Fall in love (never) again and (never) again
2026 ist das neue 2016, die Gen Z ist alt genug für eine erste Nostalgiewelle, aber das Meme ist eh schon wieder vorbei, wenn der Text erscheint: Das Internet ist schnell, aber vergisst nie, vergass auch vor zehn Jahren schon nicht. 2016 gruben Fans einen frühen, gelöschten MySpace-Song von Charli XCX aus: Falling In Love Again. Ein cuter Lovesong, das Intro: «Yeah, we’re going to Brit’s Valentine’s party next weekend», danach auf Repeat: «Oh-oh-oh-oh / I’m falling in love again.»
Goals, so kurz vor dem Valentinstag, right? Ich gehe nicht zu Brits Party und habe (noch?) kein Valentinsdate, hätte aber gern eins, würde mich gern wieder verlieben, in einer neuen Stadt, mit Kunstuni, mit vielen Cuties, aber auch mit vielen non-commital Cuties. Von Buzzfeed bis Bluewin haben alle der Gen Z schon Bindungsunfähigkeit zugeschrieben und auch ich bin schon häufig genug über kurzfristige Absagen und Ghosting gestolpert, um damit ein kulturpessimistisches millenialcore Essay füllen zu können. Deshalb sind Liebe, Verknalltsein oder Freundinnenschaft Dinge geworden, wofür ich Commitment einfordere. Sich für Treffen zu verpflichten ist eher noch üblich, sich in Absprache für Freundinnenschaft oder Dating zu entscheiden statt zufällige Funken, ein Fallen oder Verknallen abzuwarten, sich dafür zu verpflichten, Sexualität, Disabilities und Traumata anzusprechen oder nach einem Treffen Unwohlsein oder Ängste zu debriefen – das ist etwas ungewöhnlicher, aber my autistic ass liebt das.
Das ist natürlich keine Neuentdeckung, aber in einer Popkultur mit Charli und Valentinstag ein radikal anderer Approach, einer aus christlicher Mystik oder aus Schwarzem Feminismus. Thomas Merton, Trappistenmönch und Autor, schreibt in Love and Need: «Das Wort ‹verlieben› [im Englischen: ‹to fall in love›] spiegelt eine bestimmte Einstellung gegenüber der Liebe und dem Leben an sich – eine Mischung aus Furcht, Staunen, Faszination und Verwirrung. Der Begriff impliziert Misstrauen, Zweifel und Zögern gegenüber dem Unvermeidlichen, dem man nicht völlig vertrauen kann.» Und die feministische Autorin Bell Hooks ergänzt: «Wenn man nicht weiss, was man fühlt, ist es schwer, sich für die Liebe zu entscheiden; also verfällt man ihr einfach, indem man sich verliebt. Dann ist man nicht für sein Handeln verantwortlich.» God bless und vor allem Bell Hooks bless, also Entscheidung statt Verfallen, also Commitment statt Zufall, also: Will you be my Valentine? (Anmeldung verpflichtend.)
Als cute date schauen wir dann den Valentinstagsrelease von Wuthering Heights, eine Ach-so-alte Geschichte einer destruktiven aber leidenschaftlichen Liebe, mit Betrug, Masochismus, Rache, Tod – und mit einer Orchester-Version von Charli XCXs Everything is Romantic, zehn Jahre nach Falling In Love Again immer noch das gleiche, auf ewig wiederholte Mantra: «Fall in love again and again / Fall in love again and again.» 2026 ist tatsächlich das neue 2016, aber bei aller Liebe für Charli: I’m not gonna fall, not again, I’m gonna commit to show up and talk and love – again and again and again.
Mia Nägeli, 1991, arbeitet nach einer Journalismusausbildung und ein paar Jahren bei verschiedenen Medien heute in der Musikbranche in der Kommunikation, als Tontechnikerin und als Musikerin. Seit Herbst 2024 studiert sie Kunst in Wien.
Kolumne: 24/7 Traumacore
2026 will ich mehr Christentum und mehr Knutschen. Bessere Vorsätze als irgendwas mit Gym, right? Derzeit arbeite ich das Dialectical Behavior Therapy Skills Workbook durch, eine enge Freundin von mir macht The Artist's Way, und hie und da landen ihre Suche nach Kreativität und meine nach…
Weihnachten bringt für mich immer den Tod. Und natürlich auch Schlemmerfilet, geschmolzenen Käse und Weihnachtslieder, aber eben auch den Tod. Meine Familie geht kaum auf den Friedhof, nur zu Heiligabend, wenn alle von Prosecco und Wein und Kirschschnaps und einem schlecht gesungenen…
Das Teilen und Tauschen von Medikation hat in der trans Community Tradition. Weil Ärzt:innen auch mal aufgrund des Aussehens oder Verhaltens (zu weiblich? zu wenig weiblich?) die Behandlung verbieten, weil die Wartezeit auf einen Ersttermin auch mal Jahre dauern kann, weil mehr und mehr…
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
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Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
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Bregenzer Festspiele