ras­si­fi­zie­rung sorgt für Ar­mut, grund­sätz­lich: Häss­lich­keit pro­vo­ziert Ge­walt. Der Aus­weg: schön sein. Ea­sy as that.

Als trans Frau scheint Schön­heit erst recht un­um­gäng­lich. Ich bin si­che­rer, wenn ich nicht trans aus­se­he, wenn ich pas­se, al­so so aus­se­he, wie sich Mann, al­so Ge­sell­schaft, ei­ne Frau vor­stellt, näm­lich: schön. Frau als Gen­der, als so­zia­le Rol­le, ist un­trenn­bar mit Schön­heit ver­bun­den. Wenn ich vor dem Spie­gel ste­he, mein Make-up mus­te­re, mei­ne Freun­din­nen fra­ge, wie ich aus­se­he, will ich nicht wis­sen, ob Li­ni­en ge­ra­de oder Farb­ver­läu­fe flüs­sig sind. Ich will wis­sen, ob ich gut aus­se­he, äs­the­tisch gut und al­so mo­ra­lisch und po­li­tisch gut, ob ich schön bin und ent­spre­chend: ob ich Frau bin. Cis/trans, gut/schlecht, schön/häss­lich – eit­her/or.

Aber ich wür­de mich nie trau­en, das zu fra­gen, denn die Ant­wort, Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand, hat sich schon tief in mei­nen Kopf ein­ge­brannt: Be­au­ty is im­pos­si­ble. Ich bin trans, que­er, krank und auf Pil­len, die mir hel­fen, nicht durch­zu­dre­hen, aber da­für ste­tig mein Ge­wicht stei­gern. Ich bin ei­ne Sum­me von Ab­wei­chun­gen, sie wer­den mehr und mehr, und egal wie sub­ver­siv, wie fe­mi­nis­tisch, wie pun­kig Häss­lich­keit sein mag: I’m no punk, I’m a prin­cess. Und des­halb, Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand, neh­me ich mir ei­nen klei­nen Trick zur Hand, ei­nen al­ter­na­ti­ven Mass­stab des Frau­seins: «A girl should be two things: clas­sy and fa­bu­lous», sag­te Co­co Cha­nel, die Queen hers­elf. If I can’t be beau­tiful, I will be well dres­sed, I will be fa­bu­lous. Und des­halb zie­he ich mich aus­ge­fal­le­ner an als an­de­re, ver­brin­ge mehr Zeit vor dem Klei­der­schrank oder auf der Se­cond­hand-App Vin­ted. Und mit et­was Glück bleibt al­so mein Blick in den Spie­gel an aus­ge­fal­le­nen Ohr­rin­gen hän­gen, an ei­ner ed­gy Hals­ket­te, an ir­gend­was an­de­rem als an mir selbst. Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand, what does be­au­ty mat­ter, if to fa­bu­lous­ness I suc­cumb?

Mia Nä­ge­li, 1991, ar­bei­tet nach ei­ner Jour­na­lis­mus­aus­bil­dung und ein paar Jah­ren bei ver­schie­de­nen Me­di­en heu­te in der Mu­sik­bran­che in der Kom­mu­ni­ka­ti­on, als Ton­tech­ni­ke­rin und als Mu­si­ke­rin. Seit Herbst 2024 stu­diert sie Kunst in Wien.

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

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Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
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