Kategorie
Autor:innen
Jahr

Die Kunst ist in der Turnhalle zuhause

Kunst zum Essen, DIY-Radio und «Home Sweet Home». In der alten Turnhalle in Lichtensteig teilen Künstler:innen an der Dogo Totale derzeit ihre Arbeiten und Gedanken zum Thema «Home». Die Ausstellung im Toggenburg dauert noch bis am 26. November.
Von  Philipp Bürkler
Die Künstler:innen stellen ihre Werke dort aus, wo sie grösstenteils entstehen. In der alten Turnhalle von Lichtensteig. (Bilder: pb)

Wer Hunger auf Kunst hat, ist an der Dogo Totale gleich doppelt richtig. Hier gibt es nicht nur Kunst zum Betrachten, sondern auch zum Essen. Bereits am Eingang zur Ausstellung in der alten Turnhalle steht ein übergrosses und essbares Lebkuchenhaus des Münchner Künstlers Philip Neuberger.

Aus dem Innern des Häuschens ertönen menschliche Stimmen. Es sind Aufnahmen, die der 29-jährige unter anderem mit seiner Grossmutter sowie Menschen aus der LGBTIQ-Community gemacht hat. Die Protagonisten erzählen in seinem Werk «Sweet Home» davon, was für sie «zuhause» und Care Arbeit bedeuten.

Das etwas lädierte – oder weggeputzte–- Lebkuchenhaus von Philip Neuberger.

Eine Arbeit zeigt auch die Videokünstlerin Delfina Liderjover aus Buenos Aires. Sie hat das Ausstellungsthema «Home» filmisch festgehalten. «Delfina hat ein riesiges Videoarchiv und filmt sehr viel in ihrem Alltag», erklärt Hanes Sturzenegger, einer der Ausstellungsleiter und Kuratoren der Dogo Totale.

Auf zwei grossen Flachbildschirmen, die an einer Reckstange aufgehängt sind, sind Aufnahmen aus Argentinien, Deutschland oder der Schweiz zu sehen. Diese internationale Perspektive bringt sehr schön die verschiedensten Vorstellungen und Auffassungen des «Zuhauseseins» zum Ausdruck.

Zwei- bis viermonatige Residenz in Lichtensteig

Die Dogo Totale ist die jährliche Ausstellung der Kunst-Residenz im Rathaus für Kultur in Lichtensteig, die von vier Kunstschaffenden organisiert wird. Einmal im Jahr schreiben Hanes Sturzenegger und seine Crew ein Thema aus, auf das sich Kunstschaffende aus der ganzen Welt bewerben können.

Die ausgewählten Kunstschaffenden erhalten dann die Möglichkeit, für zwei bis vier Monate im Rathaus für Kultur, dem ehemaligen Rathaus des Städtchens, zu leben sowie in der alten Turnhalle an ihren Werken zu arbeiten. Die derzeitige Ausstellung ist also der Output und das Produkt der Arbeiten der vergangenen Monate.

Hanes Sturzenegger, Kurator und Ausstellungsmacher vom Kollektiv Dogo-Residenz im Rathaus für Kultur.

Neben der Förderung des lokalen Kunstschaffens, soll so vor allem auch der Blick auf Kunst abseits urbaner Zentren gerichtet werden. «Kunst ist sehr auf Städte konzentriert. Wir denken deshalb, dieser Ort und seine Landschaft wirken sehr inspirierend auf das Schaffen der Künstler:innen», sagt Sturzenegger.

Eingeladen wurde auch Monica Mays. Die in Amsterdam lebende Spanierin gibt dem Ausstellungsthema nochmals einen völlig anderen Spin. Mit ihrer Arbeit nimmt sie Bezug auf eine historische Tradition im Toggenburg. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert haben Männer vor der Heirat den Schrank, das Bett oder andere Habseligkeiten der künftigen Braut mit einem Holzgerüst auf dem Rücken in den Strassen zur Schau gestellt.

Monica Mays nähert sich dem Thema «Home» anhand der historischen Toggenburger Tradition des Brautfuders an.

Diesen Brauch des «Brautfuders» symbolisiert Mays in ihrer Arbeit mit kleinen Puppenbettchen, die sie an die Wand gehängt hat. Kleine Setzkästen aus Holz mit Seidenraupen-Cocos darin nehmen parallel dazu Bezug auf die Textilindustrie in der Region während der vergangenen Jahrhunderte.

Sound-Art und DIY-Radio

Häuslichkeit assoziieren wir in der Regel mit positiven Gefühlen. Häuslichkeit kann aber auch das genaue Gegenteil bedeuten. Nicht nur für Menschen, die kein Zuhause haben, sondern vor allem auch für jene, die in ihren eigenen vier Wänden psychische oder sexualisierte Gewalt erleben.

Dogo Totale: bis 26. November, Alte Turnhalle Lichtensteig

dogoresidenz.ch

Diesem Thema hat sich die Zürcher Autorin und Theaterschaffende Laura Leupi angenommen. Sie fragt: «Was passiert eigentlich mit dem Gefühl des Zuhauseseins, wenn man in einem vermeintlichen Safespace Gewalt erfährt?» Die Antworten und Gedanken zu diesem gesellschaftlich wichtigen Thema zeigt Leupi anhand von Texten und Hörbeispielen.

Apropos Hören: Zusammen mit der Fotografin und Soundkünstlerin Claude Bühler betreibt Laura Leupi während der gesamten Ausstellungsdauer ein kleines Experimental-Radio. «Radio Temporary Accommodation» – also das Radio der zeitweiligen Unterkunft – ist ein DIY-Radiospace für Sound-Art, Jam-Sessions und Performances, sowie für Gespräche mit Künstler:innen und Besuchern rund um das Ausstellungsmotto. Tune in!

Im improvisierten Studio: Soundkünstler Jürgen Buchinger und Claude Bühler im improvisierten Radiostudio.

Die Dogo Totale dauert noch bis Samstag, 26. November. Neben der Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm. Am Samstag beispielsweise zeigt die Künstlerin Elenita Queiroz eine Tanzperformance und Philip Neuberger – der mit dem essbaren Lebkuchenhaus – gibt im improvisierten Radiostudio eine Listening-Session.

Die Dogo Totale ist definitiv einen Besuch wert. Gute Atmosphäre, spannende Arbeiten und das alles erst noch in der einmaligen Toggenburger Landschaft.

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2