Nicht allen wird die Metapher vom «Potemkinschen Dorf» bekannt sein. Alle aber wissen oder meinen zu wissen, was ein Fake ist. Fakes – Fälschungen, Täuschungen – sind, als Behauptung und manchmal auch als Tatsache, in jüngster Zeit allgegenwärtig. Allen voran beim Noch-US-Präsidenten: Wenn etwas ungelegen ist oder unerwünscht, ist es nach seiner Logik ein Fake. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Besser man verkauft selbst gleich Unwahrheiten, Lügen, Täuschungen als Wahrheiten. Und plötzlich sind sie wahr. Wahr ist, was man wahrnimmt.
Wird im September wahr
In der diesjährigen Gemeinschaftsausstellung der Kunsthalle(n) Toggenburg, die im September wahr wird, versuchen 20 Kunstschaffende hinter das Geheimnis der Fassade zu kommen. «Alles Fassade» heisst die zweiwöchige Ausstellung, wobei der Begriff auch hier als Metapher gewählt wurde. Die Künstlerinnen und Künstler wurden aufgefordert, Täuschungen zu produzieren. Hirngespinsten wurde freier Lauf gegeben, jeder und jede der eingeladenen Zwanzig aus der ganzen Schweiz soll nach Lust und Laune vormachen, projizieren, manipulieren, fälschen und frisieren. Schöne Fassaden bauen: eine Herausforderung, denn Krinau ist an sich schon ein schönes Dorf.
Malerisch und pittoresk
Krinau? Warum gerade Krinau und wo zur Hölle ist dieses Krinau. Krinau ist ein Dorf im mittleren Toggenburg, politisch unselbständig seit der Gemeindefusion mit Wattwil, malerisch und idyllisch gelegen, pittoresk würden Touristiker sagen.
Krinau ist ausserdem eine Sackgasse, dahinter geht es im Tal nicht mehr weiter, ausser man hat einen SUV. In Krinau müssen die Leute also zumindest anhalten, wenn nicht gleich bleiben, und sich die Sache mit der Fassade und dem Dahinter ansehen.
«Alles Fassade»: 9. bis 23. September in Krinau, Vernissage 8.9. 14:30 bis 17 Uhr, Rahmenprogramm und Ereignisse: kunsthallen-toggenburg.ch
Der Verein Kunsthalle(n) Toggenburg hat seit eh und je (seit 13 Jahren) stets Orte bespielt, auf die man nicht gleich kommt, öfters auch openair und verteilt über das ganze Toggenburg von Bütschwil bis Sellamatt. Und schon immer gehörte zum Konzept, ein- und ausheimische Kunstschaffende einzuladen, sich zum vorgegebenen Thema Gedanken beziehungsweise: Kunst zu machen.
Das ganze Dorf ist dabei
Miteinbezogen hat das OK das ganze Dorf, seine Menschen, seine Häuser und seine Kulturschaffenden. Es gibt Performances im Rahmenprogramm, einen Gottesdienst, ein Schwyzerörgelikonzert, den Männerchor Krinau, diverse Präsentationen und natürlich moderierte Führungen entlang des Fassadenwegs.
Alles wahr – vom 9. September an. Jedenfalls wahrer als die Legende von den gefakten Fassaden, die der russische Feldmarschall Potemkin 1787 angeblich in der russischen Pampa aufbauen liess, um Zarin Katharina II. zu beeindrucken.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:
Patrick Benz, Rorschach; Ralph Brühwiler, Ebnat-Kappel;Othmar Eder, Stettfurt; Matthias Gubler, Zürich; Manuela Langer, Zürich & Hemberg; Künstlerduo Müller Tauscher mit Rahel Arzi, Wald ZH und Windisch; Doris Naef, Weinfelden & Uzwil; Stefan Rohner, St. Gallen; Sonja Rüegg, Ebnat-Kappel; Emanuel Strässle, Basel; Hans Thomann, St. Gallen; Olivia Wiederkehr, Zürich; Eliane Zgraggen, Zürich; Daniel Göttin, Basel; Flurina Badel und Jérémie Sarbach, Guarda & Basel & Binn; Christine Camenisch und Johannes Vetsch, Basel; Paulo Wirz, Genf; Matheline Marmy, Genf & Rotterdam; Ueli Alder, Hemberg.
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