Hommage an Verena Stefan

Die Autorin  Verena Stefan (Bild: pd/Lise Moisan)

Die beiden Autorinnen Tabea Steiner und Mariann Bühler widmen ihr Projekt «Brüten wir die Welt neu aus – 50 Jahre Häutungen von Verena Stefan» dem Werk der feministischen Autorin. Die entstandene Inszenierung ist am 15. Januar im Literaturhaus Thurgau und am 30. Mai im Literaturhaus St.Gallen zu sehen.

«Brü­ten wir die Welt neu aus» ist ein Zi­tat aus dem fe­mi­nis­ti­schen Werk Häu­tun­gen der Ber­ner Au­torin Ve­re­na Ste­fan. Er­schie­nen ist der Ro­man im Jahr 1975. 50-jäh­ri­ges Ju­bi­lä­um al­so und Zeit für ei­ne Hom­mage an die Au­torin. Das ha­ben sich wohl auch die bei­den Au­torin­nen Ta­bea Stei­ner und Ma­ri­ann Büh­ler ge­dacht, als sie ihr Pro­jekt «Brü­ten wir die Welt neu aus – 50 Jah­re Häu­tun­gen von Ve­re­na Ste­fan» lan­cier­ten. 

Am 15. Ja­nu­ar ist die im Rah­men des Pro­jekts ent­wi­ckel­te In­sze­nie­rung im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau und am 30. Mai im Li­te­ra­tur­haus St.Gal­len zu se­hen.

Ein Kult­buch der Neu­en Frau­en­be­we­gung

Ve­re­na Ste­fan, ge­bo­ren 1947 in Bern, zog als et­wa 20-Jäh­ri­ge nach West-Ber­lin und stu­dier­te dort So­zio­lo­gie und Re­li­gi­ons­wis­sen­schaf­ten. Sie war ei­ne der Mit­be­grün­de­rin­nen der in den 70er-Jah­ren ge­grün­de­ten fe­mi­nis­ti­schen Grup­pie­rung «Brot und Ro­sen», die mit dem Frau­en­hand­buch ei­nen der ers­ten Rat­ge­ber zu Ab­trei­bung und Ver­hü­tung pu­bli­zier­te. 1975 ver­öf­fent­lich­te Ste­fan das Werk Häu­tun­gen beim Münch­ner Ver­lag Frau­en­of­fen­si­ve. 

Der als fe­mi­nis­ti­sches Ma­ni­fest gel­ten­de Ro­man traf ei­nen Nerv: Er ver­kauf­te sich mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Mal. Nach Häu­tun­gen ver­öf­fent­lich­te Ste­fan wei­te­re Wer­ke und wan­der­te 2000 nach Mon­tré­al aus, wo sie bis zu ih­rem Tod im Jahr 2007 in­fol­ge ei­ner Krebs­er­kran­kung leb­te. In ih­rem letz­ten zu Leb­zei­ten er­schie­ne­nen Buch Fremd­schlä­fer be­fasst sich Ste­fan mit ih­rer ei­ge­nen Er­kran­kung. Für das Buch er­hielt sie 2008 den Ein­zel­werk­preis der Schwei­ze­ri­schen Schil­ler­stif­tung. Ste­fans li­te­ra­ri­scher Nach­lass fin­det sich heu­te im Schwei­zer Li­te­ra­tur­ar­chiv.

Der Ro­man Häu­tun­gen, der dem Pro­jekt sei­nen Ti­tel ver­leiht, gilt als Kult­buch der Neu­en Frau­en­be­we­gung in den 70er-Jah­ren. Es geht dar­in um ei­ne jun­ge Frau in Ber­lin, die ge­gen ih­re ei­ge­ne he­te­ro­se­xu­el­le Le­bens­wei­se auf­be­gehrt und in ei­ner quee­ren Be­zie­hung Be­frei­ung fin­det. An­hand der li­te­ra­ri­schen Er­zäh­lung ver­han­delt Ste­fan die Wirk­mäch­tig­keit pa­tri­ar­cha­ler Macht­struk­tu­ren auf weib­li­che Kör­per und Se­xua­li­tät eben­so wie auf Spra­che und Schreib­pro­zess. 

Sprachliches Neugewebe

In ihrem Projekt «Brüten wir die Welt neu aus – 50 Jahre Häutungen von Verena Stefan» befassen sich Steiner und Bühler mit Häutungen, aber auch mit anderen Werken der Autorin. Für die Inszenierung hat Steiner nach dem «Lustprinzip» einzelne Zitate und Textstellen aus Verena Stefans Gesamtwerk ausgewählt, erklärte sie der «Proz» Basel im Dezember 2025. 

Die Fragmente setzte sie gemäss der Projektwebsite zu einem «sprachlichen Gewebe» neu zusammen. Dieses bildet die textuelle Grundlage für die Inszenierung: eine szenisch-performative Lesung. Auf der Website schreiben sie dazu: «Stoffe fliessen, und aus Bewegung, Sprache und Strukturen schlüpft schliesslich, für einen Moment, Verena Stefans literarische Welt.» Die Schauspielerin Kathrin Veith liest, die illustrativen Arbeiten sowie die farbliche und stoffliche Performance übernimmt die Künstlerin Dinah Wernli. Für die Inszenierung der Lesung sind Anouk Gyssler und Maja Bagat verantwortlich.

«Brüten wir die Welt neu aus – 50 Jahre Häutungen von Verena Stefan»: 15. Januar, 19.30 Uhr, Literaturhaus Thurgau, Bodmanhaus, Gottlieben und 30. Mai, Literaturhaus St.Gallen.

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Die Inszenierung im November 2025 in Bern (Bild: pd/Anja Fonseka)

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