Kategorie
Autor:innen
Jahr

Bahnhof Nord: Das ungute Gefühl bleibt

Wie viel können die Stadtbewohner beim Bahnhof Nord wirklich mitbestimmen? Das Vertrauen in den «partizipativen Prozess» der Bauverwaltung ist jedenfalls schwach.
Von  Urs-Peter Zwingli
Ein älteres Bild vom Bahnhof Nord, der schon immer ein Hotspot der Stadtentwicklung war.

Am Ende blieb vor allem Verwirrung. Es waren etwas viele Diagramme, Projektskizzen und «Das ist noch unklar»-Aussagen am Donnerstagabend am Tisch hinter den Gleisen im Spanischen Klubhaus. Das ungute Gefühl, das in Bezug auf die Planungsarbeit der Stadtverwaltung rund um den Bahnhof Nord herrscht, ist jedenfalls nicht ganz verschwunden.

Zur Erinnerung: Am besagten Tisch wird seit Anfang Jahr «von unten» über die Entwicklung des Gebiets debattiert. Im Sommer griff die Stadtverwaltung die Idee auf. Das Parlament sprach danach einen Kredit zur Durchführung eines partizipativen Prozesses, bei dem Anwohner, Hauseigentümerinnen, Quartiernutzerinnen und die Stadtbewohner mitreden dürfen. Gestartet wurde mit Interviews auf der Strasse. Daraus wurde dann eine öffentliche Online-Umfrage entwickelt.

Wie Daniela Nüssli vom Stadtplanungsamt im Klubhaus offenlegte, wurde die Umfrage von 643 Personen ausgefüllt. Zum Vergleich: Der Bahnhof St.Gallen wird täglich von über 60 000 Personen genutzt und in St.Gallen leben knapp 80 000 Einwohner.

«Wir sind zufrieden mit dem Rücklauf», sagte FHS-Dozent und Saiten-Autor Dani Fels, der den partizipativen Prozess begleitet. Man dürfe der Umfrage, die als eine Art Gradmesser diene, auch nicht zuviel Gewicht geben. Deshalb wurde sie auch nicht engagierter gepusht in der öffentlichen Wahrnehmung.

Wie jetzt? Will man die Meinung von der Strasse hören, oder nicht?

«Der Prozess gaukelt vor, dass man Einfluss hat»

Dafür vorgesehen ist laut Fels eher das sogenannte «World Café»: An diesem Anlass im nächsten Frühling werden alle Interessierten ihre Meinungen einbringen können. «Wir hoffen auf mehrere hundert Teilnehmer», so Fels.

Danach kommen in einem komplizierten Testplanungsverfahren verschiedenste Gruppen – etwa Planungsexperten, Grundeigentümer, Leute aus der Verwaltung – zusammen. (Einen Überblick über das Verfahren gibts hier auf Folie 16.) Daraus sollen städtebauliche Ideen und Rahmenbedingungen für die Überbauung der Lagerstrasse (dort steht das Klubhaus) entstehen. «Sicher ist, dass wir den öffentlichen Raum aufwerten müssen. Und dass bei Neubauten die Erdgeschosse öffentlich genutzt werden müssen», sagte Nüssli. Und Fels betonte: «Der Prozess ist transparent und vor allem ergebnisoffen.»

Vor allem Letzteres glauben nicht alle. SP-Stadtparlamentarier Martin Bösch übte am Tisch scharfe Kritik: «Die Erwartungen an den Partizipationsprozess werden hochgeschaukelt. Letztendlich werden die Leute kaum etwas zu sagen haben. Wird der Boden im Baurecht abgegeben, braucht es nicht einmal eine Volksabstimmung für ein Projekt.»

Zudem habe Stadträtin Patrizia Adam gegenüber der Baukomission gesagt, die Stadt werde die Rosenbergstrasse «nicht anfassen», das sei Sache des Kantons. «Dabei ist die heutige Situation dieser Strasse doch ein zentrales Problem des Quartiers», sagt Bösch.

Rauf auf die FHS-Terrasse

Nüssli entgegnete, dass man eng mit dem Kanton – dem ja auch der berühmt-berüchtigte Parkplatz gehört – zusammenarbeite. «Und dass Erdgeschosse von künftigen Neubauten genutzt werden können, kann man mit einem Sondernutzungsplan festlegen.» Bösch und auch andere aus dem Publikum schienen nicht richtig überzeugt: Dass der Start in den partizipativen Prozess mit der unglücklich gestalteten und kaum beachteten Umfrage etwas holprig war, macht es auch nicht unbedingt besser. Wichtig ist, dass die Stadt und die FHS möglichst viele Leute zum Besuch des «World Cafés» mobilisieren können. Und dafür braucht es dann etwas mehr als eine Medienmitteilung, Facebook-Posts und Tweets.

PS: Ein interessantes Detail am Rande aus der Diskussion: Die Terrasse auf dem FHS-Sockel ist explizit öffentlich zugänglich, ist heute aber noch oft leer – sicher eine schöne Gelegenheit für Sonnenanbeter und Rooftop-Partys.

PS 2: Der Tisch hinter den Gleisen könnte noch etwas Zulauf brauchen. Gestern waren inklusive Journalisten und Veranstaltern etwa 17 Nasen vor Ort!

PS 3: Wir bleiben dran.

Jetzt mitreden: 4 Kommentare
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Artikel im Saiten – Tisch hinter den Gleisen,  

… Anwohner und Gewerblerinnen für eine sogenannte Sozialraumanalyse befragt. Parallel dazu gabs eine öffentliche Online-Umfrage. Ihre Meinung kundgetan haben so off- und online insgesamt rund 1200 Nutzer des Quartiers. (Der …

Hans-Heiri,  

Partizipation statt Demokratie, das kann ja heiter werden! Wenn wir jetzt mit einer Umsetzungsinitiative zur Alpeninitiative (1994) oder zur Abstimmung Marktplatz St.Gallen (2011, inkl. Autokeller) kommen würden: Jede Wette, die Wirtschaft würde ganz schnell das Portemonnaie zur Bekämpfung zücken. Denn: Lieber den Gewinn der Autolobby verteidigen, als sich für Menschenrechte einsetzen. Und dann baut da noch der Kanton SG der FHSG ein Schulhaus für 100 Mio., welches angeblich schon kurz nach der Eröffnung zu klein ist. Und genau diese FHSG dirigiert dann die sog. Partizipation. Oh weh!

Patrick,  

Ein Mehrwert besteht doch bereits darin, DASS ein Beitrag veröffentlicht wird. So habe beispielsweise ich nur dank Saiten (und nicht etwa dank städtischer Informationsoffensiven) überhaupt Kenntnis vom geplanten "World Café". Insofern erhöht der resp. jeder Artikel sehr wohl die "Bereitschaft der Bevölkerung, an diesem World Café teilzunehmen". Im Übrigen könnte man auch Ihnen, Ruedi, vorwerfen, sich auf Kritik zu beschränken. MfG

Ruedi,  

"Und dafür braucht es dann etwas mehr als eine Medienmitteilung, Facebook-Posts und Tweets."

Was genau würde nach Ihnen, Herr Zwingli, denn die Bereitschaft der Bevölkerung, an diesem World Café teilzunehmen erhöhen? Leisten Sie doch einen Mehrwert mit ihrem Beitrag, indem Sie sich nicht einfach auf Kritik beschränken. Oder wissen Sie selbst nicht, wie man diesen partizipativen Prozess fördern könnte? Dann wären Sie aber auch der Falsche, der diesen kritisiert.

Neue Eigenproduktion

Mit Walt Whit­man in die Zu­kunft 

Von  Vera Zatti
DB0 A7992

Tunneleröffnung

Von der Lok­re­mi­se zur Reit­hal­le gehts jetzt un­ten durch

Von  René Hornung
IMG 6792

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher