Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Platz da!»

Das Parkplatzfest 2017 dauert drei Tage und beschäftigt sich mit verschiedenen städtischen Aufwertungs- und Verdrängungsprozessen – inklusive Musik und Futter.
Von  Corinne Riedener

Was vor zehn Jahren als politkulturelle Intervention begann, hat sich mittlerweile zu einem dreitägigen Event gemausert: das alljährliche Parkplatzfest der Grabenhalle. Den Anlass dazu gaben damals die Parkplätze vor der «Halle für alle», die aufgehoben werden sollten. Das ist zwar bis heute nicht geschehen, soll nun aber bald der Fall sein. Soll.

Die St.Galler Grabenhalle versteht sich als permanente Intervention ins Stadtgeschehen, als Ort zur Schaffung öffentlicher und gemeinschaftlicher (Frei-)Räume. Seit dem ersten Fest wurde über eine alternative Nutzung des Parkplatzes diskutiert. Und nicht nur das: Es wurden und werden regelmässig auch andere raum- und stadtpolitische Fragen gestellt. Mal lauter, mal leiser.

Buy Buy St.Pauli

Dieses Jahr stehen verschiedene Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse im Zentrum. Den Auftakt am Donnerstag macht der Film Buy Buy St. Pauli von Irene Bude, Olaf Sobczak und Steffen Jörg. Die bewegende Dokumentation zeigt den Kampf um die legendären Esso-Häuser in Hamburg, einen Plattenbau-Komplex aus den 60ern, der 2014 abgerissen wurde. 220 Wohnungen hatten sich darin befunden, Demonstrationen und Unterschriftensammlungen wurden organisiert, um den Abriss zu verhindern.

 

Im Film wird die Lage aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert, mit Statements von zahlreichen Aktivisten, Bewohnerinnen, Lokalpolitikern und Investorinnen, inklusive Klobürsten-Demo und Megafon-Tanz. Irene Bude und Steffen Jörg werden am Donnerstag anwesend sein und Auskunft geben über die Entstehung des Films und die heutige Situation in Hamburg.

Der Film und die darin aufgeworfenen Themen sollen unter anderem als Grundlage für Tag zwei des Parkplatzfestes dienen, für die Podiumsdiskussion am Freitagabend. Dort werden Stadträtin Maria Pappa (SP), der Hamburger Aktivist Florian Kasiske, Stadtparlamentarier Etrit Hasler (SP) und die Dozentin Maren Schreier (Soziale Arbeit) über die St.Galler Stadtentwicklung und über mögliche Widerstandsstrategien gegen die Verwertungs- und Verdrängungslogik diskutieren. Und nicht zuletzt auch über den Vorplatz der Grabenhalle sprich
über die Parkplätze, die in hoffentlich absehbarer Zeit verschwinden.

Hallo Gentrifizierung

Der Diskussionsstoff an diesem Abend dürfte den Anwesenden jedenfalls nicht so schnell ausgehen. Auch angesichts dessen, dass man bei der Stadt das Wort Gentrifizierung bis heute eher ungern in den Mund nimmt. Lieber redet man von «Verschiebung» oder noch lieber: von «Aufwertung». Sicher, das Bleicheli- oder das St.Leopardquartier wurden in den vergangenen
 Jahren durchwegs «aufgewertet», jedenfalls sind sie kaum wiederzuerkennen, 
so gesittet und gewerbeorientiert wie es dort heute zugeht. Gewohnt und gelebt wird in diesen Quartieren aber nur noch bedingt, zumindest in den unteren Preisklassen. Das heutige Bild ist von Büros und Geschäften geprägt, vom Mietpreis per Quadratmeter.

Parkplatzfest 2017: 
22. bis 24. Juni, Grabenhalle St.Gallen
grabenhalle.ch, parkplatzfest.ch, buybuy-stpauli.de

Hinter solchen «Verschiebungsprozessen» stehen in der Regel ökonomische Interessen, sagt die Politgruppe der Grabenhalle: «Die öffentliche Hand, 
die Herren Investoren, die Eliteuniversität, Mieterinnen und Mieter mit unterschiedlichen Portemonnaies, die Autos und die hysterische Parkhauslobby, Immobilienhaie und Firmen konkurrieren um die besten Filetstücke des begehrten städtischen Raums.» Die Stadt als Ganzes solle «unternehmerisch» geführt werden, sei den tristen Regeln des Marktes und der ökonomischen Verwertung unterworfen, hochpoliert von Standort- und Imagepolitik. Wer von einer solchen, auf Rendite ausgerichteten Stadtentwicklung profitierte, und wer auf der anderen Seite unerwünscht sei und vertrieben werde, liege auf der Hand: «Punks müssen der 340. Gartenbeiz weichen. Eckkneipen hippen Biotempeln. Günstige Wohnungen Büro- komplexen.»

Für den Grabenhalle-Parkplatz hat die Gruppe noch keinen konkreten Plan, dafür viele schöne Worte parat: «Ich möchte nicht Standortfaktor, nicht Poliermittel für das Stadtimage, keine Bilanzzeile des Unternehmens St.Gallen und nicht Komplize der Monotonie und Tristesse der bürokratisierten Stadt sein, in der alles zugewiesen, reglementiert, fertiggeplant, überwacht und geputzt ist. Ich will ein lauter Ort sein, von Menschen in Besitz genommen und gestaltet, wo niemand die Konsumbedürfnisse anderer befriedigen muss. Ich will werden.»

Bonsoir Capital Youth

Wir sehen, es gibt weiterhin Diskussionspotenzial beim Dauerbrenner Stadtplanung. Damit die ganze Chose nicht zu ernst wird, ist das Parkplatzfest auch dieses Jahr wieder mit ordentlich Musik und anderem umrahmt. Am Donnerstag nach dem Film ist Ping-Pong angesagt zu den Klängen von DJ Naurasta Selecta. Am Freitag nach dem Podium gibt Niels van der Waerden Protestsongs zum besten. Er singt die «Greatest Hits der politischen Musik, aber auch allerlei Edelschnulzen, Galgenlieder, Mitgrölklassiker und Gemütsfetzen», heisst es in der Ankündigung.

Der Samstag ist fürs Fest des Festes reserviert. Ab 15 Uhr läuft Musik aus allerlei Ecken der Schweiz, zum Beispiel von Haubi Songs (Luzern), Ellas (Aargau) und Pariah (Thurgau). Der Eintritt ist wie immer frei, dazu gibt es Futter
 und verschiedene andere Attraktionen, etwa eine Siebdruck-Station. Ab 22 Uhr – hallo Amtsschimmel! – geht das Fest drinnen weiter. Gran Noir aus Zürich machen gitarrenbetonten Alternativrock,
 was sowohl Muse- als auch Sludge-Fans gefallen dürfte, wie die Grabenhalle schreibt. Danach spielen Artlu Bubble & The Dead Animal Gang aus Bern, eine Mischung aus rotzigen 60er-Gitarren und folkig-süssen Gesängen. Den Muskelkater zum Schluss kann man sich dann bei Capital Youth aus Genf einfangen: Pop-Punk à la Ramones, aber von heute.

Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40