Letschti lüütet mis telefon…
i nimm ab, ä schrilli frauestimm
«sie hend für d’stadt frauefeld anere primarschuel en uftritt gmacht und geld übercho aber s’isch nöd richtig abgrechnet worde. i brücht no es paar aagobe… ihri gnau adresse, ahv nr., geburtsdatum, und dä name stimmt dä so… en spezielle name!»
i han ihre versichered dass dä so stimmt, und han ihre di verlangte aagobe duregeh, und denn meint sie plötzli: «und wa sind sie denn?»
wa sind sie?
gnau die frog beschäftigt mi scho huere lang… aber i gang spöter gnauer druf i…
sie het uf jedefall wölle wüsse wani für ä nationalität han… i ha denn gfunde: jo spielt denn das ä Rolle, i han jo mis Geld übercho, und döt het Nationalität au kei Rolle gspielt!
und sie mitere no schrillere stimm: jo, aber i mues das für üsi Underlage wüsse, damit alles vollständig isch…
Naja denn finds doch use! mir sind jo i dä schwiz!
Wieso isch Nationalität so wichtig! no meh schubladisierig…
spielts würkli ä Rolle wa ufme blatt Papier stoht? organisatorisch gseh, jo, well ohni chasch eifach nöd reise, und hesch au sus nur problem i derä gsellschaft. aber gits mensche wo kei nationalität hend… jo da gits, und i kenn au öpert wo kei Nationalität het. aber au nöd freiwillig, sondern i sim Herkunftsland chunt sis Volk kei Nationalität über, sprich kei Dokument wo sie als Staatsaghörige vo däm Land uswiist. Ihri Existenz wird somit offiziell negiert. sie sind staatelos, und hends als flüchtling no viel schwerer, wells gar kei persönlichi dokument hend. schwierig sich da vorzstelle wemmer i dä schwiz lebt.
schwiz, schwizer nationalität… isch wieder brandaktuell! d’em stoht vor dä tür. sie verchaufed wieder fähnli und shirts vo dä schwiz und allne teilnehmende länder und jede deckt sich ii mit dä farbe us sim herkunftsland! und wieder schubladisierig pur. di säbe sind dies, di säbe sind jenes, di andere sind das.
und denn wäremer wieder bi derä frog: «wa sind sie?»
ha die frog scho so viel mol ghört, wenni min name säg. «wa sind sie?» ghörtmer die frog au so oft wemmer christian müller heisst? Wa sind sie? vo schüäler, vo lehrer, vo polizischte, vo prüäfigsexperte, vo chefe bi iistelligsgspröch, und vo vielne meh. Wa sind sie? Eigentli ä hochphilosophischi frog, doch gmeint isch immer öpis völlig banals, jo eigentlich irrelevants. Wa sind sie?
natürli weiss i gnau wa gmeint isch, nur het sich mini antwort inzwüsche veränderet. und zwor vom seriöse und erwartete «i bi halb schwizer halb algerier» zum philosophisch-satirische «i bi mensch». nöd mini herkunft definiert mi, sondern das wani mach. do dezue gits en spruch wo mi 1995 während dä teilnahm a dä streetball-wm in barcelona begleitet het und sit do prägt:
und zum schluss no i heiss zwor khaled aissaoui, und es tönt vilicht nöd denor, trotzdem bin i schwizer. i hammer da nöd usgsuecht! jede wird irgendwo drigworfe, keine cha wähle wo oder vo wem dass er gebore wird… doch jede cha selber entscheide waner macht, und das definiert ihn als Mensch. Drum versuechi nie z’schubladisierä… im bsundere nöd ufgrund vo nationalitäte, well das äs zeiche vo angscht und dummheit isch. apropos schubladisierig…
letschti hani kocht und nebedbi äs college basketballspiel verfolgt, und do rüeft dä kommentator «3pointer by WHITEHEAD!» woni denn gnau ane lueg gsehni dä spieler isch natürli en schwarze und uf sim shirt stoht würkli whitehead! so isch die welt…
darum hinderfroged alles und blibed verdächtig!
Khaled Aissaoui, 1975, ist Sportlehrer, Rapper, DJ und Produzent aus St.Gallen.
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«Open House St.Gallen»
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