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Bahnhof Nord: Das Volk übernimmt

Wie hinter dem St.Galler Hauptbahnhof gewurstelt wird, passt vielen Stadtbewohnern nicht. Nun soll der Unmut auf den Tisch kommen - den «Tisch hinter den Gleisen». Das Ziel: der Stadt die Federführung aus der Hand zu nehmen.
Von  Urs-Peter Zwingli

Viel ist in den letzten fünf, sechs Jahren im Gebiet Bahnhof Nord abgerissen und gebaut worden, das Quartier wirkt heute wie zufällig hingeworfen: Zwischen St. Leopard und dem FHS-Turm drängen sich alte und neue Gebäude, Platz an bester Lage wird durch ein grosses Parkfeld belegt. Der Bahnhofplatz Nord ist reiner Durchgangsort, verweilen wollen hier nicht mal die FHS-Studis, wenn ihre Kurse vorbei sind.

Doch auch die vorbeieilende Bevölkerung sieht, dass hier etwas nicht stimmt: Öffentlich laut wurde der Unmut im vergangenen Sommer an einem Podium mit Baudirektorin Patrizia Adam. Trotz der damals spürbaren Unzufriedenheit hat man von der Stadt seither wenig Greifbares gehört, was den Bahnhof Nord angeht. Sie hat es verpasst, deutlich und offen zu sagen: Wir nehmen diese Kritik ernst, das Gebiet ist wichtig für die Stadt und ihre Bewohner, es soll dort, wo heute das Spanische Klubhaus steht, kein zweites St.Leopard geben.

Der Stadt die Federführung entziehen

Nun haben einige Stadtbewohnerinnen und -bewohner offenbar genug von Fehlplanungen und Hinhaltepolitik: In einem Positionspapier, das seit kurzem per Mail und in Beizen kursiert, laden sie zum Tisch hinter den Gleisen. Angedacht ist eine offene Runde, bei der «über nichts Geringeres als die Zukunft dieser Stadt» gesprochen werden soll. Diskutiert wird – wo denn sonst – im Spanischen Klubhaus, das zum Symbol des Konflikts um den Bahnhof Nord geworden ist.

Weiter heisst es: «In den letzten Monaten gab es bei der Planung des Areals Bahnhof Nord diverse Änderungen und Unsicherheiten in Bezug auf das weitere Vorgehen. Dies hat uns veranlasst, die Federführung der Direktion für Bau und Planung zu entziehen und der Bevölkerung zu übertragen.» Wenn die Stadt nichts macht, machen wir halt selber, sagen sich die Initianten: laut eigenen Angaben ein halbes Dutzend junge Menschen, die in St.Gallen wohnen, studieren, arbeiten und «aktiv am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilnehmen».

Zukunft des Spanischen Klubhauses

Es gehe auch darum, die Meinung der Strasse zum Bahnhof Nord einzuholen, heisst es von der Gruppe. Auch der Quartierverein Rosenberg wurde eingeladen. Interessant dürfte werden, ob die Stadt auch eine Vertretung an den Tisch schickt.

Dass das Thema – vor allem die Zukunft des beliebten Treffpunktes Spanisches Klubhaus – bewegt, ist offensichtlich: So ging kürzlich das Gerücht um, die Stadt habe das Areal mit dem Klubhaus sowie dem Wohnhaus Lagerstrasse 10 nun definitiv gekauft. Das Angebot dazu liegt der Stadt jedenfalls seit November vor.

Auf Anfrage winken allerdings die Stadt und die jetzigen Besitzer, die Familienausgleichskassen, ab: Man sei noch in Gesprächen.

Gut also, dass die Gespräche nun auch andernorts zum Laufen kommen.

 

Der erste «Tisch hinter den Gleisen» findet am Mittwoch, 14. Januar, um 19 Uhr im Obergeschoss des Spanischen Klubhauses statt.

 

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