Kategorie
Autor:innen
Jahr

Verdächtig #05: It’s where you at!

«Was sind sie?» ist eine höchst philosophische Frage. Leider ist die Antwort meist ebenso banal. Und völlig irrelevant – eigentlich...
Von  Khaled Aissaoui

 

Letschti lüütet mis telefon…

i nimm ab, ä schrilli frauestimm

«sie hend für d’stadt frauefeld anere primarschuel en uftritt gmacht und geld übercho aber s’isch nöd richtig abgrechnet worde. i brücht no es paar aagobe… ihri gnau adresse, ahv nr., geburtsdatum, und dä name stimmt dä so… en spezielle name!»

i han ihre versichered dass dä so stimmt, und han ihre di verlangte aagobe duregeh, und denn meint sie plötzli: «und wa sind sie denn?»

wa sind sie?

gnau die frog beschäftigt mi scho huere lang… aber i gang spöter gnauer druf i…

sie het uf jedefall wölle wüsse wani für ä nationalität han… i ha denn gfunde: jo spielt denn das ä Rolle, i han jo mis Geld übercho, und döt het Nationalität au kei Rolle gspielt!

und sie mitere no schrillere stimm: jo, aber i mues das für üsi Underlage wüsse, damit alles vollständig isch…

Naja denn finds doch use! mir sind jo i dä schwiz!

Wieso isch Nationalität so wichtig! no meh schubladisierig…

spielts würkli ä Rolle wa ufme blatt Papier stoht? organisatorisch gseh, jo, well ohni chasch eifach nöd reise, und hesch au sus nur problem i derä gsellschaft. aber gits mensche wo kei nationalität hend… jo da gits, und i kenn au öpert wo kei Nationalität het. aber au nöd freiwillig, sondern i sim Herkunftsland chunt sis Volk kei Nationalität über, sprich kei Dokument wo sie als Staatsaghörige vo däm Land uswiist. Ihri Existenz wird somit offiziell negiert. sie sind staatelos, und hends als flüchtling no viel schwerer, wells gar kei persönlichi dokument hend. schwierig sich da vorzstelle wemmer i dä schwiz lebt.

schwiz, schwizer nationalität… isch wieder brandaktuell! d’em stoht vor dä tür. sie verchaufed wieder fähnli und shirts vo dä schwiz und allne teilnehmende länder und jede deckt sich ii mit dä farbe us sim herkunftsland! und wieder schubladisierig pur. di säbe sind dies, di säbe sind jenes, di andere sind das.

und denn wäremer wieder bi derä frog: «wa sind sie?»

ha die frog scho so viel mol ghört, wenni min name säg. «wa sind sie?» ghörtmer die frog au so oft wemmer christian müller heisst? Wa sind sie? vo schüäler, vo lehrer, vo polizischte, vo prüäfigsexperte, vo chefe bi iistelligsgspröch, und vo vielne meh. Wa sind sie? Eigentli ä hochphilosophischi frog, doch gmeint isch immer öpis völlig banals, jo eigentlich irrelevants. Wa sind sie?

natürli weiss i gnau wa gmeint isch, nur het sich mini antwort inzwüsche veränderet. und zwor vom seriöse und erwartete «i bi halb schwizer halb algerier» zum philosophisch-satirische «i bi mensch». nöd mini herkunft definiert mi, sondern das wani mach. do dezue gits en spruch wo mi 1995 während dä teilnahm a dä streetball-wm in barcelona begleitet het und sit do prägt:

it’s not where you from, it’s where you at!

und zum schluss no i heiss zwor khaled aissaoui, und es tönt vilicht nöd denor, trotzdem bin i schwizer. i hammer da nöd usgsuecht! jede wird irgendwo drigworfe, keine cha wähle wo oder vo wem dass er gebore wird… doch jede cha selber entscheide waner macht, und das definiert ihn als Mensch. Drum versuechi nie z’schubladisierä… im bsundere nöd ufgrund vo nationalitäte, well das äs zeiche vo angscht und dummheit isch. apropos schubladisierig…

letschti hani kocht und nebedbi äs college basketballspiel verfolgt, und do rüeft dä kommentator «3pointer by WHITEHEAD!» woni denn gnau ane lueg gsehni dä spieler isch natürli en schwarze und uf sim shirt stoht würkli whitehead! so isch die welt…

darum hinderfroged alles und blibed verdächtig!

Khaled Aissaoui, 1975, ist Sportlehrer, Rapper, DJ und Produzent aus St.Gallen.

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2