Planer, Managerinnen, Gebietsentwickler, Behörden- und Verwaltungsmitglieder: Sie alle sind ganz normale Menschen. Und weil sie normale Menschen sind, haben sie sich an das «Bestehende» gewöhnt. Deshalb sind sie mit ihrer Handlungsweise tief darin verankert. Es sind eben die Dinge, die man nur ungerne loslässt.
Wie normale Menschen wissen auch sie sehr gut, dass sich die Welt rund um uns herum verändert. Sie verkünden diese Tatsache sogar auf Veranstaltungen, schreiben fleissig darüber in Foren und reden darüber, dass wir endlich umdenken müssen. Aber genau wie bei normalen Menschen sind die traditionell verwurzelten Handlungsmuster hartnäckig.
Ein Beispiel: Wenn es um «Smart Cities» geht, stehen die Forderung, dass wir nachhaltiger werden müssen, und die Frage, was der Staat dazu leisten kann und muss, meistens zuoberst auf der Traktandenliste. Das haben wir seit dem Bericht des «Club of Rome» 1972 ausgiebigst diskutiert. Im Hinblick auf die gesellschaftlichen Mobilitätsbedürfnisse, gilt die erste Sorge oft der Nachfrage; welche infrastrukturellen Massnahmen und Investitionen notwendig sind, um die Kapazitäten bereitzustellen.
Nachhaltige Stadtentwicklung und angebotsorientierte Mobilität oder gesellschaftlicher Konsens? Wir kennen die Trends, die Bedürfnisse, aber auch die Unzulänglichkeiten.
Erleuchtet? Nein, verblendet!
Neben jenen, die schon wissen, worum es sich handelt, sich aber nur mit Mühe und Not von den alten Denkmustern und Handlungsfeldern lösen können, haben wir noch die «Erleuchteten». Diejenigen also, die eben das «Licht» gesehen haben. Sie erklären lauthals, dass alles, was hinter uns liegt, sozusagen mausetot ist. Ein neues Jahrzehnt, nein, eine neue Ära sei angebrochen. Sie lesen «Triumph oft the City» von Edward Glaeser und plappern ihm vorbehaltlos nach: «Wenn nur der Staat sich nicht überall einmischen würde, dann kommt es schon gut mit der Stadt, mit ihrer Entwicklung, mit ihrer Prosperität».
Das ist nicht nur eine Anmassung, sondern auch ein grosses Missverständnis! Sie sind von Thomas Piketty und seinen Thesen begeistert und nicken sie vorbehaltlos ab. Sie lesen Sloterdijk, weil er eben zum guten Ton gehört und weiss, wie man leben muss und was man an sich selber ändern sollte: «Du musst dein Leben ändern».
Das vom Staat diktierte top-down «Wir wissen, was gut für die Gesellschaft ist» und das bottum-up der Bürgerinnen und Bürger «Wir wissen schon, was uns bedrängt, uns beschäftigt» passen je länger je weniger zusammen.
Neuere Erkenntnisse aus soziologischen Untersuchungen über Stadtentwicklung besagen, dass uns als Resultat unserer «dualen» Gesellschaft die Kunst des Mitgestaltens abhanden kommt, am Verschwinden ist, entgleitet.
Ist uns das Handwerk der Bürgerbeteiligung, der Partizipation, abhanden gekommen? Wir haben ein Jahrhundert staatlich gelenkte Stadtentwicklungspolitik hinter uns. Haben wir als Bürgerinnen und Bürger zu oft ohne mitreden zu können unsere Kreuzchen gesetzt?
Neue Rollenverteilung dank überforderter Obrigkeiten
In der Stadtentwicklungsfrage fehlt uns die gesellschaftliche Interaktion der Mitte. Es gibt keine Begegnungen mehr zwischen der institutionalisierten Stadtentwicklung und der Welt der lokal angesiedelten Initiativen.
Genug Trübsal, es gibt eine gute Nachricht: Einiges deutet nämlich darauf hin, dass wir als Bürgerinnen und Bürger wieder im Stande sind Initiativen zu ergreifen. Weil die Obrigkeit vielerorts überfordert ist, zeichnet sich eine neue Rollenverteilung im Zusammenspiel zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen «von oben nach unten» und «von unten nach oben» ab.
Wie sollen die künftigen Protagonisten ihre Rolle ausfüllen? Das ist eine Frage, die uns beschäftigen sollte. Und da helfen uns Sloterdijk, Piketty, Sennett und Glaeser nicht. Da müssen wir uns selber an der Nase nehmen.
Soll sich der Staat aus Stadtentwicklungsfragen zurückziehen und das Feld den Stadtbewohnern überlassen? Die Antwort ist selbstverständlich nein. Für eine Gesellschaft, die im Grunde genommen fähig ist, sich über Fragen der Stadtentwicklung zu artikulieren und darüber hinaus auch Möglichkeiten hat, sich einzumischen, muss der Staat Voraussetzungen schaffen.
Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass wir die Exekutive per Demokratiebeschluss für diese Aufgabe beauftragt haben. Und ganz nebenbei: Man lese doch die Legislaturziele, die in den letzten Jahren landauf, landab veröffentlicht worden sind.
Gesellschaftliche Outputs statt behördliche Inputs
Die Herausforderung besteht darin, dass gesellschaftliche Initiativen aktiv unterstützt werden müssen. Anstatt des behördlichen Inputs sollte der gesellschaftliche Output gesteuert werden. Die Planungsdoktrin in Sachen Stadtentwicklung ist auf dem Prüfstand. Wir müssen wieder lernen, uns mit dringenden Fragen der Stadtentwicklung zu befassen, die der Staat, wie es unzählige Beispiele aus jüngster Vergangenheit gezeigt haben, nicht mehr im Alleingang bewältigen kann.
Für die Verwirklichung von Änderungen soll der Staat aktiv Rahmenbedingungen vorgeben, die nicht zuletzt die Funktion haben, eine Gesellschaft zur aktiven Gestaltung zu motivieren.
Mark Besselaar leitete von 1993 bis 2008 das Stadtplanungsamt St.Gallen. Heute ist er im Ruhestand und unter anderem ehrenamtlich tätig für Buchstadt St.Gallen.
Bild: I de Begegnigszone… – Gallusstrasse St.Gallen, frisch gepflästert, begegnungszonen.ch
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
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Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.