Das vom Heimatschutz organisierte Podium «Bahnhof Nord – Wie weiter?» war in vielen Dingen erhellend, konnte aber die Titelfrage kaum befriedigend beantworten. Nicht unwesentlich dabei war, dass Stadträtin Patrizia Adam sich darauf beschränkte, ihre komplizierten Aufgaben als Chefin der Baudirektion zu betonen oder gar nichts zu sagen.
Sätze wie «Da ich ja Juristin bin, weiss ich die Antwort [auf diese juristische Frage] nicht», sähten erste Zweifel an der Echtheit der Veranstaltung, schliesslich wird in der Lokremise sonst auch Theater gespielt. Die Neuigkeit des Tages, dass der Hogar Español ein halbes Jahr länger im Klubhaus wirten darf, wurde zufälligerweise nur Stunden zuvor kommuniziert von der Stadt; ein Glücksfall, wie Diskussionsleiterin Kathrin Hilber leicht ironisch bemerkte.
Mit dieser Neuigkeit wollte Frau Adam wohl auch trumpfen und kündigte an, dass man jetzt eine gemeinsame Lösung suche, die von vier Architekturbüros im Studienwettbewerb geplant werde. Ob diese vier aus St.Gallen kommen, weiss die Stadträtin nöd.
Wenn man sich nun fragt, wer davon sonst noch wissen könnte, wenn nicht unsere Baudirektorin, nehme man nochmals das nachmittägliche Communiqué mit folgenden Sätzen zur Hand: «Anschliessend an diese Planung werden die Familienausgleichskassen ihr Projekt für ein Geschäftshaus selbständig weiterverfolgen. Die Stadt wird für ihr Teilgebiet im östlichen Arealteil die Abgabe an einen Investor angehen, wobei auch öffentliche Nutzungen einbezogen werden sollen». – Eine etwas umständliche Formulierung für: Wir haben noch nicht entschieden, wer uns über den Tisch ziehen darf.
Aus dem Publikum wird gefragt, warum in aller Welt die Stadt nicht von ihrem Vorkaufsrecht beim Klubhaus Gebrauch gemacht habe, dann müssten jetzt kaum Gespräche geführt werden und die Stadt könnte freier planen. Weil «zu teuer» und der Unterhalt «unhaltbar», antwortet Adam. Eine schon fast dreiste Aussage: Die 1.5 Millionen fürs Klubhaus hätte St.Gallen vermutlich schon bei der Weihnachtsbeleuchtung wegsparen können. «Zu teuer» sind andere Projekte. Allerdings: Die Initiative zum Erhalt des Klubhauses wurde so vermieden. Man wird hier für blöd verkauft.
Adam will «ein möglichst gutes Ende» fürs Quartier finden, wobei man ihr das vermutlich glauben darf. Ein würdiger Tod also? Harakiri am Verhandlungstisch, oder doch lieber das Ende der politischen Stadt? Dabei waren an ebendiesem gutbesuchten Podium genügend Stimmen zu hören, die noch nicht resigniert haben und ihre Träume und Ideen aussprechen.
Architekt Thomas K. Keller zum Beispiel wünscht sich mehr Excellence im Bahnhof Nord, schliesslich werteten zerstückelte Bauten wie Leopard und KV Ost den Standort Lokremise eher noch ab, findet er, was ja nicht das Ziel sei. Nur beim Esprit dürfe man nicht sparen. Adam versteht Thomas‘ Argument und erinnert: «mir sind aber nöd elei» – da sind noch Bauherren und so. Politik habe aber doch immer mit Überzeugungsarbeit zu tun, mahnt Kathrin Hilber vom Heimatschutz.
Der Zürcher Städteplaner Michael Güller sieht hinter dem Bahnhof vor allem das grosse Potenzial. Man müsse dabei immer an die Fussgängerströme und Veloparkplätze der Zukunft denken, was bei der FHS nicht (oder zu wenig) geschehen sei. Da werden sich irgendwann rauchende Studierende mit Pendlerströmen den knappen Vorplatz teilen müssen.
Beim Exkurs in andere Städte macht Güller eine interessante Feststellung zu Zürichs Europaallee: Will man Leben im Quartier, reicht es nicht, in den EG’s ein paar Cafés zu platzieren. Man komme nicht daran vorbei, an ein gewisses Grundsubstrat zu denken. Es gehe darum, einen Mikrokosmos zu schaffen, mindestens zu ermöglichen.
Genau das ist es, was im Bahnhof Nord nicht passiert. Der Quartierverein wartet seit Monaten auf einen Fussgängerstreifen und eben: Das lebendige Klubhaus muss voraussichtlich weichen. FHS-Verwaltungsdirektor Carlo Höhener bemerkt mehrmals, dass man sich primär um akute eigene Probleme kümmern wolle. In Bälde würden die Räume im FHS-Neubau nämlich nicht mehr genügen, neue müssten her und möglichst direkt daneben.
Welche Leute denn mit einem Klubhaus-Ersatz angesprochen werden sollen, welche Visionen Adam hierbei habe, fragt das Publikum. Hotels vielleicht, Läden und Cafés, so ihre Antwort. Dass Hotels auch «Leute» sind, ist zwar neu – sonst sind sie doch immer Personen, juristische –, aber es war bei weitem nicht ihre schrägste rhetorische Wendung des Abends. Da gab es zum Beispiel auch Leute, «die sich noch selbst gehören» (Hauseigentümer) oder «guten Groove im Bahnhof-Nord Quartier».
Inwieweit Leblosigkeit und guter Groove miteinander übereinstimmen, wurde nicht erläutert an der Diskussion. Wäre das Ganze eine Theaterproduktion gewesen, gewisse Rollen hätten total übertrieben gewirkt. Trotz einiger Lacher verlassen viele Besucherinnen und Besucher die Veranstaltung kopfschüttelnd.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.