Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Kein Platz für Konsumzwang»

Die Parkplätze vor der St.Galler Grabenhalle werden endlich aufgelöst, jetzt sind frische Ideen gesucht. Meret Trösch, Präsidentin des Vereins Platzpark, über den langen Weg dahin und den partizipativen Prozess, der den Platz zum Leben erwecken soll.
Von  Corinne Riedener
Meret Trösch auf dem Platz, der bald autofrei wird. (Bild: co)

Saiten: Es war ein langwieriger Prozess. Lanciert wurde die Diskussion um die Nutzung des Platzes vor der Grabenhalle bereits 2007, seit einiger Zeit ist der Verein Platzpark mit der Stadt im Austausch. Jetzt ist ein Ende in Sicht: Mit der geplanten Eröffnung des Parkhauses UG 25 Ende 2023 werden die Parkplätze vor der Grabenhalle aufgehoben und der Raum kann neu genutzt werden. Wie ist die Stimmung im Verein?

Meret Trösch: Sehr zuversichtlich – jetzt wieder. Wir hatten ein ziemliches Tief während Corona, als wir unsere Sitzungen nur online abhalten konnten. Das hat die Motivation gedämpft. Aber jetzt, wo wir uns wieder richtig treffen können, ist die Euphorie gross. Alle sind motiviert und engagieren sich, so gut sie können.

Ihr arbeitet mit der Stadt St.Gallen zusammen. Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus?

2015 haben wir der Stadt erstmals ein Nutzungskonzept für den Parkplatz vorgelegt. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Stadt selber noch nicht so recht, was sie mit dem Platz will. 2019 haben sich Palace und Grabenhalle dann zusammengetan und das Konzept nochmals detaillierter ausformuliert. Dieses Mal stiessen wir auf offene Ohren, auch weil die Parkplätze mit dem geplanten Bau der UG25 überflüssig werden. Seither stehen wir in Kontakt mit der Stadt, allen voran mit dem Departement Bau und Planung. Es gab bereits mehrere Sitzungen, unter anderem auch mit Stadtgrün und der Stapo. Nun liegt es an uns, konkrete Ideen für die Nutzung des Platzes auszuarbeiten und diese der Stadt zu präsentieren.

2019 war Maria Pappa noch Bauchefin.

Ja, dass Bewegung in die Sache kam, ist sicher ihr zu verdanken. Sie hat sich sehr für den Platz eingesetzt. Als Markus Buschor Anfang Jahr das Baudepartement übernahm, waren wir zuerst etwas unsicher. Die Sorge war aber unbegründet.

Bis auf sechs Handwerksparkplätze sollen alle aufgelöst werden. Seid ihr zufrieden mit diesem Kompromiss?

Als wir den Verein Platzpark 2019 gegründet haben, mussten wir uns entscheiden: Gehen wir «All in» oder mit einem Kompromiss in die Verhandlungen? Wir haben uns dann für den Kompromiss entschieden, nicht zuletzt, weil die Grabenhalle diese Parkplätze auch selber braucht, etwa für Anlieferungen oder Bandbusse. So gesehen sind wir zufrieden.

Im Juli habt ihr einen partizipativen Prozess gestartet, um Ideen für die künftige Nutzung des Platzes zu sammeln. Wer ist da wie involviert?

Der Prozess steht noch ziemlich am Anfang. Bisher haben wir in den Sozialen Medien zur Teilnahme aufgerufen, alle möglichen Vereine angeschrieben, uns mit der städtischen Jugendinformationsstelle «Tipp» kurzgeschlossen und die engere und weitere Nachbarschaft abgeklappert. Zudem gehen wir bei Anlässen in der Grabenhalle und im Palace immer aktiv auf die Leute zu, damit möglichst viele sich einbringen. Das erste grosse Treffen findet am 18. September statt, dann startet der Partizipationsprozess richtig.

Erste Ideen sind bereits zusammengekommen. Was schwirrt da so herum?

Allerhand. Die Wall of Fame sucht einen festen Standort, andere träumen von einer Buvette, die Skater:innen liebäugeln mit einem überdachten Platz, und wieder andere wünschen sich Rutschbahnen oder «etwas mit Wasser». Auch kommerzielle Ideen sind vertreten. Wir lassen das alles so stehen für den Moment und wollen nichts aussortieren, obwohl wir eigentlich eine kommerzielle Nutzung des Platzes vermeiden wollen. Das werden wir am ersten grossen Treffen nochmals betonen und ausführen.

Warum ist es so wichtig, dass der Platz niederschwellig und nicht kommerziell genutzt wird?

Weil es in St.Gallen schon genug kommerziell genutzte Plätze gibt. Obwohl sich die Stadt gerne als offener und niederschwelliger Ort versteht, herrscht vielerorts Konsumzwang. Wir hingegen wollen einen Ort, wo man einfach sein kann, wo wenig Druck herrscht und sich alle wohlfühlen können – ganz in der Tradition von Grabenhalle und Palace.

Fast ein Ding der Unmöglichkeit, die Bedürfnisse aller Anspruchsgruppen unter einen Hut zu bringen… Wie geht ihr mit dieser Herausforderung um?

Indem wir versuchen, möglichst viele Anspruchsgruppen direkt anzusprechen, zum Beispiel Jugendliche, migrantische Vereine oder die Suchtfachstelle. Uns ist es wichtig, auch Gruppen miteinzubeziehen, die sonst gern untergehen oder wenig zu Wort kommen. Der Platz soll kein Selbstverwirklichungsprojekt von Grabenhalle und Palace werden, sondern ein niederschwelliger Raum für alle – das müssen wir uns auch selber immer wieder in Erinnerung rufen. Aber ja, allen kann man es nie recht machen. Was auch okay ist, denn «Reibungen» gehören zu den Eigenschaften öffentlicher Räume.

Am 18. September treffen sich zum ersten Mal alle live. Welche Erwartungen habt ihr an diesen Nachmittag?

Wir wünschen uns, dass möglichst viele, möglichst unterschiedliche Menschen kommen und dass die Ideen ohne Vorbehalte geteilt werden, auch wenn sie noch so utopisch sind. Damit am Schluss ein grosses Sammelsurium von Ideen und Vorschlägen entsteht. Und wir würden uns freuen, auch ein paar neue Gesichter zu sehen, die sich aktiv mitverantwortlich fühlen. Alle sollen sich trauen, ihre Idee einzubringen und das Wort zu ergreifen. Achtsam, offen und tolerant zu sein, ist uns wichtig.

Grosse Ideensammlung:
18. September, 14 bis 18 Uhr, Grabenhalle St.Gallen

platzpark.ch

Wie geht es nach der grossen Ideensammlung weiter?

Wir werden im Verein zunächst alles strukturieren und verwandte Ideen mit Oberbegriffen zusammenfassen. Beim nächsten grossen Treffen wird aussortiert. Erst dann wird diskutiert, ob eine Idee umsetzbar machbar ist, ob möglichst viele Bedürfnisse gedeckt werden können oder ob man noch weitere Anspruchsgruppen ins Boot holen muss. Und am Schluss dieses partizipativen Prozesses resultiert hoffentlich ein konkreter Projektvorschlag, den wir der Stadt vorlegen und gemeinsam umsetzen können.

Meret Trösch, 1994, ist Produktedesignerin und Präsidentin des Vereins Platzpark.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Blu,  

Gibt es da nicht noch den geheimnisvollen Grabenkeller? Vielleicht könnte dieser eingebunden werden ;) https://docplayer.org/20877238-Notizen-anlaesslich-der-besichtigung-des-grabenkellers-beim-unteren-graben-in-st-gallen.html

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39