Vom Streben nach Freiheit und Liebe
In Koproduktion mit dem Théâtre National du Luxembourg zeigt das TAK Theater Liechtenstein in Schaan eine Neuinszenierung von Friedrich Schillers Klassiker Don Karlos. Darin finden sich auch Bezüge zu aktuellen geopolitischen Konflikten.
Szene aus Friedrich Schillers Don Karlos am TAK Theater Liechtenstein. (Bilder: Ilja Mess)
Mit Popmusik und weiss geschminkten Gesichtern bringt das TAK Theater Liechtenstein historische Figuren des 16. Jahrhunderts auf die Bühne: In Friedrich Schillers Drama Don Karlos geraten Weltpolitik und private Liebestragödien in sechs Rollen aneinander. Karlos sehnt sich nach Liebe, der König Philipp nach Wahrheit, Prinzessin von Eboli fordert Rache, Marquis von Posa setzt sich für «Gedankenfreiheit» und Menschenrechte ein – ganz im Gegensatz zum hinterlistigen Herzog von Alba. Und nur die junge Königin Elisabeth fügt sich pflichtbewusst in ihre politische Rolle und sagt zu Don Karlos: «Ich liebe nicht mehr.»
In Shorts steht dieser dann frustriert auf der Treppe aus Metallgitter, die sich über die ganze Bühne erstreckt und auf der er in einer späteren Szene auf der untersten Stufe zum Liegen kommt, wenn er sich, seinen Liebeswirrungen ausgeliefert, die Niederlage eingestehen muss.
«Dem Prinzen starb eine Braut in seiner jungen Mutter», bringt der Herzog von Alba die unmöglich gewordene Liebe und die veränderte Familienkonstellation auf den Punkt. Denn es ist ausgerechnet die neue Frau seines Vaters, an die sich Don Karlos verzweifelt klammert, als wäre sie tatsächlich seine Mutter. «Er liebt, was er nicht sollte», beobachtet die Prinzessin von Eboli und fasst die Situation zusammen, als sie erkennt, dass Don Karlos Liebesbekundungen nicht ihr, sondern der Königin gewidmet waren. Die Eifersucht entwickelt sich zu Rache und einer Intrige, die vom Herzog von Alba noch unterstützt wird.
Schillers Drama spielt um das Jahr 1568 und ist angelehnt an die politischen Ereignisse jener Zeit. Kaiser Karl der V., einer der mächtigsten europäischen Herrscher, hat bereits abgedankt und dessen Sohn König Philipp II. sitzt auf dem Thron und herrscht über das streng katholische Spanien. Für den Frieden mit Frankreich hat er die französische Prinzessin Elisabeth von Valois geheiratet, die eigentlich seinem Sohn Don Karlos versprochen war. Ein Faktor, der das ohnehin schon durch Ablehnung, Hass und Misstrauen zerrüttete Vater-Sohn-Verhältnis weiter aufwühlt.
Zufällig ist Karlos’ Jugendfreund Marquis von Posa im Land und versucht, den jungen Infanten aus den absolutistischen Fängen seines Vaters zu befreien, damit er sich stattdessen in Flandern für die Freiheit der protestantischen Niederländer einsetzt. Sowohl diese politischen Pläne als auch die romantisch motivierten Verwicklungen geraten im Stück durcheinander und führen zu falschen Beschuldigungen und geheimen Machenschaften.
In der auf zwei Stunden 30 Minuten gekürzten musikalischen Fassung von Sängerin Karin Ospelt und Intendant Thomas Spieckermann ist die Handlung trotz der alten Sprache weitgehend nachvollziehbar. Atmosphärische Sounds, unheimliches Flüstern und Popsongs brechen mit den komplexen sprachlichen Strukturen. Während sich in der Inszenierung von Oliver Vorwerk das Geschehen anfangs vor allem um die unglückliche Figur des Karlos und dessen Liebesdrama dreht, wird im zweiten Teil der politische Konflikt zwischen der unbeschränkten Macht des Monarchen und den humanistischen Idealen nach Freiheit zum Ausdruck gebracht, wobei auch aktuelle Bezüge zu geopolitischen Konflikten und Kriegen eingestreut werden.
Thomas Beck bringt authentisch die schlechte psychische Verfassung des Don Karlos auf die Bühne, was in Zorn und Ärger und fast zu viel Geschrei mündet. Es wird klar, wie Karlos’ frühere politisch-ideologische Interessen durch seinen Liebeswahn völlig überworfen werden. Antonia Jungwirth überzeugt dynamisch als Herzog von Alba. Alisa Kunina spielt eine ruhige, aber bestimmte Prinzessin von Eboli, Rosalie Maes eine leicht sarkastische Königin. Der König Philipp (Ralf Beckord) und der Marquis von Posa (Christiani Wetter) treffen beide in Schwarz als mächtige Gegenspieler aufeinander. Die Treppe als Bühnenbild (Albi Büchel), die lediglich von einer beweglichen Metallwand und Papier(schnipsel) ergänzt wird, passt zwar zu der düsteren Atmosphäre und der tragischen Verzweiflung der Figuren, bringt aber wenig Abwechslung in dieses ohnehin schon schwere Stück von Schiller.
Don Karlos: 11. Februar und 12. März, jeweils 19:30 Uhr, TAK Theater Liechtenstein, Schaan. tak.li
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