Kategorie
Autor:innen
Jahr

Here's to another year of bitte lass mich in Ruh'

I’m bad wi­th bir­th­days. Die­se Ko­lum­ne schrei­be ich an mei­nem Ge­burts­tag, am ers­ten Tag mei­ner ers­ten Fe­ri­en seit Jah­ren – ich bin eben­so schlecht mit Fe­ri­en wie mit Ge­burts­ta­gen. Des­halb fah­re ich seit ein paar Jah­ren an mei­nem Ge­burts­tag weg, auch die­ses Jahr, und am Mor­gen, nach­dem rus­si­sche Droh­nen den pol­ni­schen Luft­raum durch­quert hat­ten und ei­ner der gröss­ten US-fa­schis­ti­schen In­fluen­cer er­schos­sen wor­den war, sass ich in ei­nem Airbnb ne­ben ei­nem der gröss­ten Mi­li­tär­hä­fen West­eu­ro­pas, trank Fil­ter­kaf­fee und hör­te den Schiffs­hör­nern und Mö­wen des Ja­de­bu­sens zu. Kurz vor Mit­tag heul­ten al­le Ra­di­os und Si­re­nen noch viel lau­ter als die Mö­wen und die Schif­fe, es war bun­des­wei­ter Warn­tag, hap­py fuck­ing bir­th­day schrie auch mein Han­dy, und gleich da­nach kam das jähr­li­che SMS ei­ner Ex-Freun­din, mit der ich seit zehn Jah­ren nicht mehr ge­spro­chen ha­be, die mir aber seit mei­ner Tran­si­ti­on jähr­lich gra­tu­liert, ver­läss­lich wie das deut­sche Ka­ta­stro­phen­warn­sys­tem. Und da­nach heul­te das Han­dy wei­ter.

Mein Ge­burts­tag ist zu­ver­läs­sig ei­ner der be­schis­sens­ten Ta­ge des Jah­res. Mei­ne Fa­mi­lie und al­te Freund:in­nen schi­cken mir Fo­tos von frü­her, von ei­nem selbst­ge­fähr­den­den, tiefst­de­pres­si­ven, sui­zi­da­len Ich, pre-Tran­si­ti­on, pre-Co­ming-out, an dem sie mehr zu hän­gen schei­nen als an mei­nem Wohl­erge­hen. «Da warst du noch ein klei­ner Bub», schrei­ben sie dann da­zu, und hie und da ganz ex­pli­zit: «Und du wirst das für mich auch im­mer ein biss­chen blei­ben <3». Da oder dort schickt mir wer Fo­tos mei­ner Tee­nie­jah­re, ich, de­pres­siv und be­sof­fen, ne­ben Men­schen, die mich seit mei­ner Tran­si­ti­on bes­ten­falls igno­riert bis be­läs­tigt ha­ben, da­zu ir­gend­wel­che Par­ty­e­mo­jis oder ein paar Her­zen, das wa­ren doch noch Zei­ten, bald viel­leicht wie­der ein Mal, right?, ha­ha, hap­py fuck­ing bir­th­day, you know we love you.

Al­so fah­re ich jähr­lich An­fang Sep­tem­ber weg, frü­her von der Ost­schweiz ins Mit­tel­land, spä­ter mal in ein klei­nes Kaff in Ba­den-Würt­tem­berg, nach Rot­ter­dam, zu Freund:in­nen nach Wien und, seit ich selbst da le­be, nun al­so an die Nord­see. Haupt­sa­che weg von den Pro­jek­tio­nen, For­de­run­gen und den Er­in­ne­run­gen an mich, mit de­nen Men­schen mich all­jähr­lich in mei­ne schlimms­ten Zei­ten zu­rück­drü­cken wol­len. Zu­hau­se hin­ge­gen feie­re ich da­für den Start mei­ner Hor­mon­the­ra­pie, wie so vie­le trans Men­schen den Tag ih­rer Na­mens­än­de­rung fei­ern. Und, thank God, kaum wer von Fa­mi­lie oder frü­her weiss, wann das ge­nau war, das schien we­ni­ger wich­tig zu sein als die Fo­tos von dem tief­de­pres­si­ven, sucht­kran­ken Ich, und al­so hab ich am Jah­res­tag mei­ner Hor­mon­the­ra­pie, an dem wich­tigs­ten Tag mei­nes Le­bens, mei­ne Ru­he, al­lein bei mir Zu­hau­se, mit Schlem­mer­fi­let und Star Trek, und mein Han­dy vi­briert nicht, we­der mit Er­in­ne­run­gen an psy­chi­schen Zer­fall, we­der mit Fo­tos ei­nes Ichs, das ich ver­ges­sen möch­te, noch mit Ka­ta­stro­phen­alarm – hap­py fuck­ing bir­th­day to me.

Mia Nä­ge­li, 1991, ar­bei­tet nach ei­ner Jour­na­lis­mus­aus­bil­dung und ein paar Jah­ren bei ver­schie­de­nen Me­di­en heu­te in der Mu­sik­bran­che in der Kom­mu­ni­ka­ti­on, als Ton­tech­ni­ke­rin und als Mu­si­ke­rin. Seit Herbst 2024 stu­diert sie Kunst in Wien.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39